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Die Firma Kago hat Insolvenz beantragt

Zuletzt stand beim Ofenbauer in Postbauer-Heng alles still. Am Freitag kam dann schlagartig Bewegung in die Sache.
von Wolfgang Endlein

Inwieweit die Firma Kago künftig noch „Kompetenz in Wärme“ zeigen können wird, ist ungewiss.
Inwieweit die Firma Kago künftig noch „Kompetenz in Wärme“ zeigen können wird, ist ungewiss. Fotos: Endlein/Führer

Postbauer-Heng.„Wie man sich eben so fühlt, wenn man heute morgen beim Amtsgericht war, um den Insolvenzantrag zu stellen“, antwortet Werner Löb auf die Frage, wie es ihm denn heute gehe. Der Prokurist des Kachelofenbauers Kago aus Postbauer-Heng hatte einen geschäftigen Freitagmorgen, nachdem in den vergangenen Tagen eher Stillstand herrschte bei dem in finanzielle Schieflage geratenen Unternehmen (wir berichteten).

Insolvenzverwalter Volker Böhm ist ab sofort der neue starke Mann beim Ofenbauer Kago. Foto: Führer
Insolvenzverwalter Volker Böhm ist ab sofort der neue starke Mann beim Ofenbauer Kago. Foto: Führer

Am Freitag ging es dann sogar sehr schnell voran. Laut Prokurist Werner Löb, der den Antrag im Auftrag von Kago-Gesellschafter Peter Leibold einreichte, eröffnete das Amtsgericht Nürnberg noch am Freitagmorgen ein vorläufiges Insolvenzverfahren und bestimmte sogar einen Insolvenzverwalter, mit dem Löb auch ein erstes Telefonat geführt haben will. Der Name des Insolvenzverwalters: Volker Böhm von der Nürnberger Kanzlei Schultze & Braun.

Bei der Insolvenz von Rosenthal zugange

Die Kanzlei bestätigt die Benennung Böhms zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Böhm ist ein bekannter Name. So hat der Fachanwalt für Insolvenzrecht bereits einige im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehende Verfahren geführt, darunter beispielsweise jenes des Eishockeyclubs Nürnberg Ice Tigers im Jahr 2009 oder das des Porzellanherstellers Rosenthal. Nicht zuletzt war er Verwalter im Insolvenzverfahren der Vorgängerfirma des heutigen Kago-Unternehmens im Jahr 2010.

Derzeit verschaffe sich der vorläufige Insolvenzverwalter ein Bild von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens, ist in einer Pressemitteilung der Kanzlei zu lesen. Sein erstes Fazit: „Die Lage ist außerordentlich schwierig. Das Unternehmen hat schon seit Längerem Probleme mit der Liquidität. Aktuell ruht deshalb auch der Geschäftsbetrieb. Die Löhne und Gehälter der 66 Beschäftigten sind seit November offen.“

Montag ist eine Versammlung für Mitarbeiter

Weiter heißt es: Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft nun, ob es überhaupt Chancen gibt, das Unternehmen zu erhalten. In einer Belegschaftsversammlung am Montag werde er die Mitarbeiter über die Situation informieren. Zudem habe Böhm bereits Gespräche mit der zuständigen Arbeitsagentur aufgenommen, um die Möglichkeit einer Insolvenzgeldvorfinanzierung auszuloten. „Unser Ziel ist, dass die Mitarbeiter möglichst schnell Insolvenzausfallgeld erhalten können“, betont er.

„Das war zwingend nötig“, reagiert ein langjähriger Mitarbeiter auf die Kunde vom Insolvenzverfahren bei dem Unternehmen aus Postbauer-Heng. Für die Mitarbeiter von Kago hat das Insolvenzverfahren schließlich immerhin ein Gutes: Sie bekommen von der Agentur für Arbeit die Gehälter der zurückliegenden drei Monate gezahlt. Seit November haben sie nach übereinstimmenden Berichten vieler Kago-Beschäftigter kein Gehalt mehr bekommen.

Mitarbeiter sind skeptisch

Ob allerdings Gehälter auch noch im Februar fließen werden, ist ungewiss. Dann wäre nicht mehr die Agentur für Arbeit in der Verantwortung, vielmehr müsste der Insolvenzverwalter Geld auftreiben. Doch das ist ungewiss. Mitarbeiter, mit denen die MZ gesprochen hat, sind eher skeptisch, was die Zukunft des Kachelofen-Bauers anbelangt.

„Man müsste das Unternehmen von Grund auf neu aufbauen“, sagt einer und führt weiter aus: Es müsste ein neuer Investor her, der bereit wäre, einiges an Geld zu investieren. Das dies eintritt, daran glaubt der Mann indes nicht: „Ich suche nach einer neuen Arbeit. Für mich ist das Thema abgehakt“.

So ganz will der Mann aber noch nicht von seinem langjährigen Arbeitgeber lassen. „Wenn es ein ordentliches Konzept gäbe und man mich fragen würde – ich würde es mir überlegen.“

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