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Merkel besucht Industrie 4.0 in Amberg

Siemens-Chef Kaeser zeigt Kanzlerin Merkel im Vorzeigewerk Amberg die Industrie 4.0. Ein Termin weitab aller Krisen
Von Martin Anton, MZ

  • Angela Merkel mit Joe Kaeser Foto: Schönberger
  • Siemens-Mitarbeiter warten auf Merkel. Foto: Schönberger
  • Merkel im Gespräch (mit Siemens-Chef Kaeser, zweiter von links, und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, CSU, rechts) während der Betriebsbesichtigung Foto: Schönberger

Amberg.Endlich positive Nachrichten von Siemens. Das mag sich der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser gedacht haben, als er gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel am Siemens Elektronikwerk Amberg (EWA) begrüßte.

Schließlich hat der Konzern schwere Monate hinter sich. Zwar konnte Siemens im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinnzusatz verbuchen. Doch gleichzeitig ging der Umsatz zurück, der Erlös wurde mühsam mit Sparen und Verkäufen von Firmenteilen erarbeitet. Die Anleger deuteten an, langsam die Geduld mit dem Vorstandsvorsitzenden zu verlieren, und in den Medien folgte auf „Siemens“ zuletzt meistens „Stellenabbau“. Denn der Umbau des Konzerns soll allein in Deutschland 3300 Jobs kosten.

Willkommene Abwechslung

Auch der Kanzlerin dürfte der Besuch recht gewesen sein. Nach den mühsamen Verhandlungen mit Putin, wegen der Ukraine-Krise und den nicht enden wollenden Querelen mit Griechenland stellte ein Fabrikrundgang in der Oberpfalz eine willkommene Abwechslung dar. Einen außerdem geplanten Vormittagstermin bei Kuka in Augsburg musste Merkel wegen Nebels absagen. In Amberg fuhr die schwarze Wagenkolonne aber pünktlich um 13.30 Uhr vor. Die Kanzlerin traf sich zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Kaeser, auch eine Handvoll Mitarbeiter, die bei Schneefall an der Werkseinfahrt gewartet hatten, sahen zunächst nichts von Merkel.

Merkel besucht Siemens in Amberg

Warum die Kanzlerin Siemens besuchte, war wohl den wenigsten Journalisten klar, die sich um 12.30 Uhr im eigens dafür eingerichteten Pressezentrum eingefunden hatten. Bei einem seiner Besuche in Berlin hatte Kaeser die Kanzlerin offenbar eingeladen. Grund genug für ein Dutzend Kamerateams und weitere Radio- sowie Zeitungsreporter, dem Ruf nach Amberg zu folgen. Denn wenn die Kanzlerin kommt, ist das schon Grund genug. Auch wenn bei der Einladung bereits klargestellt wurde: „Eine Fragerunde ist nicht geplant.“

Warum die Kanzlerin ausgerechnet das Werk in Amberg besuchte, erklärte Werkleiter Karl-Heinz Büttner den wartenden Journalisten: „Amberg ist ein Vorzeigewerk.“ Denn die Produktion im 1989 gegründeten EWA ist weitgehend digitalisiert. Die papierlose Fabrik, ein entscheidender Baustein der Industrie 4.0, ist hier laut Büttner bereits Wirklichkeit.

Das Vorzeigewerk

Ein Pressesprecher drückte es so aus: „Das ist mit Abstand das modernste und effizienteste Werk von Siemens.“ Lediglich das Schwesterwerk in China sei vergleichbar. In Amberg ist sichtbar, wie es künftig auch in anderen Fabriken aussehen soll. Joe Kaeser wollte Angela Merkel also zeigen, wie weit Siemens bei der vierten industriellen Revolution bereits ist.

Und Merkel zeigte sich interessiert. Beim gemeinsamen Rundgang mit Büttner, Kaeser und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die offenbar auch eine Einladung erhalten hatte, sowie weiteren lokalen Politgrößen – alle in taubenblaue Siemenskittel gekleidet – ließ sich die Kanzlerin die einzelnen Fertigungsschritte in der Produktionshalle zeigen. Die Kamerateams durften von der Galerie aus filmen und fotografieren, wie Merkel hier auf einen Bildschirm drückte, dort einer Mitarbeiterin über die Schulter guckte und sich von einem Herren eine Art große Fernbedienung zeigen ließ.

Werksleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Büttner im Gespräch mit den wartenden Journalisten.
Werksleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Büttner im Gespräch mit den wartenden Journalisten. Foto: Schönberger

Siemens produziert im EWA speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS). Mit dieser Technik können Maschinen und Anlagen gesteuert und industrielle Fertigungen automatisiert werden. In der digitalisierten Fabrik in Amberg wird also Technik hergestellt, mit der andere Fabriken sich digitalisieren können. 75 Prozent der Fertigung sei bereits automatisiert, lässt Siemens wissen. Für ein Viertel der Arbeit sind die Mitarbeiter zuständig. So finden sich einige von ihnen auch beim abschließenden „Statement“ in der Produktionshalle ein.

Spannend sei der Rundgang gewesen, versicherte die Kanzlerin vor den Journalisten in der Produktionshalle. Die digitale Fabrik werde die Industrie ändern, sagte Merkel. Umso wichtiger sei es, dass Deutschland dabei eine führende Rolle einnehme und „deshalb freue ich mich, dass Siemens hier auch zu den Marktführern gehört“. Das Werk zeige außerdem die Innovation in der Region. Deutschland sei zwar nicht reich an Rohstoffen, sagte Merkel, aber dafür „reich an Ideen und gut ausgebildeten Mitarbeitern“. Das gelte insbesondere auch für Bayern und die Region.

Einladung nach Hannover

Die Kanzlerin beim Rundgang
Die Kanzlerin beim Rundgang Foto: Schönberger

Kaeser freute sich „so sehr“ über den Besuch der Kanzlerin, schenkte ihr zwei Leiterplatten – eine von 1958, eine von 2015 – und lud sie zum Siemens-Stand auf der Hannover Messe im April ein. Merkel dankte den Mitarbeitern, winkte und war wieder verschwunden.

Kaeser stellte sich dann doch noch den Fragen der Journalisten. Stellenab- und der Konzernumbau seien nicht Thema bei dem Gespräch mit der Kanzlerin gewesen, ebenso wenig die Sanktionen gegen Russland, sagte er. Zum weiteren Verlauf beim Umbau wollte er gestern nicht weiter Stellung nehmen. „Wir machen genau das, was wir am Anfang gesagt haben.“ Während der Siemens-Chef sich anschließend noch etwas unter die Mitarbeiter mischte, zog der Pressetross wieder ab, ohne etwas wirklich Neues erfahren zu haben. Doch neben Schulden- und Ukrainekrise, Stellenabbau und Umsatzrückgang kann das ja auch eine positive Nachricht sein.

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