MyMz
Anzeige

Windgas für günstige Energiewende

Gegen Stromverschwendung: Eine Regensburger Studie hält die Verwendung von Power to Gas als Energiespeicher für notwendig.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Bislang wird überschüssiger Strom aus Windkraft- und Solaranlagen kaum genutzt und, weil er zum gegebenen Zeitpunkt nicht gebraucht wird.
Bislang wird überschüssiger Strom aus Windkraft- und Solaranlagen kaum genutzt und, weil er zum gegebenen Zeitpunkt nicht gebraucht wird. Foto: dpa

Berlin.Bislang wird überschüssiger Strom aus Windkraft- und Solaranlagen kaum genutzt und, weil er zum gegebenen Zeitpunkt nicht gebraucht wird, wird er einfach „abgeleitet“. Obendrein muss für diesen Strom dennoch eine Vergütung gezahlt werden. Eine doppelte Verschwendung findet Michael Sterner, Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. In einer neuen Studie für Greenpeace Energy zusammen mit Energy Brainpool Berlin weisen er und seine Kollegen nach, dass mittels sogenanntem „Windgas“ oder „Power to Gas“ bislang überschüssiger Ökostrom wesentlich sinnvoller, und zwar als Speicher, genutzt werden kann.

Der Einsatz der Windgas-Technologie, bei der über ein Elektrolyseverfahren Wasserstoff sowie über einen weiteren Syntheseschritt Methan gewonnen wird, biete ungeahnte Möglichkeiten. Windgas könne nämlich in das vorhandene Gasspeichernetz gepumpt werden. Die bereits vorhandenen Speicherkapazitäten für Erdgas reichten aus, um sogenannte „Dunkelflauten“– also ohne Sonne und Wind – zu überbrücken. „Der deutsche Strombedarf könnte aus diesen Speichern theoretisch für mehr als drei Monate gedeckt werden“, erklärte Sterner in Berlin bei der Vorstellung der Studie. „Als Langzeitspeicher wird Windgas in jedem Fall unverzichtbar sein“, erklärte Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy. Die Technologie biete enorme Vorteile etwa gegenüber der Energiespeicherung in Batterien oder mittels Pumpspeicherkraftwerken. Die Kapazität dieser Speicher sei wesentlich geringer und zudem teurer.

Kommentar

Hürden wegräumen

Ob wirklich alle Prognosen der OTH Regensburg zur Zukunft der Windgas-Technologie zutreffen, kann niemand mit Sicherheit sagen. Wichtiger ist, dass mit...

Bislang stecke die Windgas-Technik, was ihre großtechnische Anwendung betrifft, noch in den Kinderschuhen. Es gebe deutschlandweit gerade mal etwa 30 Versuchsanlagen. Eine davon nahm die MicrobEneregy GmbH in Schwandorf in Betrieb. Die größte Anlage errichtet der Ingolstädter Autobauer Audi für rund 30 Millionen Euro. Aber auch Energiekonzerne wie Eon oder RWE haben Versuchsanlagen errichtet.

Die Anfangsinvestitionen in den Ausbau von Windgasanlagen erhöhten zwar die Kosten für das Stromsystem zunächst, doch diese Ausgaben amortisieren sich in den nächsten Jahrzehnten, meinte Thorsten Lenck von Energy Brainpool. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler wird von Mitte der 2030er Jahre an ein Stromsystem mit Windgas günstiger sein als ohne diese Technologie. Im Jahr 2040 sei sogar mit Ersparnissen beim Strompreis von zwei bis sechs Milliarden Euro pro Jahr zu rechnen.

Ohne die Windgastechnik dagegen wäre eine Stromerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen nicht erreichbar. Sterner verlangte für Windgasanlagen keine Öko-Stromumlage. Allerdings müsste Wirtschaftsminister Gabriel die Zulassung erteilen, dass überschüssiger Strom dafür genutzt werden dürfe. Windgasprojekte sollten zudem einfacher genehmigt werden und sie brauchten einen besseren Zugang zu Regelenergie-Märkten.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht