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Regensburg.

„Wir haben schon genug Wirkfiguren“

Astrid Göschel ist Deutschlands einzige Sprachingenieurin. Ihre „Schüler“ sollen bessere Redner werden und dabei vor allem authentisch bleiben.

Astrid Göschel will mit Sprache Brücken bauen.Foto: privat

Von Christine Hegen, MZ

Sprache, Sprachmuster, Sprachwirkung – die Leidenschaft von Astrid Göschel gehört ganz der Welt der Worte. Nur deshalb zog die gebürtige Ambergerin ins Schwäbische, studierte in Tübingen Allgemeine Rhetorik und Linguistik und begann noch während der Unizeit als Sprachtrainerin. Unzählige Weiterbildungen und zwölf Jahre Berufserfahrung später ist Astrid Göschel mit 33 heute Buchautorin –und vor allem Deutschlands erste und einzige Sprachingenieurin.

Diesen Titel hat sie beim Deutschen Markenamt schützen lassen. Mehrere Jahre tüftelte sie daran, wie sie ihre Tätigkeit in eine markante Bezeichnung packen könnte. Sprache versteht Göschel als Werkzeug, das man Menschen in Form von Technik an die Hand geben kann. Förderlich ist der Titel als Ingenieurin sicherlich auch, weil sich ihre Workshops und Seminare vor allem an technisches Publikum richten. „Nehmen wir beispielsweise den Leiter einer technischen Entwicklung, der auf einmal Personalführung übernehmen muss. Der ist ein ganz anderes Vokabular gewöhnt, als er für seine neue Aufgabe braucht“, erklärt Göschel. Deswegen vermittelt sie ihren Kursteilnehmern nicht nur korrekte Haltung, Gestik und Mimik, sondern auch, wie Sprache wirkt. „Unsere Sprachmuster beeinflussen unser Denken, Fühlen und Handeln. Es ist wichtig, wie ich etwas formuliere. Als Sender trage ich entscheidend dazu bei, ob der Zuhörer offen bleibt oder in den Widerstand geht“, sagt die Trainerin. Namhafte Firmen wie T-Com, TUI Suisse, Jenapharm oder Bizerba profitieren von diesem Know-How. Geht es um die langfristige Implementierung bestimmter Themen, wird Göschel auch unternehmensberatend tätig – Konzeptionen und deren sprachliche Umsetzung liegen ihr.

Der Sprachingenieurin ist dabei vor allem eines wichtig: Authentizität. „Wir haben schon genug Wirkfiguren“, sagt Göschel. Sie meint austauschbare Personen, durch Kleidung und eingetrichtertes Verhalten auf eine bestimmte Wirkung ausgerichtet. Sie wünscht sich selbstbewusste, keineswegs perfekte Menschen, die dafür aber „sind, statt nur zu scheinen“.

Innerhalb der Seminare kommt die „Göschel-Merk-würdig-Methode“ zum Einsatz, wie die Trainerin sie scherzhaft nennt: Eine zunächst merkwürdig klingende Geschichte wird im Laufe des Seminars merk-würdig. Hinter den Worten der Erzählung verbergen sich Lerninhalte. „Herzblatt steht dann zum Beispiel für die richtige Haltung“, erklärt Göschel. Ihr Lernen ist erlebnis- und ergebnisorientiert. Die Seminarteilnehmer probieren sich aus, bekommen permanent Feedback. Am Ende steht das Wissen um die jeweilige Wirkung. „Und daraus resultiert Selbstsicherheit“, sagt Göschel.

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