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Die Plattform für die Energiewende

Das Bayernwerk transportiert bereits vorwiegend Ökostrom. Aber ihn zu verteilen, ist nicht so einfach. Daher wird investiert.
Von Christine Strasser, MZ

In der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald haben die Schaltmeister das Verteilernetz des Bayernwerks ständig im Blick.
In der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald haben die Schaltmeister das Verteilernetz des Bayernwerks ständig im Blick. Foto: ct

Neunburg vorm Wald.Auf drei Monitoren erscheinen Unter- und Oberfranken, die Oberpfalz sowie Nieder- und Oberbayern an den Arbeitsplätzen der Schaltmeister. Zwischen symmetrisch angeordneten Quadraten verlaufen darauf Linien in verschiedenen Farben. Irgendwie entsprechen die Punkte auf der Karte auch realen Orten. Die Experten im Dienst – in der Hochlastzeit zwischen 6 und 21 Uhr sind es zehn – entschlüsseln die Pläne wie andere Leute eine Straßenkarte, sie kennen den Fahrplan der 20-kV-Leitungen im Detail. In der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald schaltet und waltet die Bayernwerk AG über ihr Verteilernetz in Bayern. Die Leitungen des Mittelspannungsnetzes sind, was die Hierarchie betrifft, vergleichbar mit Landstraßen im Straßennetz.

Für den reibungslosen Stromfluss zu sorgen, ist in den vergangenen fünf Jahren eine deutlich größere Herausforderung geworden. Denn neben der Behebung von Störungen, der Instandhaltung und dem Ausbau des Netzes sind nun auch die erneuerbaren Energien zu managen, wie Wolfgang Tauber, Leiter der Netzleitstelle, erklärt. Das Stromverteilnetz muss angepasst werden. Gestern stellte das Bayernwerk die diesjährigen Netzausbaumaßnahmen in der Oberpfalz vor.

94 Millionen für die Oberpfalz

Im Netz des Bayernwerks, das rund zwei Drittel Bayerns – insbesondere die ländlichen Gebiete – abdeckt, fließt bereits über das Jahr gerechnet rund zur Hälfte Strom aus erneuerbaren Energien. In Ostbayern sind es sogar mehr als 60 Prozent, sagt der Technikvorstand des Bayernwerks, Dr. Egon Westphal, und spricht von einer „stürmischen Entwicklung“. Denn noch vor wenigen Jahren war das Bayernwerk hauptsächlich damit beschäftigt, den Strom von zentralen Kraftwerken zu den nur schwach dimensionierten Endpunkten in der Fläche zu bringen. Heute ist ein dynamisches Stromverteilnetz gefragt, das an den Endpunkten auch zeitweise große Strommengen, die in die entgegengesetzte Richtung fließen, aufnehmen kann. Mehr als 250 000 Photovoltaik-Anlagen speisen heute ins Bayernwerk-Netz ein. In Niederbayern und der Oberpfalz sind sie besonders weit verbreitet. Der dafür notwendige Netzausbau verschlingt enorme Summen. Rund 520 Millionen Euro will das Bayernwerk Westphal zufolge dieses Jahr investieren. Das ist im Vergleich zum Vorjahr, als 365 Millionen Euro investiert wurden, nochmals ein gewaltiger Sprung. Allein 94 Millionen fließen in die Oberpfalz – und dort in eine Vielzahl von Projekten. Rund 500 Projekte sollen in der Region realisiert werden.

Kommentar

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Alexander Radlbeck, der für die Netzbaumaßnahmen des Bayernwerks in der Oberpfalz verantwortlich ist, verdeutlicht, dass sich für die Anbindung des 20-KV-Netzes in der Region der Querschnitt der verbauten Kabel deutlich vergrößert. Ein willkommener Nebeneffekt der Baumaßnahmen: Masten und Freileitungen werden abgebaut. Westphal schätzt, dass bayernweit mindestens 100 Kilometer Freikabel verschwinden. Auf mehr als 1000 Masten wird das Bayernwerk so verzichten können, ist er sich sicher.

An manchen Tagen zu viel Leistung

Haben für das Bayernwerk die Energiewende im Griff (v.l.): Wolfgang Tauber, Leiter der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald, Technikvorstand Dr. Egon Westphal, Alexander Radlbeck, der für die Netzbaumaßnahmen des Bayernwerks in der Oberpfalz verantwortlich ist, und Regionalleiter Martin Hanner
Haben für das Bayernwerk die Energiewende im Griff (v.l.): Wolfgang Tauber, Leiter der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald, Technikvorstand Dr. Egon Westphal, Alexander Radlbeck, der für die Netzbaumaßnahmen des Bayernwerks in der Oberpfalz verantwortlich ist, und Regionalleiter Martin Hanner Foto: ct

Ein Vorteil, den die Kabel in der Erde haben werden: Ihnen können Stürme wenig anhaben. Die Störungsmeldungen wegen umgekippter Bäume hielten die Schaltmeister in der Leitstelle erst im März gehörig auf Trap. 2000 Ortsnetzstationen waren spannungslos. Es geschah, was die Hüter des Stromnetzes eigentlich vermeiden wollen: Ihre Arbeit wurde bemerkt. In solchen Momenten muss es schnell gehen. Ein leiser Gong ertönt und auf dem Monitor des Schaltmeisters blinkt eine Warnleuchte. Sobald die Ursache für eine Störung erkannt ist, muss ein Mitarbeiter los, um sich vor Ort um das Problem zu kümmern.

Eingreifen müssen die Schaltmeister aber nicht nur bei Sturm, sondern inzwischen eben auch bei starkem Sonnenschein. Dann führt der hohe Photovoltaik-Anteil im Verteilnetz des Bayernwerks dazu, dass die eingespeisten Strommengen den örtlichen Strombedarf übersteigen. Wenn dann die Kapazität im regionalen Verteilnetz nicht ausreicht, muss überschüssiger Strom in das vorgelagerte Höchstspannungsnetz gegeben werden. Am Spitzentag, dem 19. April dieses Jahres, war das eine regenerativ erzeugte Leistung von 2100 Megawatt – das entspricht etwa der Leistung von zwei konventionellen Kraftwerken.

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