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Wirtschaft
Freitag, 23. Februar 2018 2

Rohstoffe

Wettlauf um Gold der Elektroautos

Lithium und Kobalt stecken in Hightech-Gütern – könnten aber knapp werden. Viele buhlen um die Gunst der Förderstaaten.
Von Jan Petermann, Georg Ismar, Jörn Petring und Jürgen Bätz, dpa

Ein Kanal zum Absaugen der wertvollen Rohstofflösungen, die unter der Salzkruste des Salars de Uyuni in Bolivien lagern. Unter der Salzkruste lagern die größten Lithiumreserven der Welt. Foto: Georg Ismar/dpa

Berlin.Ohne sie muss die Revolution auf der Straße, in der Energiewelt und bei der digitalen Kommunikation ausfallen: Lithium, Kobalt, Coltan und die Metalle der Seltenen Erden sind der Grundstein für Elektroauto-Batterien, Windkraftanalgen und Smartphone-Akkus. Auch in vielen anderen Produkten kommen die Rohstoffe vor.

China greift zu

Vor allem bei Lithium zeichnet sich eine wachsende Knappheit ab – mit möglichen Folgen für die Versorgung von Herstellern und Kunden auch in Deutschland. Zumal China versucht, weltweit Zugriff auf immer größere Vorkommen zu erhalten.

Batterien von E-Autos, aber auch viele weitere Elektronikprodukte sind auf Lithium angewiesen. Das „weiße Gold“ kommt in der Zellproduktion zum Einsatz, auch deutsche Autokonzerne buhlen um neue Partner und gute Kontrakte zum Einkauf der zentralen Verbindung Lithiumkarbonat.

Das Dreiländereck Chile/Argentinien/Bolivien wird bereits als das „Saudi-Arabien Südamerikas“ bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl größten Lithium-Reserven der Welt. „Wir werden eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit“, sagte Boliviens Präsident Evo Morales vor einigen Monaten. Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine große Förderanlage errichtet werden, die das deutsche Unternehmen K-UTEC aus Thüringen geplant hat.

Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben – von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine große Batteriefabrik entstehen. Besonders chinesische Firmen hoffen auf den Zuschlag. Bolivien hat mit geschätzt neun Millionen Tonnen die größten Lithium-Reserven. Chile wird bis auf weiteres aber Weltmarktführer bleiben – bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180 000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden.

China ist einer der aktivsten Spieler bei Lithium. Mit mehr als 500 000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum größten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber auch die Produktion von Batterien dominieren. Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums.

Wie sicher ist die Versorgung?

Doch ist das Metall wirklich so selten? Es kommt auch auf den Zeithorizont an. Nach Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) wird sich der globale Bedarf an Lithium von derzeit 33 000 Tonnen bis 2025 mindestens verdoppeln. Experten wie Jaime Alée, Direktor des Lithium-Programms an der Universidad de Chile, warnten zuletzt vor einer Blase: „Die Reserven liegen weltweit geschätzt bei 40 Millionen Tonnen.“ Ein akuter Mangel sei daher unwahrscheinlich. Auch aus der Dera hieß es: „Es wird langfristig genug Lithium für den Ausbau der E-Mobilität geben.“ Ob eine kontinuierliche Belieferung selbst bei hohen Preisen aber immer gesichert ist, gilt als fraglich.

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