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Enttäuschung nach der BMW-Absage

Die Meldung aus der BMW-Zentrale schlug in Regensburg wie eine Bombe ein: Die 2000 Arbeitsplätze kommen nicht in die Region.
Von Claudia Böken, MZ

Bei Niedertraubling wird es kein BMW-Logistikzentrum geben.
Bei Niedertraubling wird es kein BMW-Logistikzentrum geben.Foto: Fritz Winter

Regensburg.Das BMW-Logistikzentrum kommt nicht nach Regensburg/Niedertraubling, sondern nach Wallersdorf in Niederbayern. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs erhielt die Nachricht gegen 8 Uhr direkt aus München. BMW-Pressesprecherin Birgit Hiller betonte ausdrücklich, dass die Entscheidung nicht gegen Regensburg oder Obertraubling, sondern für Ostbayern getroffen wurde. „Dass die Konzernspitze so lange an Obertraubling festgehalten hat, lag in erster Linie am Engagement von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Wirtschaftsreferent Dieter Daminger“, versicherte sie und band in den „ausdrücklichen Dank“ des Unternehmens auch Landrätin Tanja Schweiger und alle, die sich um die Ansiedlung bemüht haben, ein.

„Einige haben zu hoch gepokert“

Das niederbayerische Wallersdorf habe letztlich aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Vorzug erhalten. Dort hätten Funktionalität und strategische Nähe zum Werk Dingolfing den Ausschlag gegeben: eine gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur. BMW baut jetzt drei neue Logistikzentren: im niederbayerischen Wallersdorf, in Landshut/Bruckberg und Kleinaiting im Landkreis Augsburg. Die Grundstücke in Wallersdorf gehören nach MZ-Informationen der Unternehmensgruppe Doblinger. Der Name ist in Regensburg bekannt, weil Ex-OB Hans Schaidinger früher dort tätig war.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, dem die Enttäuschung anzuhören war, wollte sich zur Entscheidung von BMW zunächst nicht äußern. Später schrieb er in einer Presseerklärung: „Wir bedauern sehr, dass das BMW-Logistikzentrum nicht nach Obertraubling kommt.“ Sein Dank galt allen, die sich für die Ansiedlung mit Herzblut engagiert und starkgemacht haben, vor allem Wirtschaftsreferent Daminger.“

Dann aber kamen deutlich kritische Anmerkungen: „Leider waren nicht alle Beteiligten flexibel und schnell genug, um die Entscheidung ins Positive zu wenden. Es wurde von manchen einfach zu hoch gepokert – nicht vonseiten der Stadt. Es gab Beteiligte, denen das Thema Arbeitsplätze für die Region offensichtlich nicht wichtig genug war,“ betonte er.

Die Absichtserklärung (Letter of Intent), die der Oberbürgermeister mit dem Haus Thurn und Taxis verabredet hatte, ist mit der Entscheidung von BMW hinfällig, bestätigte Wolbergs auf MZ-Nachfrage. Wie es mit dem Pürkelgut-Gelände und der Landesgartenschau weiter geht, ist damit ebenfalls offen.

„Schade, dass der Standort in der Gemeinde Obertraubling nicht das Rennen gemacht hat. Die ganze Region, das Landratsamt, die Gemeinde Obertraubling, die Stadt Neutraubling und die Stadt Regensburg haben dafür gearbeitet, dass das neue Logistikzentrum zu uns kommen kann. Wir haben gemeinsam mit der tatkräftigen Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung und des staatlichen Bauamts ein Verkehrskonzept auf die Beine gestellt und die Infrastruktur für die Ansiedlung vorbereitet. Alle haben an einem Strang gezogen und ihre Hausaufgaben gemacht“, vermeldete Landrätin Tanja Schweiger. Dem OB bestätigte sie, dass er gebietsübergreifend Verantwortung übernommen habe.

„Der Grund, sich von dem Standort zu verabschieden, liegt im privatrechtlichen Bereich zwischen Eigentümer und Investor und somit außerhalb unserer Einwirkungsmöglichkeiten“, betonte Schweiger.

„Den Blick nach vor richtigen“

„Nach dem ersten Schock richtet Regensburg den Blick nach vorn. Die Stadt ist auch nach dieser Entscheidung gut aufgestellt“, tröstet IHK-Geschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Um als Oberzentrum und Wachstumsmotor der Region auch in Zukunft Spitzenplätze zu besetzen, müsse die Stadt ihre strategischen Cluster konsequent weiter entwickeln. Regensburg lebe von Innovationen und Hightech. Gemeinsames Ziel sollte sein, den Standort auch langfristig wettbewerbsfähig zu halten und die hohe Wertschöpfung am Standort zu sichern.

Die CSU im Regensburger Stadtrat, die Kreistagsfraktion im Landkreis sowie die Landtagsabgeordneten Sylvia Stierstorfer und Dr. Franz Rieger finden in ihrem Statement die Schuldigen: „Eine große Chance für die Region Regensburg ist leider vertan.“ 2000 „fast schon sicher geglaubte neue Arbeitsplätze kommen nicht in die Region“. Fraktionschef Hermann Vanino unterstellt, dass dem OB „für die Komplexität solcher Verhandlungen wohl noch die notwendige Erfahrung und die erforderliche Abgeklärtheit fehlen.“ Der Raum Regensburg stehe nun als Verlierer da und der Ruf des Wirtschaftsstandorts könne Schaden nehmen. Für die Landkreis-CSU glaubt Peter Aumer: „Dass Landrätin Tanja Schweiger intensiv in die Verhandlungen über diese Betriebsansiedlung auf Landkreisgebiet eingebunden gewesen wäre, war für uns leider nicht erkennbar.“

Weder Wolbergs noch Schweiger wollten auf diese CSU-Anschuldigungen antworten: Für sie komme es nicht in Frage, sich „auf das gleiche Niveau mit der CSU“ zu begeben.

Kommentar

Krokodilstränen

Eigentlich müsste über der CSU-Stellungnahme stehen: „Gottseidank, dass das BMW-Logistikzentrum nicht nach Regensburg kommt.“ Denn genau das ist es, was...

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