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Entscheidende Minuten am Fenster

Einbruchsicherheit ist ein Schwerpunkt bei der Fensterbau Frontale und Holz-Handwerk. Auch Barrierefreiheit wird wichtiger.
Von Thomas Tjiang, MZ

Der Einbruchsschutz ist seit Jahren ein Dauerbrenner der Fensterbau-Branche. Foto: dpa
Der Einbruchsschutz ist seit Jahren ein Dauerbrenner der Fensterbau-Branche. Foto: dpa

Nürnberg.Das am Mittwoch in Nürnberg gestartete Messeduo Fensterbau Frontale und Holz-Handwerk bündelt alle zwei Jahre die Trends der beiden Sparten. In diesem Jahr zeigen bis einschließlich Samstag 1300 Aussteller aus 39 Ländern ihre Innovationen. Dabei geht es neben Maschinen und Anlagen auch um Neues aus dem Fensterbau oder Impulse für das Schreinerhandwerk. Für die diesjährige Auflage rechnen die Veranstalter erneut mit über 100 000 Besuchern.

Die neuen Entwicklungen in der Fensterbaubranche fasst Aussteller Wieland Frank, Chef von Siegenia-Aubi, zusammen. Erstens geht es weiterhin um mehr Sicherheit, also einen einbruchshemmenden Fensterbau. Zweitens um Barrierefreiheit etwa bei Terrasse oder Balkon, um kleineren Kindern und älteren Menschen das Leben zu erleichtern. Drittens sieht Frank den Komfort auf dem Vormarsch. Dafür soll die zunehmende Digitalisierung sorgen, die zudem intuitiv zu bedienen sein soll.

Als Beleg zeigt Frank das Display, was ein Fenster überwachen kann. Dabei geht es nicht nur um die simple Information, ob es geschlossen ist oder nicht. Digital gesteuert werden können auch die integrierte Lüftungstechnik in den Fenstern oder die Rollläden als Sonnenschutz. Der digitale Zähler, der Häufigkeit und Dauer geöffneter Fenster erfasst, macht für den privaten Bauherrn weniger Sinn. Für Wohnungsgesellschaften, bei denen auch immer mal um Schimmel in den Räumen gestritten wird, ist es allemal hilfreich.

In Zukunft wird es immer mehr Fenster mit digitaler Steuerung geben, ist sich Aussteller Wieland Frank, Chef von Siegenia-Aubi, sicher. Foto: Tjiang
In Zukunft wird es immer mehr Fenster mit digitaler Steuerung geben, ist sich Aussteller Wieland Frank, Chef von Siegenia-Aubi, sicher. Foto: Tjiang

Tür öffnen mit dem Telefon

Die digitale Vernetzung im Eigenheim – Stichwort smart home – kann den Bewohnern beim Fortgehen auch die Info „alles sicher“ mit aus den Weg geben. Beim Zurückkommen lässt sich die abgesperrte und gesicherte Tür statt mit einem Schlüssel auch mit einer Smartphone-App öffnen. So könnten individuelle Zutrittsrechte oder Zugangszeiten definiert werden.

Der Einbruchsschutz ist seit Jahren ein Dauerbrenner der Branche. Ungesicherte Fenster lassen sich binnen Sekunden mit einem Schraubenzieher öffnen, warnt Prof. Ulrich Sieberath, Chef des Prüfinstituts ift Rosenheim. Absolute Einbruchssicherheit gibt es allerdings nicht, die Branche spricht von einbruchshemmenden Fenster und Türen, die Langfinger und Banden drei, fünf oder gar acht Minuten aufhalten. Trotzdem, so Sieberath, hatten 40 Prozent der Neubauten im letzten Jahr noch nicht einmal den Minimalschutz von drei Minuten.

