MyMz
Anzeige

Der Conti-Pilot blickt in die Zukunft

Continental verwandelt Fahrzeuge in digitale Begleiter. Vorstand Matschi sagt, wohin die Reise – von Regensburg aus – geht.
Von Christine Hochreiter, MZ

Helmut Matschi steuert von Regensburg aus die Division Interior und gehört dem Vorstand der Continental AG an. Foto: Schönberger
Helmut Matschi steuert von Regensburg aus die Division Interior und gehört dem Vorstand der Continental AG an. Foto: Schönberger

Regensburg.Das Szenario ist nicht ungefährlich: Man fährt aus einem Tunnel heraus – hinein in gleißendes Sonnenlicht und ist stark geblendet. Mit einer neuartigen Fensterscheibe aus intelligentem Glas wäre das kein Problem. Damit kann der obere Bereich partiell abgedunkelt werden. Das „kluge Glas“ ist nur eines der Zukunftsprojekte, an denen Entwickler am Continental-Standort Regensburg arbeiten. Innovation bedeutet nicht nur einen Zugewinn an Komfort und Sicherheit, sondern auch Energieeinsparung. Vorstandsmitglied Helmut Matschi macht es konkret: „Wenn Ihr Auto Fensterscheiben mit intelligentem Glas hat, sparen Sie auf dem Weg von Regensburg zur Allianz-Arena nach München so viel Energie ein, wie bei einer Dreiviertelstunde Rasenmähen verbraucht wird.“

„Wir machen Fahrzeuge intelligent.“

Continental-Vorstandsmitglied Helmut Matschi

Matschis Stimmungstacho zeigt gerade eine ziemlich hohe Zahl an. Die Geschäfte in seinem Bereich haben an Fahrt aufgenommen. „Elektronik im Auto ist ein Riesenthema“, sagt er. Der Niederbayer steuert von Regensburg aus „Interior“, eine von fünf Divisionen des Konzerns. In der Division sind alle Aktivitäten rund um das Informationsmanagement im Fahrzeug zusammengefasst – neue Technologien für Branchentrends wie die Digitalisierung, Intelligente Transportsysteme, neue Mobilitätskonzepte, Effizienzsteigerung oder aber auch das Automatisierte Fahren. „Wir machen Fahrzeuge intelligent und verwandeln sie in digitale Begleiter“, sagt Matschi im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Brücke zwischen Smartphone und Auto

Der Automanager ist viel unterwegs. Von Brasilien ging es soeben nach Nordamerika. Aktuell hat der weltweit tätige Zulieferer laut Matschi in der Division 600 Kundenprojekte am Laufen. Pro Jahr werden etwa 400 Millionen Produkte gefertigt. Die Division hat an 54 Standorten über 40 000 Mitarbeiter und erzielte 2015 einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro.

Regensburg ist ein Innovationsschwerpunkt. An der Siemensstraße entwickelt Continental auch Schlüsselsysteme der Zukunft. Der sogenannte „Gateway Key“ baut eine Brücke zwischen Smartphone und Auto. Er verbindet die „Welt der Apps“ mit dem Komfort klassischer Zugangskontrollsysteme. Der Fahrzeug-Schlüssel existiert nur virtuell, seine Funktionen werden drahtlos via Mobiltelefon übertragen und genutzt. Diese Technik lässt sich beispielsweise in Firmen-Flotten, bei Car-Sharing-Unternehmen und bei Mietwagen-Firmen einsetzen.

Clevere Software als Basis

Auch das Projekt E-Horizon spielt maßgeblich in der Oberpfalz. Dabei geht es mit Blick auf das Autonome Fahren darum, Infos von vorausfahrenden Fahrzeugen zu empfangen. Mit der neuen Technologie werden wichtige Informationen über Glatteis, Verkehrsbehinderungen, Unfälle, etc. prompt an die nachfolgenden Autos weitergeleitet. Laut Matschi gibt es solche Funktionen bereits in Fahrer-Assistenzsystemen. Doch wie der Name schon sagt, wird der Horizont des Fahrers durch E-Horizon deutlich – auf 100 bis zu 300 Meter – erweitert.

