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Chinesen kaufen Regensburger Technologie

Eine Start-up-Firma aus dem BioPark hat eine neue Herz-OP-Methode entwickelt. In Deutschland fand man zu wenig Kapital.
Von Christine Hochreiter, MZ

Dr. Wolfgang Götz (li.) und Hou-Sen Lim haben ein neuartiges kathetergestütztes OP-Verfahren entwickelt – und jetzt nach China verkauft. Foto: Lautner
Dr. Wolfgang Götz (li.) und Hou-Sen Lim haben ein neuartiges kathetergestütztes OP-Verfahren entwickelt – und jetzt nach China verkauft. Foto: Lautner

Regensburg.„Geld für neue Herz-OP-Methode gesucht“ – mit dieser Schlagzeile berichtete unser Medienhaus im Dezember 2013 über die Transcatheter Technologies GmbH. Dr. Wolfgang Götz, Geschäftsführer des Regensburger Start-up-Unternehmens, schilderte damals, wie schwer sich sein junges Unternehmen bei der Kapitalaufnahme tut. Investoren mit langem Atem seien rar, beklagte der Mediziner. Mit seiner Firma wollte der Herzchirurg ein neuartiges kathetergestütztes Verfahren vorantreiben, das bei einer Aortenklappenstenose (Verengung) des Herzens zum Einsatz kommt. Es soll gerade bei den häufig betroffenen älteren Patienten das Risiko einer Operation am offenen Herzen vermeiden.

Mit seinem Ingenieur-Partner Hou-Sen Lim hatte Götz zunächst einen Prototypen entwickelt. Das Kapital kam aus dem Hightech Gründerfonds des Bundeswirtschaftsministeriums, von Bayern Kapital und der KfW. Die junge Firma wurde außerdem von Privatinvestoren unterstützt, die sich für die Innovation begeistern ließen. Beim Einsammeln von Kapital stieß der Regensburger aber schnell an Grenzen. Seine Erfahrung: „Risikokapital ist hierzulande rar und schwer zu erlangen. Es nennt sich zwar so, aber ein Risiko wollen nur die wenigsten Venture-Kapital-Gesellschaften eingehen. Sie wollen am liebsten gleich Umsätze fließen sehen.“

Aktiv Kontakte angebahnt

Im September 2013 wurden in Südamerika erstmals drei Menschen mit der neuen Methode operiert. Götz gestern zur MZ: „Die Patienten leben seither sehr gut mit unserer Herzklappe.“ Bis zur Produktreife und der Marktzulassung war allerdings unter anderem noch eine große Studie in Europa mit 60 Patienten nötig. Götz hatte dafür rund 20 Millionen Euro veranschlagt und suchte weltweit Kapitalgeber, die einen längeren Atem von „etwa zweieinhalb Jahren“ haben.

Als dies nicht gelang, entschloss sich die Geschäftsführung Mitte 2015 zum Verkauf der Technologie. Götz: „Wir haben aktiv Kontakte angebahnt und Angebote eingeholt.“ Anfang dieses Jahres kam es schließlich zu einem Bieterwettbewerb zwischen einem amerikanischen und chinesischen Unternehmen, bei dem Venus Medtech aus der Volksrepublik den Zuschlag bekam. Laut Götz war das Angebot der Chinesen finanziell attraktiver. Zur Höhe will und darf sich der Medizin-Unternehmer nicht äußern.

Die Firma wird aufgelöst

Das neuartige kathetergestütztes Verfahren kommt bei einer Aortenklappenstenose (Verengung) des Herzens zum Einsatz. Foto: Netzwerk Nordbayern
Das neuartige kathetergestütztes Verfahren kommt bei einer Aortenklappenstenose (Verengung) des Herzens zum Einsatz. Foto: Netzwerk Nordbayern

Laut Pressemitteilung ist Venus Medtech in der Volksrepublik ein führender Herzklappenentwickler. Aufbauend auf der Technik von Transcatheter Technologies werde Venus Medtech (HangZhou) ein Produktportfolio der nächsten Generation für den chinesischen und internationalen Markt entwickeln und vermarkten. „Venus Medtech wird durch den Erwerb der Herzklappentechnologien der nächsten Generation von Transcatheter Technologies seine Präsenz als Anbieter von Herzklappenprodukten auf dem Weltmarkt wesentlich ausbauen“, wird Eric Zi, Geschäftsführer von Venus Medtech zitiert.

„Transcatheter Technologies wurde mit dem Ziel gegründet, die nichtinvasive Herzklappen-Implantation sicherer zu machen, damit mehr Patienten von dem Verfahren profitieren können. Der Vertrag mit Venus Medtech hilft uns, diese Mission fortzusetzen. Auch wird er die weitere Entwicklung unserer Technologie-Plattform der nächsten Generation zur Therapie verschiedener strukturellen Herzerkrankungen auf dem chinesischen Markt vorantreiben“, so Götz.

Laut Mitteilung sehen die Vertragsbedingungen vor, dass Wolfgang Götz und Hou-Sen Lim Venus Medtech während eines Zeitraums von bis zu drei Monaten bei dem Übergang auf die erworbene Technologie und deren Vermarktung unterstützen werden. Die Firma Transcatheter wird zunächst noch weiter existieren, aber nach der Verteilung des Restvermögens an die Investoren aufgelöst.

Schon neue Pläne im Kopf

Das Ziel des Start-up-Unternehmens sei es – wie üblich – gewesen, eine Technologie zu entwickeln und dann zu verkaufen. Laut Götz wurde der Firmenzweck damit erfüllt, ein innovatives Verfahren, das in der Klinik geprüft wurde, zu vermarkten. Der innovative Medizin-Unternehmer hat indes schon wieder neue Ideen im Kopf. Er denkt bereits über neue Technologien und die Gründung einer neuen Firma im BioPark nach.

Der Geschäftsführer des BioParks Dr. Thomas Diefenthal freut sich darüber, dass erneut ein erfolgreiches Produkt aus dem BioPark Regensburg den Weltmarkt erobern kann. Er hat aber einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn mehr Institutionen und Privatinvestoren die Chancen für ein rentables Investment in Technologien vor Ort erkennen und nutzen könnten.“

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