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Krones: Teures Bekenntnis zu Nittenau

Das Unternehmen investiert in ein Bohrwerk rund 5,2 Millionen Euro. Das freut auch den Betriebsrat – und den Bürgermeister.
Von Thomas Rieke

  • Blick auf ein wesentliches Bauteil des neuen Bohrwerks, mit dem es Krones in Nittenau in Bälde möglich sein wird, bestimmte Teile selbst herzustellen, die bis dato hinzugekauft werden mussten. Im Hintergrund Niederlassungsleiter Johann Dirmeier (Zweiter von rechts) mit Bürgermeister Karl Bley (rechts) und Landrat Thomas Ebeling (Dritter von links) Foto: Rieke
  • Dr. Christian Compera, „Head of Bottling Technology“ (Dritter von rechts), erklärt Landrat Ebeling Details zur neuen Maschine, in die Krones über fünf Millionen Euro investiert. Ganz links: Betriebsrat Thomas Hiltl Foto: Rieke

Nittenau.Man kann ja von der Getränke-Plastikflasche halten, was man will. Die Firma Krones, die mit ihrer Spitzentechnologie zu ihrem Siegeszug beiträgt, gilt deutschlandweit in jeder Hinsicht als Vorzeigeunternehmen – und ist mit ihrer Niederlassung in Nittenau für die Kommune als Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler von eminenter Bedeutung.

1972 in der Regentalstadt für die Produktion von Kleinteilen und einzelner Baugruppen gegründet, haben die Verantwortlichen den Standort kontinuierlich ausgebaut und durch regelmäßige Umstrukturierungen zukunftsfähig gemacht. Heute ist das Werk Nittenau am Heideweg mit einer Produktionsfläche von 40000 Quadratmetern und knapp 800 Mitarbeitern als Zulieferer von Bauteilen mit einer Größe von über zwei Metern einer der wichtigsten Partner des Stammsitzes in Neutraubling.

Ein Segen für die Stadt

Dass sich der Weltmarktführer im Bereich der Herstellung von Abfüllmaschinen bis heute zu Deutschland als Standort Nummer 1 bekennt, ist im Zeitalter der Globalisierung keine Selbstverständlichkeit. Und dass er bis heute auch treu zum kleinen Nittenau „steht“, ist ein Segen für die rund 9000 Einwohner zählende Stadt, die in den letzten Jahrzehnten mehr als einmal den Verlust eines wichtigen Arbeitgebers zu verkraften hatte.

Dieser Tage präsentierte Werkleiter Johann Dirmeier dem Bürgermeister und Landrat Thomas Ebeling das neueste „Beweisstück“ für die Krones-Bindung an Nittenau: ein 232 Tonnen schweres Bohrwerk, das eine ältere Anlage ersetzt und das es spätestens ab Januar 2017 ermöglichen soll, bestimmte Anlagenteile selbst herzustellen, die bis dato von einem Zulieferer stammten. 5,2 Millionen Euro lässt sich der Konzern die Riesenmaschine kosten – und das ist aktuell nicht die einzige Ausgabe im siebenstelligen Bereich.

Natürlich sei bei Krones überlegt worden, ob die Millioneninvestition wirklich notwendig sei, hieß es am Rande einer Führung, an der auch Medienvertreter teilnehmen durften. Aber Zweifel am weiteren Engagement in Nittenau habe es nie gegeben. Das freut auch Betriebsrat Thomas Hiltl, Bürgermeister Karl Bley und Landrat Thomas Ebeling, für den es mit der Führung durch die Nittenauer Niederlassung nun auch endlich geklappt hat. Schon vor längerer Zeit hatte er es sich fest vorgenommen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Der Montage des neuen Bohrwerks gingen seit Dezember 2015 umfangreiche Arbeiten voraus. Weil sich die Anlage während der Produktion nicht den Bruchteil eines Millimeters bewegen darf, musste ein mächtiges Fundament angelegt werden. Es misst an der massivsten Stelle vier Meter. Die Pfähle reichen zehn Meter tief in die Erde. Es wurden 1000 Kubikmeter Beton und 35 Tonnen Stahl verbaut.

Das Bohrwerk dient Krones zur „strategischen Neuausrichtung“ im Bereich der Großteilebearbeitung. Von der Installation erwarten sich die Verantwortlichen eine Leistungssteigerung von mindestens dreißig Prozent – bei gleichzeitiger Erhöhung der Fertigungsqualität. Doch auch die Mitarbeiter selbst sollen durch Berücksichtigung neuester ergonomischer Erkenntnisse direkt von der Anlage profitieren. Den Austausch von Werkzeugen übernimmt ein Roboter.

Landrat möchte gerne schweißen

Über zwei Jahre liegen die ersten Pläne für die Millioneninvestition zurück; aktuell läuft die Installation. Nach der Urlaubszeit soll der erste Probebetrieb starten. In der Übergangsphase findet auch die Schulung einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern statt, die ab 2017 das Bohrwerk als Stammpersonal bedienen sollen. Eine Rationalisierung im Sinne von Jobabbau hat die Maschine nach MZ-Informationen nicht zur Folge.

Auch die Ausbildungshalle war Zwischenstation während des Rundgangs. Hier lernen die Azubis unter anderem sämtliche Schweißmethoden von der Pike auf. „Das wollte ich auch schon immer können“, outete sich Thomas Ebeling als Mann mit Affinität zum Handwerk. „Für unseren Herrn Landrat müsste sich da doch etwas machen lassen“, war die spontane Reaktion.

Im Anschluss war noch Gelegenheit, Anekdoten auszutauschen. Zentrale Figur: Unternehmensgründer Hermann Kronseder. Der habe größten Wert auf Sauberkeit am Arbeitsplatz gelegt, hieß es, und er sei sich nie zu schade gewesen, eine am Boden liegende Schraube aufzuheben oder in Abfallbehälter zu blicken, um zu schauen, ob da wirklich nur Material drin war, das nicht mehr verwertet werden konnte. „So war er eben!“, war der Tenor. Und: „So war es gut!“

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