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Bei Uvex ist Schluss mit Heimarbeit

25 Stellen außerhalb des Werks Lederdorn werden innerhalb eines Jahres eingespart. Gab es Gespräche über einen Lohnverzicht?
Von Fred Wutz

Südlich von Lederdorn, am aufsteigenden Hang in Richtung Moos, befindet sich die langgestreckte Anlage des Uvex-Werkes.
Südlich von Lederdorn, am aufsteigenden Hang in Richtung Moos, befindet sich die langgestreckte Anlage des Uvex-Werkes. Foto: Fred Wutz

Chamerau..Am Wochenende war es noch ein Gerücht, am Montag gab es dann dafür leider die Bestätigung: Das Uvex-Werk in Lederdorn trennt sich von seinen Heimarbeitern. „Rund 25 Personen“ – so die Mitteilung aus der Unternehmensführung – werden innerhalb eines Jahres ihre Arbeit verlieren.

Uvex-Pressesprecherin Dagmar Hugenroth (Dienstsitz Fürth) war von der Anfrage unserer Zeitung am Montagmorgen sichtlich überrascht, ob denn die Heimarbeiter des Lederdorner Werkes in Gefahr sind und ob es denn richtig ist, dass mit den Beschäftigten des Unternehmens zuvor wegen eines Lohnverzichtes verhandelt wurde, um die Heimarbeitsplätze doch zu erhalten.

Arbeit wandert nach Tschechien

Was Hugenroth zunächst mit dem Satz „Das ist mir völlig neu!“ kommentiert hatte, musste sie dann schon etwa eine halbe Stunde später bestätigten: „Ja, es stimmt, die Heimarbeiter werden ausgegliedert.“ Auch einen Zeitraum nannte die Pressesprecherin: „Innerhalb des nächsten Jahres!“ Es handelt sich nach ihren Worten „um rund 25 Arbeitsplätze“. Was diese Heimarbeiter bisher erledigten, wird laut Dagmar Hugenroth „in das Werk eingegliedert“.

Keine Äußerung gab es von der Pressesprecherin hinsichtlich eines Lohnverzichts der Belegschaft im Lederdorner Werk. Die Nachfrage, ob denn das Uvex-Werk in Nyrsko (Neuern/Tschechien) ebenfalls betroffen ist, verneinte Hugenroth. Und sie fügte an: „Die werden einen Teil der Arbeiten übernehmen.“

Uvex und Lederdorn

  • Anfänge

    Nach dem 2. Weltkrieg wird im Jahr 1949 das Unternehmen durch Philipp M. Winter in Fürth gegründet.

  • Ansiedlung

    In Lederdorn entsteht Ende der 1960er Jahre ein Zweigwerk in einer ehemaligen Knopffabrik; maßgeblich ebnete vor Ort der damalige Bürgermeister Vitus Irrgang die Wege.

  • Erweiterung

    Im Jahr 2007 maschinelle und personelle Vergrößerung, auch in den folgenden Jahren

  • Produkte

    Skibrillen und Sporthelme

  • Konzeption

    Bisher wurde ein Teil der Fertigung in Heimarbeit gemacht; künftig fallen die Heimarbeitsplätze weg.

  • Konzern

    Das Lederdorner Werk gehört zur Uvex Sports GmbH & Co KG; weitere Standbeine des globalen Unternehmens sind die Einzelunternehmen Uvex Safety, Alpina und Filtral.

Einen etwas unangenehmen Beigeschmack brachte zunächst eine weitere Information in diesem Zusammenhang. Danach sollen Beschäftigte des Lederdorner Uvex-Werkes zu einem Lohnverzicht aufgefordert worden sein, wobei angeblich damit argumentiert wurde, es könnten durch Abstriche bei ihren Löhnen die Heimarbeitsplätze erhalten bleiben.

„Nein, das ist nicht so“, betonte zu diesem Thema Uvex-Geschäftsführer Falk Pewestorf, „solche Gespräche wären unseriös!“ Das vertrage sich im Übrigen nicht mit der Unternehmensphilosophie. Uvex sehe vielmehr im Standort Deutschland einen Mehrwert, das schließe solche Schritte beim Lohn aus. Andererseits dürfe darauf verwiesen werden, dass Uvex seit Gründung des Werkes in Nyrsko „bestimmte Arbeiten schon immer auf die verlängerte Werkbank im Nachbarland gegeben hat“.

„Solche Gespräche wären unseriös!“

Geschäftsführer Falk Pewestorf

„Sehr sehr schade“

Geschäftsführer Falk Pewestorf verwies auch darauf, dass Uvex ein sehr stabiles Unternehmen sei. Die Wirtschaftslage – bedingt durch die schlechten Winter – habe erfordert, bestimmte Themen zu überdenken. Es sei „sehr sehr schade um diese sehr sehr treuen Mitarbeiter“. Das Gesamtunternehmen müsse sich aber durch Effizienz und Qualität auf dem internationalen Markt behaupten, um nicht zu verlieren. Stammpersonal des Lederdorner Werkes sei vom Abbau der Heimarbeit nicht betroffen.

Die Produkte – Sporthelme und Skibrillen – interessierten viele Gäste, hier (v. l.) Landrat Löffler, Vitus Irrgang und Bürgermeister Baumgartner.
Die Produkte – Sporthelme und Skibrillen – interessierten viele Gäste, hier (v. l.) Landrat Löffler, Vitus Irrgang und Bürgermeister Baumgartner. Foto: rh

Genereller Stellenabbau in Lederdorn ist für Falk Pewestorf kein Thema: „Das ist einer der zentralsten und wichtigsten Standorte für uns!“ Hier verfüge Uvex mit rund 130 Mitarbeitern vor Ort über Kompetenzen im Bereich Spritzgießen und weiteren Fertigungsverfahren, die sonst kaum jemand habe.

„Schade für die Heimarbeiter“

Chameraus Bürgermeister Stefan Baumgartner zeigte sich von dem Vorgang überrascht. „Freilich ist es schade für die Heimarbeiter“, meinte er, „aber das ist eine Betriebsentscheidung, da kann man nichts machen.“ Ob der Vorgang letztlich Auswirkungen für die Gemeinde Chamerau habe, etwa durch weniger steuerliche Einnahmen, das könne er nicht abschätzen, das müsse sich zeigen.

„Freilich ist es schade für die Heimarbeiter, aber das ist eine Betriebsentscheidung.“

Bürgermeister Stefan Baumgartner

Auch die einheimischen Abgeordneten informierten sich im Uvex-Werk Lederdorn über Produktion und Technologien.
Auch die einheimischen Abgeordneten informierten sich im Uvex-Werk Lederdorn über Produktion und Technologien. Foto: Stefan Weber

Damit ist also nun doch eine Variante dessen eingetreten, was nach der Eröffnung eines Uvex-Werkes im östlichen Nachbarland befürchtet, jedoch seitens der Konzernleitung stets verneint worden war: Faktisch werden Arbeitsplätze in das angrenzende Billiglohnland verlagert, die zuvor in der Region waren.

In der Vergangenheit hatten andererseits die Aussagen der Uvex-Verantwortlichen stets große Zuversicht vermittelt. „Wir stehen zu diesem Standort!“ war beispielsweise ein Kernsatz, als Ende 2013 die Abgeordneten Karl Holmeier (MdB) und Dr. Gerhard Hopp (MdL) das Werk Lederdorn besichtigten. Investitionen von mehreren hunderttausend Euro wurden zudem getätigt.

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