Helmut Matschi erkärt Innovationen aus Regensburg

Helmut Matschi von der Continental AG zu Innovatio

Die Basis für diese Anwendungen ist clevere Software. Daher beschäftige Continental auch immer mehr Software-Experten. Aktuell seien es bereits über 12 000. Probleme, die geeigneten Mitarbeiter zu finden, gebe es bislang noch nicht. Matschi: „Wir kommen schnell an gute Leute heran.“ Die Themen, mit denen sich die Ingenieure beschäftigen seien attraktiv. Dennoch müsse man sich überlegen, was man potenziellen Mitarbeitern mittel- und langfristig anbieten könne. Der Neu- und Anbau in Regensburg sei ein wichtiges Signal. In der Oberpfalz wird der dreiteilige Gebäudekomplex an der Osttangente um zwei Flügel erweitert. Es entstehen zusätzlich 18 500 Quadratmeter Nutzfläche für Büros, Besprechungsräume, Labore und eine Kantine. In dem Neubau sollen bis zu 1200 Beschäftigte tätig sein. Es entsteht eine neue Welt für neue Arbeitsmethoden über Zeitzonen hinweg.

Ein reger Informationsaustausch

Durch den jüngsten Streit zwischen Volkswagen und Firmen der Prevent-Gruppe steht die Rolle der Autozulieferer im Fokus der Öffentlichkeit. Wer nur bestimmte Teile produziert, tut sich zunehmend schwer. Continental, weltweit hinter Bosch die Nummer zwei, entwickelt sich indes immer stärker von einem Komponenten- zum Systemlieferanten. Matschi zufolge gibt es einen intensive Kommunikation mit den Auftraggebern aus der Autoindustrie: „Die Hersteller wünschen sich einen aktiven Austausch mit ihren Zulieferern. Wir arbeiten an demselben Thema: der automobilen Zukunft.“ Was andere – auch Konkurrenten – entwickeln und wie diese ticken, erfahre man am besten, indem man mit offenen Ohren und Augen über Messen gehe und indem man den Kunden sehr aufmerksam zuhöre.

„Wir sind mit den richtigen Themen unterwegs.“

Helmut Matschi

Apropos Wettbewerb: Konkurrenten kämen längst auch aus anderen Bereichen wie der Unterhaltungselektronik oder der Mobilitätsdienstleistung. Bei Continental fühle man sich für die neuen Herausforderungen aber gut gerüstet. Vorstand Matschi ist überzeugt: „Wir sind mit den richtigen Themen unterwegs.“ Die Vernetzungsspezialisten der Division Interior seien auch mit anderen Divisionen intensiv verbunden. Schließlich würden sich auch viele Projekte überschneiden.

„Wir sind Informationsbroker“

Helmut Matschi ist überzeugt: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Foto: Schönberger
Helmut Matschi ist überzeugt: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Foto: Schönberger

Zum Beispiel das Thema Reifen: Experten der Elektronik- und Reifenentwicklung arbeiten hier eng zusammen. Ein Ergebnis: Neue Reifendrucksensoren befinden sich nicht mehr an der Felge, sondern im Reifen. Sie erkennen, wann die Reifen wegen einer zu geringen Reifenprofiltiefe gewechselt werden sollten. Die neue Funktion wird mit einer intelligenten Software realisiert. Diese leitet die Profiltiefe von dem sich langsam verändernden Abrollverhalten der Reifen ab.

„Wir sind Informationsbroker“, sagt Matschi. „Wir sammeln Infos und geben sie weiter – quasi rund um den Globus. Dem Automanager, der selbst ein passionierter Flieger ist, macht es Spaß rund um die Welt unterwegs zu sein. Denn trotz aller virtuellen Möglichkeiten, sei die persönliche Begegnung nicht zu ersetzen. Geschäfte würden immer noch von Menschen gemacht – die Basis sei Vertrauen.

Noch mehr Berichte aus der (regionalen) Wirtschaft lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht