MyMz
Anzeige

Frey richtet sich für die Zukunft ein

Die Chamer sind überzeugt: Die Möbelbranche kann vom Internet lernen. Gleichzeitig investieren sie in ihr Einrichtungshaus.
Von Christine Hochreiter, MZ

Geschäftsführerin Caroline Frey und Unternehmensleiter Helmut Hagner sind fest davon überzeugt, dass der stationäre Handel eine Zukunft hat. Foto: Benjamin Franz
Geschäftsführerin Caroline Frey und Unternehmensleiter Helmut Hagner sind fest davon überzeugt, dass der stationäre Handel eine Zukunft hat. Foto: Benjamin Franz

Cham. Bis zum Jahr 2020 droht nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC jedem dritten der rund 30 000 deutschen Möbel- und Einrichtungsgeschäfte das Aus. Die Branche befindet sich nicht zuletzt auch durch den Online-Boom in einem rasanten Wandel. Wer auch in Zukunft Erfolg haben möchte, muss auf diese Entwicklung reagieren.

Helmut Hagner, Unternehmensleiter der Frey-Gruppe in Cham, kann es gar nicht oft genug betonen: „Das Internet ist keine Bedrohung, sondern eine Herausforderung für uns.“ Wer sich damit aufhalte, über die zunehmende Digitalisierung zu schimpfen, vergeude Zeit. Es gehe darum, die Hausaufgaben zu machen und Lösungen für Probleme zu finden, anstatt über vermeintliche Probleme zu lamentieren.

Für jede Anforderung eine Lösung

Der Handel müsse sich verändern. Dazu sollte er aber erst einmal die Bedürfnisse der (potenziellen) Kunden kennen. Hagner: „Unser Ziel ist es, für jede Anforderung eine Lösung zu finden.“ Der Oberpfälzer ist fest davon überzeugt, dass der stationäre Handel vom Internet viel lernen kann – unter anderem auch beim Thema Schnelligkeit.

Es ist uns wichtig, nicht den Faden zu verlieren.

Helmut Hagner, Unternehmensleiter der Frey-Gruppe in Cham

Bei Frey sei dies beispielsweise ein verbessertes Marketing und eine bessere Kommunikation. Hagner: „Wir investieren viel Geld in die Zukunft – beispielsweise um unsere rund 40 000 Kunden mit einer eigenen App anzusprechen. Es ist uns wichtig, den Faden nicht zu verlieren.“

Blick in die neue Spielewelt für Kinder. Foto: Klöckner
Blick in die neue Spielewelt für Kinder. Foto: Klöckner

Geschäftsführerin Caroline Frey und Hagner sind überzeugt, dass künftiger Erfolg auf mehreren Standbeinen ruht: Ein Handwerker-Service, motivierte Mitarbeiter, eine gute Beratung, eine positive Atmosphäre, ein passgenauer Service inklusive Lieferung und Montage und ein überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis. Zu den Erfolgsbausteinen gehöre es aber auch, sich „hübsch zu machen“, so Hagner. Daher investierte das Unternehmen kräftig in eine neue Wohnwelt. Das Möbelhaus vor den Toren Chams wurde bereits vor 20 Jahren eröffnet. Für rund sechs Millionen Euro wurde es soeben erweitert und umgebaut.

Der eigene, ganz individuelle Weg

Auf 20 000 Quadratmetern erstreckt sich die neue Wohnwelt nunmehr. Allein 300 Polstergarnituren werden in einer „luftigen Loft-Atmosphäre“, wie es Inhaberin Caroline Frey nennt, präsentiert. Und die gibt es wiederum in unzähligen unterschiedlichen Varianten. 4000 Quadratmeter kamen neu hinzu. Auf weiteren 4000 Quadratmetern hat sich ein „Renovierungsdiscounter“ eingemietet. Das erneuerte Einrichtungshaus bietet mehr Platz für eine zeitgemäße Präsentation, für Erlebniswelten, neue Marken, ein Café und eine Kinderwelt. Die flächenmäßige Expansion ist laut Frey damit abgeschlossen. „Noch mehr Ausstellungsstücke bedeuten auch mehr Stress für die Kunden.“

Es ist nicht unsere Philosophie, einfach Möbel online anzubieten.

Helmut Hagner, Unternehmensleiter der Frey-Gruppe

Bei Frey gibt es keine statischen Strategien, die durchgezogen werden müssen, weil sie einmal so beschlossen wurden. Laut Hagner sucht man fortwährend nach dem eigenen, individuellen Weg. Dies sei ein steter Prozess, bei dem es durchaus auch einmal Umwege und Sackgassen gebe. Die große Aufgabe laute, den Online-Handel geschickt mit dem stationären Handel zu verbinden. Dabei setze man auf Regionalität, Vertrauen und eine hohe Kundenbindung, die am Ende die Marke Frey ausmachten. Hagner: „Es ist nicht unsere Philosophie, einfach Möbel online anzubieten.“ Das Internet und die sozialen Medien seien probate Kanäle, um mit Kunden in Kontakt zu treten und zu bleiben.

Technik hilft beim Visualisieren

Die neue Wohnwelt in Cham erstreckt sich nun auf 20 000 Quadratmetern. Foto: Klöckner
Die neue Wohnwelt in Cham erstreckt sich nun auf 20 000 Quadratmetern. Foto: Klöckner

Viele Verbraucher nutzten das Internet zur Vorinformation, bevor sie in ein Einrichtungshaus gehen. Technik dürfe nach Angaben des Unternehmensleiters aber auch beim Visualisieren von Raum-Lösungen nicht fehlen. Bei Bedarf kommen Frey-Mitarbeiter zu den Kunden nach Hause, messen Räume aus und machen ihnen Einrichtungsvorschläge, die sie sich dann auf dem Bildschirm ansehen können.

Die Frey-Gruppe verbuchte eigenen Angaben zufolge zuletzt einen Jahresumsatz von 60 Millionen Euro. In den drei Mode-Erlebnis-Kaufhäusern in Cham, Marktredwitz und Schwandorf sowie den Einrichtungshäusern in Cham, Weiden und Marktredwitz sind 500 Mitarbeiter beschäftigt.

Kommentar

Mehr Miteinander

Immer mehr Mittelständler erkennen die Zeichen der Zeit. Sie verstärken die Vorteile des stationären Handels und verbinden diese mit einer für sie passenden...

Das Unternehmen will mit seiner Kompetenz für Möbel und Mode weiter an überregionaler Bedeutung gewinnen. Bei Frey zeigt man sich offen für neue Konzepte wie etwa einen 24-Stunden-Shopping-Service im Internet oder privates (Business-)Shopping. Auch hier hat man vom Internet gelernt. Bislang scheinen die Oberpfälzer die Botschaften des Marktes gut verstanden zu haben. Nach Angaben der Geschäftsleitung zeigt die Umsatzkurve weiterhin stetig nach oben.

Noch mehr Berichte aus der regionalen Wirtschaft lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht