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Bauwirtschaft

Viel mehr als „nur“ Beton

Dem Verbundwerkstoff Carbonbeton wird eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Er soll sogar den Klassiker Stahlbeton ersetzen.
Von Thomas Tjiang, Wirtschaftszeitung

Kann immer mehr: Innovationen machen aus Beton Hochleistungsmaterial für die Zukunft. Foto. Annibell82 - stock.adobe.com
Kann immer mehr: Innovationen machen aus Beton Hochleistungsmaterial für die Zukunft. Foto. Annibell82 - stock.adobe.com

Dresden.Mit ihrem C-Projekt will die Technische Universität Dresden (TUD) das Bauen revolutionieren. C steht für Carbon Concrete Composite, wird landläufig als Carbonbeton bezeichnet und ist ein neuer Materialverbund von Carbon und Hochleistungsbeton. Die neue Art des Bauens soll bis 2025 als innovative Bauweise dauerhaft etabliert werden und den bisherigen Klassiker Stahlbeton ablösen. Derzeit ist Stahlbeton mit über 100 Millionen verbauten Kubikmetern im Jahr der wichtigste Baustoff Deutschlands.

Die Lebensdauer von Stahlbetonkonstruktionen bleibt aufgrund der Korrosion weit hinter den früheren Erwartungen zurück. Zwar wird das Stahlgerüst im Betoninneren durch eine extradicke Betonschicht geschützt, doch die Korrosion lässt sich so nur hinauszögern. Wird Stahl im Beton durch Carbon ersetzt, lassen sich viele Vorteile erzielen. Als wichtigster Pluspunkt gilt eine verlängerte Lebensdauer von Brücken oder Bauwerken, weil Stäbe und Matten aus hochtragfähigem Carbon nicht rosten. Zusätzlich spart man all den Beton, der nur den Stahl vor dem Verrosten schützen soll. Allein dadurch lässt sich schätzungsweise mindestens die Hälfte oder gar bis zu 80 Prozent der konventionell notwendigen Betonmenge einsparen.

Das hätte auch einen Umwelteffekt. Laut dem C – Carbon Concrete Composite e.V. ist Beton weltweit nach Wasser das am häufigsten genutzte Material, mit beachtlichen CO-Emissionen. Allein die Herstellung von Zement wird für 6,5 Prozent des gesamten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich gemacht. Das entspricht etwa dem dreifachen Ausstoß der globalen Luftfahrt. Der wesentlich geringere Betonbedarf beim Carboneinsatz wäre also zugleich ein wichtiger Klimaschutzbeitrag.

Der Verbundwerkstoff Carbonbeton ermöglicht nicht nur wirtschaftlich effizientere und ökologisch nachhaltigere Neubauten. Dank hoher Festigkeit mit freier Formbarkeit und Multifunktionalität ist bereits von einer neuen ästhetischen Architektur die Rede, leicht bauen und Beton sind kein Widerspruch mehr. Selbst alte und marode Bauwerke lassen sich mit extrem dünnen Schichten sanieren.

Das C-Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ der Innovationsinitiative des Bundesforschungsministeriums gefördert. Einem Konsortium aus über 160 Partnern stehen circa 45 Millionen Euro Fördermittel für die marktorientierte Weiterentwicklung der innovativen Carbonbetonbauweise zur Verfügung. Neben Auf- und Ausbau eines interdisziplinären Transfernetzwerks sollen wichtige Schlüsseltechnologien der gesamten Wertschöpfungskette in Deutschland verankert werden. Immerhin steht C für die weltweit führende Forschungseinrichtung für Carbonbeton. Mit dem Beitrag „Das faszinierende Material Carbonbeton – sparsam, schonend, schön“ gewannen die Forscher der TUD den mit 250000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2016, immerhin einen der bedeutendsten Wissenschaftspreise der Republik.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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