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Wirtschaftschefs beraten Zeitungsmacher

Beim BDZV-Zeitungskongress in Regensburg diskutieren Topmanager die Digitalisierung – und werben für mehr Innovation.
Von Martin Anton, MZ

  • Sprachen auch über unangenehme Themen (v. l.): Theodor Weimer (HypoVereinsbank), Johannes Teyssen (Eon), Christoph Keese (Axel Springer) und Norbert Reithofer (BMW). Foto: Lex
  • In seiner Keynote forderte BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer mehr Mut zu Innovation. Foto: Lex

Regensburg.Der Spruch saß. Auf die Frage, was er den Zeitungsverlegern rät, sagt Theodor Weimer, Vorstandssprecher der Hypovereinsbank, auf dem Zeitungskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag: „Steigen Sie aus dem Geschäft aus.“ Nicht ganz ernst gemeint versichert Weimer im Anschluss. Doch sicherlich ein Hinweis darauf, wie ernsthaft die Digitalisierung das Geschäft der Medienhäuser erschüttert hat und auch künftig noch erschüttern wird. Ein Zustand, den alle drei Branchen, die auf der Bühne des Theaters am Bismarckplatz in Regensburg zur Podiumsdiskussion vertreten waren, kennen.

So muss auch Weimer angesichts der rasant wachsenden Konkurrenz durch sogenannte FinTech-Unternehmen, moderne digitale Finanzdienstleister wie etwa PayPal, zugeben: „Banking is essential. Banks are not.“ Also: Bankgeschäfte sind unentbehrlich. Banken sind es nicht. „Wir haben ein Produkt, das sehr einfach austauschbar ist“, erklärt Weimer.

Es sind unangenehme Themen die Weimer, BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer und der Vorstandsvorsitzende der Eon SE, Johannes Teyssen, mit Moderator Christoph Keese von Axel Springer unter dem Thema „Digitalisierung als Treiber? Unternehmen neu erfinden“ diskutieren. Dass die Digitalisierung aber nichts ist, vor dem man Angst haben müsse, stellt Reithofer bereits in seiner Keynote-Rede klar: „Die Kanäle ändern sich, aber die Qualität bleibt.“

Konkurrenz aus dem Silicon Valley

Wie vielen Branchen setzt der Autoindustrie die Konkurrenz aus dem Silicon Valley zu. Doch die traditionellen Hersteller sollen auch künftig die Hoheit im Auto ausüben. Es sei ein Unterschied, betont Reithofer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Wahl zum Oberaufseher bei BMW, woher die Musik im Auto komme und wie die Bremsen funktionieren. Ein Hinweis darauf, wie er die künftige Aufgabenverteilung zwischen Technologie- und Autokonzernen einschätzt.

Reithofer wirbt für mehr Mut zu Innovation, auch gegen Widerstände in den eigenen Unternehmen. „Wir dürfen uns nicht als Opfer von Disruption sehen. Wir sollten sie selbst vorantreiben“, sagt Reithofer und: „Auf dem Höhepunkt loszulassen und etwas Neues anzufangen – das ist Innovation.“ Bei der Entwicklung der BMW-Elektrosparte sei das nur über die Ausgliederung in ein Startup möglich gewesen. „Die normale Struktur hätte das Projekt umgebracht.“

Dem Stimmte Eon-Chef Teyssen zu. Auch die Offshore-Wind-Sparte habe sich zunächst in einem geschützten Bereich innerhalb des Konzerns entwickeln müssen. Absurd nannte Teyssen die nach wie vor analogen Strukturen bei der Stromversorgung, etwa wenn es um das Ablesen der Stromzähler geht.

Zweifel an der Schwarmintelligenz

Herausforderung und Chance sei die Digitalisierung, war man sich auf dem Podium einig. Zum Schluss gab es doch noch einige Ratschläge an die Zeitungsbranche. Weimer riet den Verlegern, sich für einen Weg zu entscheiden – angestammtes Geschäft oder Digitalisierung. „Der Mittelweg wird der Tod sein“, so Weimer. Teyssen mahnte dazu, sich mehr zu vernetzen, größere Plattformen zu suchen. Das könnte allerdings die Zahl der Medienhäuser reduzieren. BMW-Aufsichtsratschef Reithofer zweifelte an der Schwarmintelligenz. Am Ende bräuchte es auch bei digitalen Produkten qualitativ hochwertigen Journalismus.

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