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Auto

VW-Aktionäre legen sich mit Chef an

Langweilig wird es auch bei dieser Hauptversammlung in Berlin nicht. Mit 99 Prozent entlastet werden aber letztendlich alle.
Von Thomas Strünkelnberg, dpa

Herbert Diess, der neue Volkswagen-Vorstandsvorsitzende, spricht bei der Hauptversammlung in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin.Kurz und knapp die Lage darstellen, ein paar freundliche Nachfragen, schnelle Entlastung für Vorstand und Aufsichtsrat – genau so läuft eine Volkswagen-Hauptversammlung in der Regel nicht ab. Auch diesmal wird Ärger laut – aber so gleichsam gesittet wie gestern geht es seit Jahren nicht mehr zu. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Der größte Autokonzern der Welt fährt der Abgas-Affäre mit ihren Millionen von manipulierten Dieselmotoren immer schneller davon, das Geld sprudelt, und der Absatz bricht alle Rekorde.

Kein Scherbengericht für Top-Management und Kontrolleure also. Vor allem mit Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch – bei Ausbruch der Abgasaffäre unter Ex-Konzernchef Martin Winterkorn noch Finanzvorstand – legen sich die Anteilseigner aber an. Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionäre sagt: „Unser Vertrauen haben Sie nicht.“ Winfried Mathes von Deka Investment fordert einen unabhängigen Aufsichtsratschef: „Herr Pötsch, Sie sind das nicht.“

Vorwurf der Arroganz und Ignoranz

Ein Antrag zur Abwahl Pötschs als Versammlungsleiter erhält allerdings nur 0,01 Prozent Ja-Stimmen. Und am Ende der Hauptversammlung erhielten Spitzenmanager wie auch Pötsch mit deutlicher Mehrheit von fast 99 Prozent die Entlastung der VW-Aktionäre für 2017. Kleinaktionär Manfred Klein sieht in Pötsch dennoch einen „personifizierten Interessenkonflikt“, wirft ihm Arroganz und Ignoranz vor und fordert ihn zum Gehen auf: „Herr Pötsch, ich fordere Sie auf, dass Sie selbst zu dieser inneren Einsicht kommen: Der Müller hat vergessen, mich mitzunehmen, ich gehe jetzt freiwillig.“ Der Gescholtene wiederum macht klar: „Ich teile Ihre Sicht nicht.“ Dann kehrt Pötsch zurück zur Tagesordnung. Bis Mitternacht muss die Hauptversammlung durch sein – Pötsch verkürzt die Redezeit auf drei Minuten. Und dreht das Mikro ab, wenn ein Beitrag zu lange dauert.

Für Nachfragen sorgt trotzdem der etwas überraschende Wechsel an der Konzernspitze, den Volkswagen Mitte April verkündet hatte. Herbert Diess löst Matthias Müller ab – und will der Unternehmensgruppe Beine in Sachen Innovation machen. Bedeutet dies, dass Aufsichtsrat und Volkswagen-Eigner um die Familien Porsche und Piëch den Ex-Konzernchef als eine Art „lahme Ente“ betrachten, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer mutmaßt? NordLB-Analyst Frank Schwope winkt ab.

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Müller habe den Job bei Volkswagen – den er als Nachfolger von Winterkorn im September 2015 antrat, als dieser vom „Dieselgate“ aus dem Amt gefegt wurde – von Anfang an „nicht mit Euphorie“ ausgefüllt. Aber er habe den Großteil der Aufräumarbeiten nach dem Skandal übernommen. Das rechnen ihm die Anteilseigner offensichtlich hoch an. Mathes bezeichnet die Gründe für den Wechsel an der Konzernspitze als nebulös: „Der Vorstand wurde ausgewechselt wie die Trainer des Werksvereins VfL Wolfsburg.“

Forderung nach Hardware-Nachrüstung

Klar ist: Auch wenn die Geschäfte laufen, bleiben dunkle Wolken am Horizont. So wird die Forderung nach Hardware-Nachrüstung älterer Diesel auf VW-Kosten laut. Und: „Dieselgate“ dürfte noch nicht ausgestanden sein, die rechtliche Abarbeitung Jahre in Anspruch nehmen, erklärt Diess. Auf der Haben-Seite dürfte stehen: Die Geschäfte laufen wie geschmiert, auch wenn der Dieselanteil an den verkauften Autos in Deutschland dramatisch sinkt, während der Anteil der Benziner steigt.

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