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Siemens streicht 1950 Jobs in Bayern

Der Elektrokonzern plant Einschnitte in der Antriebssparte. Die Standorte Nürnberg und Erlangen sind stark betroffen.

Siemens plant Einschnitte in der Antriebssparte – weltweit sind 2500 Jobs betroffen. Foto: dpa
Siemens plant Einschnitte in der Antriebssparte – weltweit sind 2500 Jobs betroffen. Foto: dpa

München.Der Elektrokonzern Siemens reagiert mit Einschnitten auf die Probleme in seiner Sparte Prozessindustrie und Antriebe. Weltweit seien rund 2500 Arbeitsplätze betroffen, davon rund 2000 in Deutschland und hier schwerpunktmäßig in Bayern, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit. Etwa jeweils die Hälfte der Jobs solle gestrichen beziehungsweise verlagert werden. Eine zunehmende Wettbewerbsintensität in den Branchen Öl und Gas sowie Metall und Bergbau mache eine Neuordnung der Kapazitäten notwendig, erklärte Siemens.

Wie mittelbayerische.de auf Nachfrage erfuhr fallen in Nürnberg rund 750 und in Erlangen 150 Stellen weg. In Ruhstorf an der Rott im Landkreis Passau werden etwa 700 Stellen gestrichen, im unterfränkischen Bad Neustadt an der Saale sind es 350. Die übrigen 50 Stellen verteilen sich auf den Rest Deutschlands. Die Siemens-Standorte in Amberg, Cham und Regensburg sind von den erneuten Einschnitten nicht betroffen.

Ein Siemens-Pressesprecher sagte, dass der Konzern bei den Streichungen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden wolle. Der Stellenabbau soll etwa mit Frühverrentungen, Auflösungsverträgen, und der Entlassung von Leiharbeitskräften bewerkstelligt werden.

Standorte sollen erhalten bleiben

Etwa die Hälfte der Stellen will Siemens nach Unternehmensangaben streichen, die andere Hälfte soll verlagert werden, sowohl innerhalb Deutschlands als auch nach Osteuropa und Asien. Die betroffenen Standorte in Bayern sollen trotz der zum Teil massiven Einschnitte erhalten bleiben, sagte der Sprecher.

Die IG Metall wies die Pläne umgehend zurück und kündigte entschiedenen Widerstand an. Von der von Siemens-Chef Joe Kaeser versprochenen Ruhe im Unternehmen sei nichts zu spüren, kritisierte Bayerns IG-Metall-Bezirkschef Jürgen Wechsler. Erneut reagiere Siemens „reflexartig und ideenlos“ mit Stellenstreichungen auf Marktveränderungen. Die SPD-Wirtschaftspolitikerin Annette Karl nannte den erneuten Stellenabbau bei Siemens in einer Pressemitteilung einen „schweren Schlag für den Wirtschaftsstandort Bayern“.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bezeichnete die Streichungen als „schmerzlichen Veränderungsprozess“. Sie sei mit Siemens im Gespräch, „auch um für die betroffenen Regionen Zukunftsperspektiven zu entwickeln“.

Die Sparte baut unter anderem große Elektroantriebe für die Öl-, Gas- und Bergbauindustrie. Seit einiger Zeit lässt die Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie nach, denn die Kunden halten sich angesichts des Ölpreisverfalls mit Bestellungen zurück. Wegen der Probleme wurde im vergangenen Jahr auch der Chef der Sparte ausgetauscht, mittlerweile wird sie von Jürgen Brandes geführt. In Deutschland beschäftigt Siemens in dem Geschäftsfeld mit einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro rund 16 000 Mitarbeiter, weltweit sind es rund 46 000 Beschäftigte.

Kaeser strich seit Amtsantritt 13 000 Jobs

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte seit seinem Amtsantritt bereits mehrfach den Rotstift angesetzt. Wegen des Konzernumbaus und der Schwierigkeiten in der Stromerzeugungssparte sowie in anderen schwächelnden Geschäftsfeldern strich er insgesamt rund 13 000 Jobs.

Bereits Anfang Februar hatte es Gerüchte über einen Stellenabbau in der Antriebssparte gegeben. Siemens hatte damals einen Bericht im Handelsblatt aber nicht kommentieren wollen. Ein Sprecher betonte am Mittwoch, dass der Konzern im Umbau auch beständig neu einstelle. So seien seit Oktober 2015 bereits 2000 Stellen neu besetzt worden. (dpa/ma)

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