MyMz
Anzeige

Wirtschaft

Abgasskandal: Wer wusste was – und wann?

Die US-Justiz nimmt insbesondere Ex-VW-Chef Martin Winterkorn ins Visier. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Von Andreas Hoenig, Friederike Marx und Steffen Weyer, dpa

In den USA wurde gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn ein Haftbefehl erlassen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
In den USA wurde gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn ein Haftbefehl erlassen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wie ist der Stand bei den Ermittlungen in Deutschland?


Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen den ehemaligen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn und andere VW-Manager wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des Betrugs – und es könnte bald Klarheit herrschen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft verglich die Ermittlungen mit einem Marathonlauf – es beginne nun die Runde im Stadion mit Sicht auf die Ziellinie. Die Verteidiger sollen im Sommer Akteneinsicht bekommen. Der Austausch mit den amerikanischen Kollegen sei in allen Fragen „sehr eng und gut“. Im Kern geht es sowohl in den USA als auch in Deutschland um die Frage: Wann hat Winterkorn von den illegalen Manipulationen erfahren? Hat er sie sogar gebilligt und dafür gesorgt, dass sie unter dem Teppich bleiben?

Was sagt Winterkorn selbst zu den Vorwürfen?

Der Abgasskandal wird VW noch eine Weile verfolgen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Abgasskandal wird VW noch eine Weile verfolgen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der 70-Jährige selbst schweigt seit längerer Zeit. Ein Insider, der mit ihm in Kontakt steht, sagte am Montag, Winterkorn wolle sich bei passender Gelegenheit umfassend zu den schweren Vorwürfen äußern. Es hänge vom Fortgang der Ermittlungen in Deutschland ab. Winterkorn sei jedenfalls „nicht im Büßergewand“. Der frühere Volkswagen-Konzernchef lebt in München, und es ist zu erwarten, dass er Deutschland vorerst nicht verlässt. Denn die USA haben einen Haftbefehl erlassen. Deutschland darf ihn laut Grundgesetz nicht ausliefern und der US-Justiz übergeben. Winterkorns Verteidigungslinie lautet: Er habe von den illegalen Abgas-Manipulationen in den USA erst kurz vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Skandals im Herbst 2015 Kenntnis bekommen. Vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestages sagte er im Januar 2017: „Es ist nicht zu verstehen, warum ich nicht frühzeitig und eindeutig über die Messprobleme aufgeklärt worden bin.“

Der damalige VW-Chef war am 23. September 2015 zurückgetreten, kurz nachdem der Autokonzern die Manipulationen einräumte. Die US-Ermittler gehen aber davon aus, dass Winterkorn bereits im Mai 2014 und Juli 2015 informiert wurde – und dann mit anderen Führungskräften entschieden habe, die illegale Praxis fortzusetzen. Auch bei den deutschen Ermittlungen dürfte dies eine große Rolle spielen. Bei VW ist die Lesart so: Alleine eine kleine Gruppe von Mitarbeitern sei verantwortlich für die Manipulationen. Der Vorstand habe erst viel später von der Dimension und von illegalen Praktiken erfahren.

Inwieweit könnte Winterkorn von VW belangt werden?

Vorstände und andere Topmanager haften persönlich nicht nur gegenüber Kunden oder Aktionären, sondern auch gegenüber dem eigenen Unternehmen. Es reicht, dass sie ihren Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen sind, auch wenn sie von den Vorfällen nichts wussten. Vorstände müssen Unternehmen so organisieren, dass gravierende Fehler nicht passieren oder zumindest rechtzeitig nach oben gemeldet werden.

Die Unsicherheit für die Verbraucher bleibt:

Wertverlust

  • Tausende VW-Fahrer

    haben auf Entschädigungen geklagt. Dabei geht es etwa um den Wertverlust ihrer Dieselautos.

  • Eine höchstrichterliche

    Entscheidung dazu aber gibt es noch nicht, erst dann dürfte Klarheit herrschen.

Was könnte VW konkret von Winterkorn fordern?


Der VW-Aufsichtsrat könnte von Winterkorn, aber auch von anderen Vorständen wegen des Dieselskandals Schadenersatz fordern. Im Gegenzug könnte der Vorstand dem Aufsichtsrat aber vorwerfen, nicht ausreichend kontrolliert zu haben, wie Michael Hendricks, Experte für Manager-Haftungsfragen beim Versicherungsmakler Howden, sagte. Die Mitglieder des Kontrollgremiums gerieten also auch in die Haftung. „Deshalb tut sich der VW-Aufsichtsrat so schwer, Schadenersatz zu fordern. Er würde sich damit selbst ans Messer liefern.“ Die VW-Aufseher prüfen Schadenersatzforderungen gegen Winterkorn bereits seit längerer Zeit.

Mehr Wirtschaftsnachrichten lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht