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Die schöne neue Welt aus Schwandorf

Der Schwandorfer Architekt Hans-Peter Scheck plant eine „Null-CO2-Stadt“ in China, in der 47 000 Menschen leben sollen.
Von Elisabeth Hirzinger

  • Die Architekten haben die Stadt mit viel Grün zwischen und auf den Häusern geplant. Foto: Architekturbüro Scheck
  • Regelmäßig treffen sich die Architekten mit dem Investor (Mitte). Foto: Architekturbüro Scheck.
  • Im Zentrum der Stadt haben die Architekten die Glückszeichen Drache und Zaubervogel als Teich konzipiert. Foto: Architekturbüro Scheck
  • Dieses Modell macht deutlich, welchen Stellenwert Bäume, Gärten und Wälder haben. Foto: Architekturbüro Scheck
  • „Jeder Bewohner der Stadt wohnt in der Nähe eines Parks“, sagen die Architekten, die sogar einen Wald eingeplant. haben. Foto: Architekturbüro
  • Die Zeichnungen der alten Stadt fand Hans-Peter Scheck „wahnsinnig schön“. Er wollte deshalb die alte Mauer in Teilen als Grüngürtel wieder sichtbar machen. Foto: Architekturbüro Scheck
  • Die chinesischen Glücksbringer Zaubervogel und Drache haben die Architekten als Motiv für den Teich im Zentrum aufgenommen. Foto: Architekturbüro

Schwandorf.Zwischen seinem Wohnort und Qingdao liegen Welten. Professor Scheck schaut von seinem Architekturbüro auf den beschaulichen Schwandorfer Marktplatz. Auf dem Tisch vor ihm liegen die Pläne für ein gigantisches Projekt. Der Städteplaner und sein Partner Xun Sun haben den Auftrag bekommen, im Westen Chinas, 8211 Kilometer entfernt von Schwandorf, direkt am Meer, eine neue Stadt zu planen.

Die Architekten haben sich nicht um das Projekt beworben. Sie sind der Investorengruppe, die die Stadt für 47 000 Einwohner aus dem Boden stampfen will, „empfohlen worden“, erzählt Xun Sun. Hans-Peter Scheck und Xun Sun sind in der Acht-Millionen-Stadt keine Unbekannten. Der Professor aus Deutschland ist an der dortigen Universität Gastdozent und Xun Sun hat an dieser Universität acht Jahre studiert. „Er war der Beste“, sagt Hans-Peter Scheck, der Xun Sun nach Deutschland geholt hat, damit er auch hier seinen Master macht.

Eine Computer-Animation zeigt das Leben in einem der Höfe mit Park im Hintergrund. Foto: Architekturbüro Scheck
Eine Computer-Animation zeigt das Leben in einem der Höfe mit Park im Hintergrund. Foto: Architekturbüro Scheck

Ohne seinen chinesischen Partner wäre Hans-Peter Scheck, der fließend mehrere Sprachen spricht, aber eben nicht chinesisch aufgeschmissen. Täglich telefoniert sein Partner mit den für das Projekt zuständigen Leuten in China. Siebenmal waren Scheck und Sun, die seit drei Jahren zusammen arbeiten, heuer schon in Qingdao, haben sich das alte Dorf angeschaut, das platt gemacht werden wird, die Tempel, den heiligen Berg, die „riesige Brücke“ über die Bucht und die „riesigen, weißen Strände“. Riesig sind auch die Dimensionen des Siedlungsprojektes.

China wächst rasant

Und es ist nicht das einzige dieser Größenordnung. China wächst rasant. Und die Menschen zieht es in die Städte. 250 Millionen Chinesen haben mittlerweile ihre Heimat verlassen, um in der Stadt zu wohnen. Das ist auch der Grund, warum die Städte expandieren und neue wie Pilze aus dem Boden schießen.

Sie sind ein eingespieltes Team: Hans-Peter Scheck und Xun Sun. Foto: Hirzinger
Sie sind ein eingespieltes Team: Hans-Peter Scheck und Xun Sun. Foto: Hirzinger

Aber nicht alles, was Architekten im Land des Lächelns auf dem Reißbrett entworfen haben, hat sich bewährt. Viele der Trabantenstädte, gebaut für Zehntausende von Menschen, stehen leer. Dort will niemand wohnen, was Professor Scheck nicht wundert. Er hat die Geisterstädte gesehen. Sie haben ihn an das Märkische Viertel erinnert. An die anonymen, hässlichen Hochhäuserfluchten, die es auch in Deutschland gibt und die die Menschen krank machen.

Aus diesen Erfahrungen müsse man lernen, sagt Professor Scheck, der auch das Schmidt Bräu-Areal in Schwandorf beplant hat. Er will Städte bauen, in denen nicht möglichst viele Menschen Platz finden, sondern in denen die Menschen gerne leben. Das war eine der großen Herausforderungen für das Architekten-Team. Der ursprüngliche Auftrag lautete nämlich, mit einer „hohen Dichte“ zu planen.

Freie Hand für die Planungen

Hans-Peter Scheck und Xun Sun haben in den vergangen Monaten viel Überzeugungsarbeit geleistet und bekamen letztendlich freie Hand für ihre Planungen, was „schon sehr erstaunlich“ sei, wie Xun Sun betont. Und so sind aus einem Häuserblock, der von achtspurigen Straßen durchschnitten war, Wohnquartiere entstanden, die an alte chinesische Städte erinnern, mit „zauberhaften, sattgrünen Gärten“, schwärmt Hans-Peter Scheck.

Die Tag-Perspektive im Computer-Modell. Die Häuser sind, wie in china üblich, nach Feng Shui in Nord-Süd-Richtung angelegt. Foto: Architekturbüro Scheck
Die Tag-Perspektive im Computer-Modell. Die Häuser sind, wie in china üblich, nach Feng Shui in Nord-Süd-Richtung angelegt. Foto: Architekturbüro Scheck

Die Architekten haben Hofssituationen geschaffen, bei denen die Menschen wieder zusammen kommen. Und sie haben aus vier großen 36 kleine Straßen gemacht, weil Professor Scheck ein Verfechter der „langsamen Stadt“ ist. Die Menschen sollen die Möglichkeit haben zu wählen, ob sie mit dem Auto fahren, zu Fuß gehen oder das Rad nehmen.

Außerdem haben Scheck und Sun die Hochhäuser eingedampft. 60 Prozent der Gebäude haben nicht mehr als sechs Stockwerke, und das sei für chinesische Verhältnisse schon „ungewöhnlich“, sagt Xun Sun. Genauso ungewöhnlich wie der Grüngürtel, den die Architekten um die Stadt herum eingezeichnet haben, der viele Sportmöglichkeiten bietet und von allen Bewohnern kostenlos genutzt werden kann. Oder der Wald im Zentrum. Rund 1000 Bäume sollen insgesamt gepflanzt werden und die Luft reinigen. Die neue Stadt wird eine „Null CO2-Stadt“, sagt Scheck. Er ist sich sicher, dass er damit in Qingdao, wo „jeder zweite an Asthma leidet“, offene Türen einrennen wird.

Hans-Peter Scheck und Xun Sun haben für die Dorfbewohner, die umgesiedelt werden, erin eigenes Viertel im Anschluss an die neue Stadt geplant - mit privaten Gärten, Höfen und einem Zentrum, in dem die Bewohner wie bisher ihren Geschäften nachgehen können.
Hans-Peter Scheck und Xun Sun haben für die Dorfbewohner, die umgesiedelt werden, erin eigenes Viertel im Anschluss an die neue Stadt geplant - mit privaten Gärten, Höfen und einem Zentrum, in dem die Bewohner wie bisher ihren Geschäften nachgehen können.

Während Professor Scheck erzählt, springt Xun Sun immer wieder auf, bringt Unterlagen und hat, noch ehe sein Partner den Satz vollendet hat, das passende Bild auf seinem Handy gefunden. Hans-Peter Scheck beobachtet den quirligen Compagnon. „Der arbeitet Tag und Nacht, das ist ganz schlimm“, grummelt er, und Xun Sun lacht herzlich. Er zeigt kommentarlos auf sein Gegenüber. Die beiden vergeben sich offenbar in dem Punkt nichts.

Im Juli werden Hans-Peter Scheck und Xun Sun ihre Pläne den „Oberen“ der Provinzregierung vorlegen. Sie müssen die Entwürfe der Architekten, die von den Verantwortlichen von Qingdao schon begeistert aufgenommen wurden, noch abgesegnen.

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Eine Stadt entsteht

  • Die Stadt:

    Qingdao ist eine Hafenstadt in der Provinz Shandong im Osten der Volksrepublik China, etwa 1000 Kilometer von Peking entfernt.

  • Vergangenheit:

    Von 1898 bis 1919 gehörte die Stadt als Kolonie zum Deutschen Reich und hieß Tsingtao.

  • Tourismus:

    Qingdao ist ein bedeutender Badeort. Die sechs Kilometer vom Zentrum gelegene Fushan-Bucht war Austragungsort der Segelwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2008. Weltweit bekannt ist die Metropole für ihr Bier namens Tsingtao.

  • Einwohner:

    Qingdao wächst sehr schnell. Derzeit leben in der Stadt etwa acht Millionen Menschen.

  • Lebensqualität:

    2009 wurde Qingdao von einem in Hongkong ansässigen Institut zur „lebenswertesten Stadt in Festlandchina“ gewählt. Zudem hat das chinesische Institut für Wettbewerbsstärke 2012 ermittelt, dass Qingdao die glücklichste Stadt Chinas sei.

  • Neues Projekt:

    Direkt an der Küste soll nun auf einer Fläche von einer Million Quadratmetern eine neue Stadt für 47 000 Menschen entstehen.

  • Planungen:

    Den Auftrag für die Planungen hat das Architekturbüro für Städtebau Scheck erhalten. Prof. Hans-Peter Scheck, der in Schwandorf am Marktplatz sein Büro hat und sein Partner Xun Sun haben u.a. auch das Schmidt Bräu-Areal beplant.

  • Die neue Stadt in China:

    Prof. Scheck und Xun Sun wagen viel Neues. Sie planen kleinteilig, lockern die Bebauung mit viel Grün auf, reduzieren drastisch die in China üblichen Stockwerkzahlen und schaffen damit die Voraussetzungen für eine Null-CO2-Stadt .

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