Gleichwohl ist der Fensterbranche mit bundesweit 6400 Betrieben, über 100 000 Mitarbeitern und einem stabilen Branchenumsatz von neun Milliarden Euro nicht zum Jubeln zumute. Im öffentlichen und gewerblichen Segment musste die Branche sogar ein Minus im letzten Jahr hinnehmen. In diesem Jahr wird sich wohl das Geschäft mit dem florierenden Wohnungsbau verlangsamen. Zum einen warten große Bauträger noch auf Steuererleichterungen und verschieben den Spatenstich nach hinten. Zum anderen wird verstärkt in den geförderten, sozialen Wohnungsbau investiert und auf günstigere Importfenster zurückgegriffen.

Safety first bei Fenster und Türen liegt im Trend - Einbruchsschutz wird groß geschrieben, weiß Prof. Ulrich Sieberath, Chef des Prüfinstituts ift Rosenheim. Foto: Tjiang
Safety first bei Fenster und Türen liegt im Trend - Einbruchsschutz wird groß geschrieben, weiß Prof. Ulrich Sieberath, Chef des Prüfinstituts ift Rosenheim. Foto: Tjiang

Konkurrenz aus Polen

Manche der 6000 bayerischen Schreiner leiden etwa an der unmittelbaren Konkurrenz aus Polen, berichtet Christian Wenzler vom Fachverband Schreinerhandwerk Bayern. Viele Holzbetriebe profitierten im Nachbarland von „EU-Fördermittel in Höhe von 50 Prozent für Maschinen“ und können kombiniert mit günstigeren Personalkosten „zu Kampfpreisen“ anbieten.

Preise spielen für den Aussteller Altendorf, Hersteller von sogenannten Formatkreissägen in integrierten Rolltischen, nicht die zentrale Rolle. Das 110 Jahre alte Familienunternehmen präsentiert den Messebesuchern erstmals seine Plattformstrategie. „Wir haben uns an der Automobilindustrie orientiert“, erklärt Firmenchef Jörg F. Mayer und die bisherigen Baureihen abgeschafft. Stattdessen wird nur noch modular produziert, die Kunden konfigurieren ihre Formatierungssäge selbst. Dazu gehört beispielsweise die Wahl der Steuerung als Display oder Tastenelement, die Motorleistung sowie viele weitere Zubehörteile und Extras. Altendorf exportiert fast 70 Prozent ins Ausland.

Klicken Sie auf die blauen Pfeile in unserem Info-Format um etwas über die Produzenten von holzverarbeitenden Maschinen zu lernen.

VDMA Holzbearbeitungsmaschinen

  • Umsatz

    Die rund 100 Mitgliedsbetriebe produzierten im vergangenen Jahr Maschinen und Anlagen aller Größenordnungen für rund 2,7 Milliarden Euro, etwas weniger als im Vorjahr.

  • Umsatzplus

    Die kleineren Schreinerausrüster rechnen für das laufende Jahr mit einem weiteren Umsatzplus, 2015 konnten sie ihr Geschäft um zehn Prozent steigern.

  • Export

    Im letzten Jahr waren Russland und Brasilien die großen Export-Sorgenkinder. Dafür boomte das Auslandsgeschäft mit Europa sowie mit den USA, das derzeitige Hauptabnehmerland Nr. 1.

  • Mitarbeiter

    Die VDMA-Betriebe im Segment Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigen stabil gut 15 000 Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel bezieht sich aktuell gerade auf Software-Entwickler, die kaum zu bekommen sind.

Holzbearbeitungsmaschinen, von der Formatkreissäge bis zum kompletten Sägewerk, sind ein Aushängeschild deutscher Maschinenbauer. „Wir sind hier Weltmarktführer“, sagt VDMA-Spartengeschäftsführer Bernhard Dirr. Er sieht die Möbelindustrie zusammen mit der Autoindustrie als „Vorreiter der Industrie 4.0“. Bei kleineren Schreinerbetrieben rechnet er ebenfalls mit einer rasanten Digitalisierung. Es gehe immer häufiger darum, Kunden einen individuellen Entwurf digital am PC oder virtuell mit Datenbrille zu präsentieren.

Darüber hinaus ermögliche ein digitaler Prozess auch die Vernetzung mit Spezialbetrieben, die einzelne Fertigungsschritte übernehmen. „Das ist mit einer Zettelwirtschaft im Betrieb nicht mehr zu steuern.“

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