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Automarkt

Wie wir in Zukunft Autos kaufen

Ist das große Autohaus am Stadtrand ein Auslaufmodell? Händler erhoffen sich durch digitale Helfer neue Chancen.
Von Larissa Schwedes, dpa

Via augmented reality sieht sich ein Interessent ein Automodell in Rot an. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Stuttgart.Vom lebensgroßen Flachbildschirm begrüßt eine blonde Dame im Hosenanzug ihre Kunden im Autohaus der Zukunft. Freudestrahlend erklärt sie die Vorzüge einer App, die per Smartphone durch das Geschäft leitet und Informationen zu den Fahrzeugen liefert. Will man mit der virtuellen Verkäuferin kommunizieren, wischt man durch die Luft und gestikuliert.

Digitaldienstleister wie Ameria und Mackevision, die auch die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ mit aufwendigen Animationen versorgen, präsentierten in Stuttgart diese Technologie. Das Ziel: Kunden ins Autohaus zu locken in Zeiten, in denen sich Autos auch bequem online kaufen lassen.

Kleinere Verkaufsflächen

„Bisher war der Autohandel ziemlich analog“, sagt Burkhard Weller, der mit seiner „Wellergruppe“ 36 Autohäuser in Deutschland betreibt. Er hat zwei Mitarbeiter eingestellt, die sich ausschließlich um Digitalisierung kümmern. Heute kommen in neun von Wellers Häusern „Augmented Reality-Apps“ („erweiterte Realität“) zum Einsatz: Den weißen Sportwagen mal mit rotem Lack anschauen? Und schwarzen statt hellen Ledersitzen? Per Tablet kann jedes Ausstellungsstück den eigenen Wünschen angepasst werden.

Händler müssen nicht mehr ganze Flotten und Farbpaletten ausstellen, sondern können auf kleineren Verkaufsflächen einzelne Modelle zeigen. Innenstadtlagen mit mehr Laufkundschaft werden für Autohändler attraktiver. „Das ist die Zukunft“, sagt Weller.

In Innenstädten sind kleine Autogeschäfte mit viel digitaler Technik keine Seltenheit mehr. Tesla findet man in Stuttgart etwa zwischen Bäcker, Boutique und Kaufhaus. Nur vier Fahrzeuge stehen auf der Fläche – die Zahl der Bildschirme ist höher. Der Andrang ist groß. „So eine Simulation kann vor einem Kauf schon interessant sein“, sagt ein Besucher nach seinem Rundgang. Ein älterer Herr meint hingegen: „Ich bin eher konservativ. Angucken, anfassen, anfahren – das steht beim Autokauf für mich im Vordergrund.“

Händler gewinnt viel mehr Daten

Für Händler bietet die Digitalisierung ein dickes Plus, das erst auf den zweiten Blick auffällt: Sie generiert Daten. Jede genutzte App, jede Interaktion mit einem virtuellen Verkäufer hinterlässt einen digitalen Fußabdruck. „Das, was der Kunde bereit ist, uns zu geben, saugen wir ab“, berichtet Weller.

Der Händler kann sehen: An welchem Modell hält sich mein Kunde lange auf? Welche Informationen ruft er ab? Elektronisch werden detailreiche Profile generiert, wie kein Mitarbeiter der Welt sie sich merken könnte. Sind Maschinen also die besseren Autoverkäufer? Der Chef der Wellergruppe hofft zumindest, in zehn Jahren seine Autohäuser stärker mit Teilzeitkräften besetzen zu können.

Zumindest die herkömmliche Proberunde vor dem Autokauf wird wohl nicht so schnell aussterben. Technisch sind „Virtual-Reality“-Probefahrten bereits möglich. „Viele wollen aber im Autohaus gar keine verschwitzte Brille aufsetzen oder sich verkabeln lassen“, sagt Mackevision-Chef Armin Pohl. Außerdem sei die Technologie bisher noch sehr teuer. „Wir wollen den Kunden nicht durch digitalen Schnickschnack ablenken, sondern ihn menschlich beraten und digital unterstützen“, sagt Weller. An der „menschlichen Beratung“ muss die virtuelle blonde Verkäuferin noch arbeiten: Immer, wenn man an ihren Sensoren vorbeikommt, setzt sie erneut zur Begrüßung an.

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