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Playmobil-Chef Brandstätter gestorben

Mit bunten Plastikspielfiguren schaffte er den Durchbruch und revolutionierte den Markt. „Herr Playmobil“ wurde 81 Jahre alt.

  • Er war „Mister Playmobil“: Horst Brandstätter ist mit 81 Jahren verstorben. Foto: dpa
  • Die Spielfiguren „Almabtrieb“ aus der Reihe „Bergwelt“ von Playmobil Foto: dpa
  • Playmobil-Figuren zum Anziehen aus dem „Shopping-Center“ Foto: dpa
  • Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hält eine Playmobil-Figur nach ihrem Ebenbild in den Händen. Foto: dpa

Zirndorf.Der Playmobil-Chef Horst Brandstätter ist tot. Der 81-Jährige sei bereits am vergangenen Mittwoch nach kurzer schwerer Krankheit gestorben, teilte eine Sprecherin der Firma Geobra-Brandstätter am Montag am Firmensitz Zirndorf bei Nürnberg mit. Brandstätter war Alleineigentümer des Unternehmens. Der Firma war im Jahr 1974 der Durchbruch mit den Plastikspielfiguren von Playmobil gelungen. Der 81-Jährige hatte das Familien-Unternehmen bis zuletzt zusammen mit zwei Geschäftsführern geleitet.

„Seine Idee hat den Spielwarenmarkt revolutioniert und Kindern auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert“, heißt es im Nachruf des Unternehmens. Für die Kinder war er „Herr Playmobil“, für seine Mitarbeiter hausintern meist einfach nur „HOB“. Zuhause im fränkischen Zirndorf kam Horst Brandstätter noch bis zuletzt täglich ins Büro. Seine Firma, die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, bekannt als Hersteller des Spielzeugklassikers, war seine Leidenschaft, sein Lebenswerk.

Immer in Bewegung

Im Alter von 19 Jahren trat er 1952 in das Familienunternehmen ein, das seine zwei Onkel führten, und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Formenbauer. Schnell wurde ihm klar, dass Maschinen und Arbeitsmethoden veraltet waren. Als Mitteilhaber setzte er sich daher bereits mit 21 Jahren für Innovationen in der Firma ein. Aus dieser Zeit stammte auch Brandstätters Abneigung gegenüber dem rückwärtsgewandten Leitsatz „Das war schon immer so“. Diesen Einwand ließ der nie-rastende Firmenchef nicht gelten, denn er war überzeugt davon, dass ein Unternehmen und seine Mitarbeiter sich immer weiter entwickeln müssen, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. Seine visionären Ideen sowie sein Mut zu Reformen bescherten dem Unternehmen Brandstätter bald bedeutende wirtschaftliche Erfolge: 1958 entwickelte sich die Produktion von Hula-Hoop-Reifen zu einem europaweiten Verkaufsschlager.

Mitten in der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre stellte Brandstätter, der stets auf sein Bauchgefühl vertraute, erneut sein unternehmerisches Können unter Beweis. Er beauftragte seinen Mustermacher Hans Beck (1929 bis 2009) damit, ein völlig neues Systemspielzeug zu entwickeln, das sich immer weiter ergänzen lässt. Die Vorgabe: maximaler Spielwert bei möglichst geringem Kunststoffverbrauch.

Ritter, Bauarbeiter, Indianer

Der Gründer und Alleinbesitzer des größten deutschen Spielwarenherstellers geobra Brandstätter GmbH & Co. KG, Horst Brandstätter mit einem Ritter
Der Gründer und Alleinbesitzer des größten deutschen Spielwarenherstellers geobra Brandstätter GmbH & Co. KG, Horst Brandstätter mit einem Ritter Foto: dpa

