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Ende der Parallelwelt?

Zwei Währungen, zwei Welten: Seit Jahren trennt die Doppelwährung die Kubaner zwischen Arm und Reich. Die Castro-Regierung will damit Schluss machen.

Ende Oktober kündigte Kubas Regierung die Abschaffung der Doppelwährung an. Foto: dpa

Havanna.Caridad macht sich Sorgen. Ihr Gespartes hat die 56-jährige Büroangestellte nie auf die Bank gebracht, sondern immer zu Hause in bar gehortet, umgetauscht in der sicheren „harten“ kubanischen Währung, dem Peso Convertible (CUC). Rund 5000 CUC (etwa 3600 Euro) besitzt sie nach dem Verkauf eines alten russischen Autos ihrer Familie. Das ist viel Geld auf Kuba.

Seitdem die Regierung aber die Abschaffung der Doppelwährung verkündet hat, macht sich Caridad Sorgen. Wenn es den CUC bald nicht mehr geben soll, wird sie überhaupt ihr Geld umtauschen können? Und würden sie bei der Bank nicht fragen, woher sie das alles hat?

Seit 1994 hat Kuba ein System der Doppelwährung. Neben der offiziellen Landeswährung Peso cubano (CUP) gilt im Zahlungsverkehr der Peso convertible (CUC). Der CUC-Wert entspricht dem des US-Dollar, der Umtauschkurs zum CUP liegt bei 1 zu 24. Während der CUP im stark subventionierten Staatssektor verwendet wird, gilt der CUC vor allem als „Devise“ für den zahlkräftigen Tourismus-Bereich.

Ende Oktober kündigte die Regierung die Abschaffung der Doppelwährung an. Dies sei nötig, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, hieß es in der Parteizeitung „Granma“. Im Juli hatte Präsident Raúl Castro die Notwendigkeit der Reform unterstrichen: Die Doppelwährung sei eines der gewichtigsten Hindernisse für den Fortschritt der Nation, gab der 82-jährige Staatschef vor dem Parlament zu. Die „Granma“ berichtete von einem Reform-Zeitplan, ohne genaue Angaben zu machen. Eine „Schocktherapie“ sei aber ausgeschlossen.

In den 1990er Jahren war das Ziel, eine „harte“ Währung einzuführen, um bessere Einnahmen insbesondere im Tourismus-Bereich zu erzielen. Das hatte die Karibikinsel damals auch bitter nötig: Der Untergang der Sowjetunion brachte Kuba selbst an den Rand des Zusammenbruchs. Es begann eine langsame Öffnung Richtung Marktwirtschaft.

Seit Jahren spaltet die Doppelwährung aber auch zunehmend die Gesellschaft in zwei Parallelwelten: Viele Kubaner erhalten Geldzuwendungen in CUC von Verwandten im Ausland, andere dürfen inzwischen ihr Geld – oft mehrere Hunderte im Monat – auch als Freiberufler in CUC verdienen. Die Mehrheit muss sich aber mit der Auszahlung ihrer staatlichen Gehälter und Renten in der weicheren offiziellen Landeswährung CUP begnügen. Der Monatslohn liegt dabei gerade bei umgerechnet etwa 20 CUC.

Experten sind der Ansicht, dass die Währungsunion unabdingbar für die notwendigen aktuellen Wirtschaftsreformen ist. Um die Produktivität zu steigern, sei eine Restrukturierung des Staatssektors nötig, erklärte Arturo López-Levy von der Universität Denver der Nachrichtenagentur dpa. Und die sei ohne Währungseinheit kaum möglich.

Denn die Doppelwährung verfälsche beispielsweise die Buchführung bei den defizitären Staatsbetrieben. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftsprobleme Kubas darf die Reform nach Ansicht des US-kubanischen Wirtschaftsexperten nicht länger als zwei Jahre beanspruchen.

Dies sehen andere als heikel an. Vor allem die sozialen Kosten könnten dann zum unkalkulierbaren Risiko werden, warnt Emilio Morales von der Beratungsfirma „Havana Consulting Group“ in Miami. Er hält eine Übergangszeit von bis zu vier Jahren deshalb für sinnvoller. Alles andere wäre „politischer Selbstmord“.

Obwohl die Grundversorgung noch subventioniert wird, ist die wachsende Ungleichheit auf der Insel seit Jahren spürbar. Die Gehälter und Renten reichen nicht für den Lebensunterhalt aus. Und viele Kubaner vertrauen dem Staat in Geldangelegenheiten nicht. Korruption und staatliche Willkür, etwa in der Verfolgung von nicht zugelassenen privaten Jobtätigkeiten, macht sie skeptisch.

Viele wollen deswegen ihr Geld lieber nicht zur Bank bringen. Es sind schließlich nicht wenige, die ihre CUC-Einnahmen durch Schwarzarbeit verdienen. „Es gibt eine totale Ungewissheit“, erklärt Caridad. „Bei allen ist die Sorge gleich“, sagt sie. (dpa)

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