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Insolvenz

Ziems’ Rettungsplan für Pfleiderer steht

Die neue Beteiligungsgesellschaft aus Luxemburg übernimmt eine halbe Milliarde Schulden des Holzverarbeiters und soll dann das alleinige Sagen haben.
Von Andre Jahnke, dpa und Roman Hiendlmaier, mz

Wurde seinem Ruf als Sanierer wieder gerecht: Hans-Joachim Ziems

Neumarkt/Düsseldorf.Der insolvente Oberpfälzer Holzverarbeiter Pfleiderer will mit einem neuen Investor zurück zu seinen Wurzeln. Eine neue, auf Restrukturierungsfälle spezialisierte Beteiligungsgesellschaft namens Atlantik S.A. mit Sitz in Luxemburg werde Schulden in Höhe von 530 Millionen Euro übernehmen, sagte gestern der für den Umbau des Pfleiderer-Konzerns verantwortliche Vorstand, Hans-Joachim Ziems.

Der Insolvenzplan ist vom Unternehmen am Donnerstag beim Amtsgericht Düsseldorf niedergelegt worden. Dieser sieht eine weitgehende Entschuldung der Pfleiderer AG vor. Mit einer Entscheidung des Gerichts ist Ende September zu rechnen.

Operativ bereits schwarze Zahlen

Pfleiderer hatte sich unter der Regie des Ex-Vorstandschefs Hans H. Overdieck mit der Expansion nach Nordamerika verhoben und rund eine Milliarde Euro Schulden angehäuft. Ende März beantragte die Holdinggesellschaft Pfleiderer AG Insolvenz, Overdieck ging im Mai bei Pfleiderer von Bord. Nach dem Einstieg des Investors würden die Verbindlichkeiten bei Banken und Investoren auf gut 300 Millionen Euro sinken. Um diese Defizite abzubauen, ist weiteres Ziel des Plans der Verkauf des kompletten Laminatgeschäftes in den USA und Westeuropa sowie der Spanplattensparte in Kanada. „Danach steht Pfleiderer wieder da, wo man bereits 2007 stand“, betonte Ziems. Man werde sich wieder auf die alten Geschäftsbereiche Holzwerkstoffe und Beschichtungen für die Möbelindustrie besinnen.

Derzeit sei das Unternehmen operativ auf einem guten Weg, erläuterte Ziems. „Seit dem vierten Quartal 2011 werden schwarze Zahlen geschrieben und keine Kredite mehr aufgenommen.“ Der „Financial Times Deutschland“ sagte Ziems, dass er im kommenden Jahr operativ mit einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 130 Millionen Euro rechne: „Das ist kein großer Sprung gegenüber 2012.“

Bereits seit Monaten wird bei Pfleiderer auch wieder investiert. Zuletzt wurde am Montag in Neumarkt der Spaten für eines der größten Spanplattenwerke Europas gestochen, das in zwei Jahren fertiggestellt sein soll – geplante Investitionssumme: rund 25Millionen Euro.

Mit den geplanten Verkäufen in den USA und Westeuropa werde sich die Mitarbeiterzahl von momentan 4700 auf etwa 3600 reduzieren – 1600 davon alleine in Osteuropa. Die etwa 2000 Arbeitsplätze in Deutschland sind nach Konzernangaben nicht gefährdet. Sollte der Insolvenzplan rechtskräftig werden, verfüge Pfleiderer über eine solide und marktfähige Kapital- und Finanzierungsbasis, sagte Ziems. Das Unternehmen solle künftig ein Eigenkapital von 165 Millionen Euro haben, so Ziems zur „FTD“. Zur Zeit liege es nach hohen Verlusten in der Vergangenheit und wegen der drückenden Schulden bei minus 675 Millionen Euro.

Wer leitet künftig Pfleiderer?

Der Sanierer Ziems selbst werde sich zurückziehen, sobald das Gericht dem Insolvenzplan zugestimmt habe, was im September oder Oktober der Fall sein könnte. Angedacht sei dann eine Doppelspitze in dem Konzern. Namen nannte Ziems gestern aber nicht. Aktuell wird der Konzern von Düsseldorf aus noch von einem zweiten Manager gelenkt. Nach dem Ausscheiden von Overdiek hatte Ziems Elmar Geissinger als Finanzvorstand in die Konzernleitung geholt. Der 44-Jährige war zuvor als Partner von Ziems Unternehmensberatung seit Anfang 2011 mit der Sanierung von Pfleiderer betraut.

Ein Atlantik-Sprecher sagte dem „Handelsblatt“, Pfleiderer solle nicht schnell wieder abgestoßen werden. Das Investment sei auf mehrere Jahre angelegt. Im Umfeld des Investors hieß es, Keppel und Kinzius würden Posten im Aufsichtsrat beanspruchen, aber nicht in den Vorstand wollen.

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