Das Ergebnis: 7,5 Zentimeter große Spielfiguren – ein Ritter, ein Bauarbeiter und ein Indianer – die unter dem Namen Playmobil auf der Spielwarenmesse 1974 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. „Ihr Erfolg hat uns damals vor der Pleite gerettet“, bekannte Brandstätter später, der von der bis heute anhaltenden Faszination der Spielidee auf Kinder selbst überrascht gewesen ist: „Wer die Playmobil-Figur zum ersten Mal sieht, ist ja meist nicht beeindruckt, sie sieht sehr simpel aus. Was Playmobil wert ist, sieht man als Erwachsener nicht sofort. Es sind die Geschichten, die in den Köpfen der Kinder entstehen.“

Dank Playmobil entwickelte sich Brandstätters Unternehmen, das er inzwischen als Alleininhaber führte, zu Deutschlands größtem Spielwarenhersteller. Zuletzt, im Jahr 2014, betrug der weltweite Umsatz der Brandstätter Gruppe 595 Millionen Euro.

Ein zweites Standbein

Dass er stets nach vorne blickte und nie müde wurde, neue Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, belegt auch die Marke Lechuza, die Brandstätter im Jahr 2000 als zweites Standbein für sein Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat: Inzwischen entwickelt und produziert geobra Brandstätter nicht nur edle Kunststoff-Pflanzgefäße mit Erdbewässerungssystem unter diesem Namen, sondern auch hochwertige Garten-Möbel „made in Germany“.

Obwohl er als „bodenständiger Franke“, wie Brandstätter sich selbst gerne bezeichnete, standorttreu und heimatverbunden war, überwinterte er über 20 Jahre lang in seinem Haus auf Jupiter Island in Florida, um auch im Winter seiner sportlichen Leidenschaft, dem Golfspielen, nachgehen zu können. Und um seinen Managern und Mitarbeitern die Chance zu geben, frühzeitig zu lernen, wie es ist, das Unternehmen ohne seinen Kapitän zu steuern. „Wenn der Kapitän der Einzige ist, der weiß, wo der Kompass ist, und er fällt über Bord, geht das Schiff verloren. Die Zeit, in der ich nicht da bin, müssen meine Mitarbeiter selbst Entscheidungen treffen“, erklärte Brandstätter seine Strategie.

Stiftung fördert Kinder

Es gibt kaum ein Kinderzimmer ohne Playmobil-Figuren.
Es gibt kaum ein Kinderzimmer ohne Playmobil-Figuren. Foto: dpa

An den Ruhestand verschwendete der 81-Jährige bis zum Schluss zwar keinen Gedanken; dafür beschäftigte er sich umso mehr mit der Frage, wie es mit seinem Lebenswerk, seinem Unternehmen, und für die mehr als 4000 Mitarbeiter weltweit nach ihm weitergehen soll: „Ich habe meine Firma in eine Stiftung eingebracht, die mir als Eigentümerin nachfolgen wird. Mit der gemeinnützigen Stiftung fördern wir Kinder. Gleichzeitig wird das Unternehmen im Rahmen einer Unternehmensstiftung gesichert und nach meinen Vorstellungen weitergeführt.“

„Mit Horst Brandstätter verliert die Playmobil-Familie nicht nur ihren Chef, Firmeninhaber und Patriarchen, sondern die Spielwarenbranche in Deutschland auch eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten“, heißt es in dem Nachruf.

Brandstätter sei stets sparsam, aber keineswegs geizig gewesen, wenn es um wichtige Investitionen für seine Firma ging. Stolz setzte er im Mai 2013 den ersten Spatenstich für das neue Logistikzentrum in Herrieden – mit einer Investitionssumme von 80 Millionen Euro. Er sei bis zu seinem Lebensende zielstrebig und weitblickend, habe sich aber nie gescheut, unkonventionelle Entscheidungen zu treffen.

Als fast die gesamte Branche ihre Produktion in die Billiglohnländer Asiens verlegte, setzte er auf einen arbeitsteiligen Produktionsverbund in Europa. Die größte Fertigungsstätte befindet sich im mittelfränkischen Dietenhofen, weitere Produktionsstandorte in Malta, Tschechien und Spanien. Konkurrenzfähig musste man sein, aber die Kontrolle über Qualität und Sicherheit seiner Produkte wollte Brandstätter nie aus der Hand geben.

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