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Mauerfall

BMW investiert in Ostdeutschland

Werner Zierer ist Betriebsratsvorsitzender des BMW-Werks in Regensburg. 1989 war für ihn in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderes Jahr.

Werner Zierer sagt: „1989 war das Jahr der Veränderung. Nicht nur dass ich im Sommer meine Frau geheiratet habe. Die Ereignisse im deutschen Herbst hielten die ganze Welt in Atem. Als dann die Mauer fiel, dachte ich: Was für ein Jahr, alles ist in Bewegung!“
Werner Zierer sagt: „1989 war das Jahr der Veränderung. Nicht nur dass ich im Sommer meine Frau geheiratet habe. Die Ereignisse im deutschen Herbst hielten die ganze Welt in Atem. Als dann die Mauer fiel, dachte ich: Was für ein Jahr, alles ist in Bewegung!“ Foto: Zierer

Berlin.Ende 1989 war ich selbst in Berlin an der nun offenen Grenze. Dort herrschte damals Volksfeststimmung. Hunderte saßen auf der Mauer am Brandenburger Tor und brachen sich ihre persönlichen Mauerstückchen als Erinnerung aus dem ehemaligen Grenzwall. Davor boten fliegende Händler bereits russische Uniformen, Mützen und andere Devotionalien der endenden DDR-Ära an. Es herrschte eine fühlbare Aufbruchsstimmung.

Weil die „blühenden Landschaften“ noch auf sich warten ließen, kam nach dieser ersten Euphorie dann der Kater. Nicht alle Veränderungen gefielen den Menschen. Die Abwicklungsphase der Treuhand sorgte für Ernüchterung und aus dem Westen kamen die „Goldgräber“, die für wenig Geld ihre Schnäppchen suchten.

Auch unser Unternehmen BMW war von Veränderungen betroffen. Die Berlin-Förderung wurde eingestellt. Trotzdem hielt man am Werk in Spandau fest und baute den Standort bis heute aus. Aktuell laufen dort mehr als hunderttausend Motorräder pro Jahr vom Band und alle haben in ihren Reifen „Berliner Luft!“ BMW investierte in der Folge dann auch in den neuen Bundesländern. In Thüringen entstand in Eisenach ein moderner Werkzeugbau der das internationale Produktionsnetzwerk versorgt und unterstützt. Der fortschreitende Erfolg von BMW führte um die Jahrtausendwende zu Plänen die Produktionskapazitäten zu erhöhen. Ein neues großes Fahrzeugwerk in Europa wurde geplant.

2001 entschied das Unternehmen die schwierige Standortfrage. Überall in Europa gab es attraktive Grundstücke und Förderangebote. Städte- und Regionsvertreter gaben sich in München die Klinke und priesen die Vorteile ihrer Kommunen. Wir, die Arbeitnehmervertreter im BMW-Gesamtbetriebsrat, wollten gemeinsam mit der IG-Metall diese neuen Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Deshalb kämpften wir für einen deutschen Standort. Mit einem Vertrag unter dem Titel „Formel für Arbeit“, in dem neue Meilensteine zur Arbeitszeitflexibilität vereinbart wurden, gelang es uns nach äußerst schwierigen Verhandlungen diese Ansiedlung nach Leipzig in Sachsen zu holen.

Heute ist dieses Leipziger Werk ein wichtiger Baustein im internationalen Produktionsnetzwerk von BMW. Es herrschen enge Beziehungen zu Regensburg. Seit Jahren gibt es einen regen Austausch von Nachwuchs- und Führungskräften. Als Ende 2008 im Zuge der internationalen Finanzkrise die Märkte über Nacht um 30 Prozent einbrachen und trotz Kurzarbeit die Beschäftigung bei uns gefährdet war, gingen mehrere hundert Regensburger Kollegen befristet für ein Jahr nach Sachsen. Nicht alle kamen zurück. Geholfen hat dieser Austausch beiden Werken. Wir konnten unser Beschäftigungsproblem überbrücken und die Leipziger waren dankbar für die Unterstützung des Einser-Anlaufs. Heute treffe ich dort einige ehemalige Regensburger die sich in Sachsen wohl und zufrieden fühlen. Auch in die andere Richtung fuhr dieser Zug.

Woran erinnere ich mich noch wenn ich an den Mauerfall denke? Es gab in den ersten beiden Jahren starke Engpässe im Gebrauchtwagenmarkt. Auch ehemals schwerverkäufliche Exemplare fanden ihren Abnehmer, vorzugsweise im Osten. Mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung wuchs der Gesamtmarkt für Automobile in Deutschland auf einen neuen Höchststand. Heute sind Trabis und Wartburgs absolute Raritäten in den Händen von Sammlern und Nostalgikern.

Letzten Sommer war ich zu einem großen Fest, anlässlich des 50. Geburtstags eines Leipziger Kollegen eingeladen. Am Samstagnachmittag flohen wir vor der großen Hitze ins „Zeitgeschichtliche Forum“. In diesem Haus der Geschichte werden in einer umfangreichen Ausstellung, der Alltag, das Leben in der DDR und die Ereignisse zur Wendezeit und Wiedervereinigung gezeigt. Eine Sammlung die nicht nur für junge Menschen, die nach der Wende geboren wurden empfehlenswert ist. Natürlich geben solche Ausstellungen nur einen Eindruck von den Verhältnissen wider. Deshalb glaube ich, nur wer selbst mal die bedrückende Stimmung an der innerdeutschen Grenze erlebt hat, kann erahnen wie wichtig diese Veränderung Ende 1989 für die Menschen in Ost und West war.

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