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In Regenstauf sind 300 Jobs in Gefahr

Vor zwei Jahren baute der Autozulieferer Magna ein neues Werk. Unter dem neuen Eigner aus Spanien droht nun aber das Aus.
Von Christine Hochreiter, MZ

  • Bei dem Automobilzulieferer Antolin – vormals Magna – in Regenstauf (Kreis Regensburg) sind rund 300 Jobs in Gefahr. Foto: Schönberger
  • Vor einem Jahr wurde in Regenstauf umgeflaggt – von Magna zu Antolin. Foto: Schönberger

Regenstauf.Andreas Blaser versteht die Wirtschaftswelt nicht mehr. Als Sekretär bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) betreut er gerade einen „besonders schweren Fall“: den Fall des spanischen Automobilzulieferers Antolin und eines Werks in der Oberpfalz mit rund 300 Beschäftigten.

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, dass der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna in Regenstauf (Kreis Regensburg) ein nigelnagelneues Werk in Betrieb genommen hat. Magna investierte 16 Millionen Euro und beschäftigte zum Produktionsstart rund 160 Mitarbeiter. Das hoch effiziente Werk, das umweltbewusst mit Solarenergie und Regenwasser arbeite, sei so flexibel gestaltet, dass jederzeit ein Anbau möglich wäre, hieß es damals. Beim Spatenstich im Januar 2014 war die Begeisterung in Politik und Wirtschaft denn auch noch riesig.

Die Beschäftigten haben Angst

Magna war mit dem Werk von Wackersdorf im Kreis Schwandorf in den Raum Regensburg umgezogen. Die meisten Mitarbeiter gingen mit. Wie viele andere auch sahen sie in Regenstauf auf Jahre beste Berufsperspektiven. Doch dann kam alles ganz anders. Bereits ein Jahr später verkaufte Magna den Bereich Innenausstattung an die spanische Grupo Antolin – und das Werk in Regenstauf gleich mit.

„Wir müssen uns jetzt schon mit einer Schließung auseinandersetzen.“

Andreas Blaser, Sekretär bei der Gewerkschaft IG BCE

Blaser erinnert sich: „Es gab Absprachen und Zusagen von Magna, den Standort Regenstauf dauerhaft auszulasten.“ Doch davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Die Spanier hätten signalisiert, dass sie für Regenstauf keine Aufträge mehr haben. Derzeit sei das Werk noch gut ausgelastet, doch das werde sich bereits im nächsten Jahr ändern. Dann würden wohl Stellen gestrichen werden. 2018 ginge es dann „drastisch nach unten“. Wenn keine Folgeaufträge nach Regenstauf kämen, würden wohl höchstens noch 15 Prozent der Belegschaft übrigbleiben: Dann werde das Werk aber sicherlich nicht überleben. Der Gewerkschafter: „Wir müssen uns jetzt schon mit einer Schließung auseinandersetzen.“ Antolin produziere im Kreis Regensburg nach wie vor Magna-Produkte. Doch die BMW-Aufträge sollen in Zukunft an den Antolin-Standort Massen in Brandenburg verlagert werden.

Das Interesse verloren?

Jesús Pascual Santos lenkt die Geschicke des spanischen Autozulieferers. Foto. Antolin/Miguel Jelliss
Jesús Pascual Santos lenkt die Geschicke des spanischen Autozulieferers. Foto. Antolin/Miguel Jelliss

Betriebsratschef Ingolf Koch: „Wir sind enttäuscht. Wir waren fest davon ausgegangen, dass uns Magna mit dem Neubau eine klare Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter gegeben hat.“ Die Beschäftigten in der Oberpfalz seien höchst verunsichert und hätten große Angst um ihre Arbeitsplätze, so Blaser. Der Gewerkschafter kann nicht verstehen, dass es „auf der anderen Seite“ niemanden gibt, mit dem man verhandeln kann. Aus Spanien habe sich niemand in Regenstauf blicken lassen. Den neuen Eigner scheine der Standort nicht zu interessieren. Koch: „Erst hat Magna uns hängen lassen und jetzt hat sich Antolin noch nicht einmal bei uns in Regenstauf vorgestellt oder uns gar im Antolin-Konzern willkommen geheißen.“

Einen Kommentar zur Entwicklung in Regenstauf lesen Sie hier.

Kommentar

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Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass Magna und Antolin das Interesse am Standort verloren haben. Sie spielten so mit der Zukunft vieler Mitarbeiter und deren Familien. Blaser zufolge ist der Altersdurchschnitt im Werk mit etwa 47, 48 Jahren relativ hoch , daher werde es für die Betroffenen vermutlich nicht ganz einfach werden, neue Stellen zu finden. Wenn es nach Blaser geht, sollten sich alle Beteiligten – Antolin wie Magna – an einen Tisch setzen, und beratschlagen, wie es am besten in Regenstauf weitergeht. Doch mit wem reden? Die Konzernzentralen in Aurora/Kanada und Burgos/Spanien sind weit weg.

Kein Anschluss in Spanien

Manfred Götz leitet das Antolin-Werk in Regenstauf. In dieser Funktion war er bereits unter der Magna-Ägide tätig. Gegenüber unserem Medienhaus betonte er, dass er sich nur zum Ist-Stand äußern könne und nicht zur Zukunft des Standortes. Für strategische Fragen sei auschließlich die Unternehmenszentrale im spanischen Burgos Ansprechpartner, sagte er.

Die Gruppe Antolin

  • Konzern:

    Das Unternehmen wurde 1950 im spanischen Burgos gegründet. Mit der Übernahme von Aktivitäten der kanadisch-österreichischen Magna International ist Antolin Experten zufolge zur weltweiten Nummer drei im Bereich Interieur aufgestiegen – mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro und 27 000 Mitarbeitern.

  • Übernahme:

    Von Magna hat Antolin 36 Fertigungsstätten in Europa (fünf davon in Deutschland), Nordamerika und Asien übernommen. Die Spanier hatten die Übernahme 2015 angesichts der weltweiten Konsolidierungsphase in der Branche als einen wichtigen Schritt zur Erhöhung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit bezeichnet.

An dem Standort im Landkreis Regensburg fertigten rund 300 Mitarbeiter Tür-Innenverkleidungen und Stoßfänger für BMW. Die Teile gingen nach Regensburg, Leipzig und Dingolfing. In Regenstauf stelle man überdies noch ein „kleineres Produkt“ für Porsche her. Dieser Auftrag laufe allerdings 2017 aus. Der Personalstand sei im Wesentlichen noch durch den damaligen Eigner Magna International aufgebaut worden. Was aber sagen die Spanier? Gestern jedenfalls nichts. Für Presseanfragen war am Firmensitz von Antolin niemand erreichbar.

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