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Spekulationen um den BMW Gran Tourer

Insidern zufolge steht das in Regensburg gebaute Modell auf dem Prüfstand. BMW will sich dazu nicht offiziell äußern.
Von Christine Hochreiter, MZ

  • Ein Modell auf der Kippe? Beim 85. Automobil-Salon in Genf im März 2015 wurde der neue BMW 220i Gran Tourer präsentiert. Foto: dpa
  • Das Raumwunder der weiß-blauen Marke Foto: Sebastian Pieknik
  • Der 2er Gran Tourer läuft ausschließlich in Regensburg vom Band. Foto: Schönberger
  • BMW-Betriebsratschef Werner Zierer, Christian Dunckern (Leiter technische Planung), Landrätin Tanja Schweiger, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Werkleiter Dr. Andreas Wendt und Franz Juraske (Leiter Karosserie, v. li.) starteten am 4. März symbolisch die Produktion für den neuen BMW 2er Gran Tourer. Foto: BMW
  • Mit dem 2er Gran Tourer präsentiertw BMW das erste Fahrzeug in der Premium-Kompaktklasse mit bis zu sieben Sitzplätzen. Foto: BMW
  • © Für den 2er Gran Tourer investierte BMW 320 Millionen Euro in das Regensburger Werk. Foto: Pieknik
  • Eine Frau arbeitet im BMW-Werk Regensburg in der Endkontrolle an einem BMW 2er Gran Tourer. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg.2015 war für das BMW-Werk Regensburg das Jahr der neuen Modelle: Neben dem neuen 1er lief im März erstmals der 2er Gran Tourer vom Band – eine kompakte Familienkutsche mit dritter Sitzreihe und Frontantrieb. Doch nach einem Bericht der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ (AMS) steht dieses Modell – laut BMW „der erste Premiumwagen mit sieben Sitzen“ – im Konzern auf dem Prüfstand. BMW erwäge, keine zweite Generation davon aufzulegen. Die Diskussionen, ob der Van zu sehr den Markenwert torpediere, hätten den Vorstand nachdenklich gemacht.

So mancher Marken-Fan war mit der Ausbauversion des 2012 vorgestellten Active Tourer (er wird in Leipzig gebaut) nicht einverstanden. Kritik wurde nicht nur an der Optik laut, sondern auch am Frontantrieb, der „nichts mit BMW zu tun“ habe. Früheren Angaben zufolge hat der Autohersteller rund 320 Millionen Euro investiert, um die Strukturen für die Produktion des 2er Gran Tourer zu schaffen. Im Karosseriebau wurde eine zweite Hauptlinie installiert.

Absatz entspricht den Erwartungen

Bis einschließlich Oktober 2016 wurden laut AMS 38 945 Gran Tourer verkauft. Da 73 Prozent der Kunden ihren Gran Tourer als Siebensitzer bestellten, könne ein entsprechender X1 den Van ersetzen, heißt es in dem Bericht. Birgit Hiller, Sprecherin des Regensburger BMW-Werks, teilte nur mit, dass der 2er Gran Tourer „entsprechend unserer Erwartungen“ läuft. Aus der Zentrale in München hieß es: „Bei dem von Bericht der AMS handelt es sich um Spekulationen, zu welchen sich die BMW Group nicht äußert.“

„Es war einfach falsch, was BMW hier gemacht hat.“

Der Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer

Für den Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer wäre eine Abkehr vom Gran Tourer die „richtige Entscheidung“. Gegenüber unserem Medienhaus sagte er gestern: „Es war einfach falsch, was BMW hier gemacht hat.“ Der Gran Tourer verkaufe sich kaum an Privatkunden. Nur 28 Prozent aller Gran Tourer gingen in Deutschland an Privatkunden. Der Rest gehe an Firmen, Vermieter oder es handle sich um Eigenzulassungen mit hohen Rabatten. Dudenhöffer macht einen Vergleich auf: Beim X1 gingen fast 50 Prozent der Neuwagen an Privatkunden, beim X3 seien es 40 Prozent. Der Gran Tourer falle hier richtig ab und müsse mit Rabatten in den Markt geschoben werden. Das harte Urteil des Experten: „Die Idee, die Mercedes B-Klasse mit einer Niere ,nachzubauen’, war von Anfang an falsch.“

Den SUV-Trend verschlafen?

Laut Dudenhöffer waren es „klare Fehlentscheidungen“ von BMW, den Active Tourer und den Grand Tourer ins Angebot zu nehmen. Mercedes und Audi könnten mit SUVs punkten und die BMW Group, die zuerst den Trend gesetzt habe, verliere Marktanteile, weil sie die SUV-Palette nicht weiterentwickelt habe. Das BMW-Argument, mit Vans ein Marktsegment zu öffnen, sei falsch. Der Experte: „Da hat man sich im Marketing zu stark auf Excel-Tabellen anstatt auf Kunden und Markenkerne konzentriert.“

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