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Lammsbräu wächst unabhängig von Trends

Die Neumarkter Biobrauerei füllt einen Erfolg nach dem anderen ab. Ihrem Prinzip der Regionalität bleibt sie dabei treu.
Von Thomas Tjiang, MZ

Susanne Horn, Generalbevollmächtigte der Neumarkter Lammsbräu, setzt weiter auf ökologisches Wachstum. Foto: Tjiang
Susanne Horn, Generalbevollmächtigte der Neumarkter Lammsbräu, setzt weiter auf ökologisches Wachstum. Foto: Tjiang

Nürnberg.Schaut man sich den deutschen oder bayerischen Biermarkt an, fällt die Neumarkter Lammsbräu aus dem Rahmen. Trends im Biergeschäft scheinen dem Pionier des Öko-Bieres fremd zu sein. Wachsendes Exportgeschäft analog zum Markt? Fehlanzeige. Biermischgetränke oder Bierdose? Bei der Lammsbräu verpönt. Kultige Mini-Craftbier-Brauerei? Zu alt und zu groß. Selbst das hippe Vegan-Label sucht man vergebens auf den Flaschen. Dabei ist das Bier innen und außen vegan, während bei den Limos nur der Inhalt vegan ist, das Etikett noch mit einem Leim auf Milchproteinbasis geklebt wird. Susanne Horn, Generalbevollmächtigte der Traditionsbrauerei, konstatiert: „So gesehen sind wir out.“

Selbst beim Trend zum alkoholfreien Bier winkt Horn ab. Mit fünf alkoholfreien Bieren habe man zwar ein wichtiges Standbein in diesem Segment und hier sogar ein Absatzplus von rund 13 Prozent im letzten Jahr verbucht. Aber die Lammsbräu bediene dieses Geschäft schon seit fast 20 Jahren, also lange bevor alkoholfrei „en vogue“ wurde.

Lammsbräu auf der Zugspitze

Seit letztem Jahr wird Lammsbräu auch auf der Zugspitze ausgeschenkt, gerade Skifahrer würden immer häufiger zum alkoholfreien Bier statt etwa zum hochprozentigen Jagertee greifen.

Der Umsatz legte im vergangenen Jahr elf Prozent auf 20,5 Millionen Euro zu. Weil auf Rabattaktionen und Sonderpreise grundsätzlich verzichtet wird, entwickelte sich die Produktion „über alle Segmente hinweg“ um elf Prozent auf nunmehr 193 000 Hektoliter. Das Segment alkoholfreie Getränke, aus Bieren, Now-Limonaden und dem zertifizierten Bio-Kristall-Mineralwasser, macht mehr als die Hälfte des Geschäfts aus. Aber selbst das klassische Biergeschäft entwickelte sich mit plus fünf Prozent deutlich besser als der bundesdeutsche Markt. Selbst der erfolgreiche bayerische Biermarkt wurde übertroffen. Den Ertrag wollte Horn nicht beziffern, beschrieb ihn aber trotz einer Millionen-Euro-Bauinvestition mit „wirtschaftlich“.

Erzeuger und Verarbeiter gehören regional zusammen.

Lammsbräu-Generalbevollmächtigte Susanne Horn

Zahlen können nicht abbilden, was die Bio-Brauerei antreibt. Das eigentliche Herzstück von Deutschlands größtem Biobier-Hersteller ist die regionale Erzeugergemeinschaft EZÖB mit Biolandwirten. Den 150 Mitgliedern garantiert die Brauerei unabhängig von Marktturbulenzen einen festen Preis für Hopfen und Getreide. Mit diesem Ansatz könnten immer mehr Landwirte überzeugt werden, „nicht nur aus ideologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen“ auf Bioanbau umzustellen.

Biobauern weniger anfällig

Im letzten Jahr konnten erstmals mit den regionalen Ernten zu 100 Prozent der Rohstoffbedarf aller Biere gedeckt werden. Der heiße Sommer, der etwa dem Hallertauer Hopfen Einbußen von einem Viertel beschert hat, bestätigt das von Inhaber Franz Ehrnsperger entwickelte Modell. Die EZÖB-Bauern hätten deutlich geringere Verluste verbucht, weil Ökoflächen das wenige Wasser besser speichern können.

„Erzeuger und Verarbeiter gehören regional zusammen“ ist sich Horn sicher. In Einzelfällen mache man sich auch für den Erhalt von Pachtverträgen stark, da viele Eigentümer statt an einen Öko-Landwirt lieber an einen Biomasse-Maisanbauer verpachten wollen. Nach wie vor sind dort höhere Erträge zu erwirtschaften.

Vollbeschäftigung in Neumarkt

Gut ein Drittel des Geschäfts wird im Kerngebiet Oberpfalz, Niederbayern und Mittelfranken verkauft. Ansonsten wird das Geschäft bundesweit mit dem Getränke- bzw. Naturkostfachhandel sowie der Gastronomie gemacht. Der Export unter ökologischen Kriterien ins benachbarte Ausland sank wegen des gewachsenen Geschäfts von vier auf drei Prozent. Man mache nur das, „was sich nicht vermeiden lasse“. Im Vorfeld der nächste Woche beginnenden Weltleitmesse Biofach erreiche die Lammsbräu zahlreiche Exportanfragen aus Fernost, wo Biobier aus Deutschland gefragt ist. „Das lehnen wir ab.“

Ungewollte Grenzen des Wachstums zeichnen sich eher auf der Mitarbeiterseite ab. Zwar stieg die Zahl der Mitarbeiter um vier auf 119 Beschäftigte, davon sind neun Azubis. Aber etwa bei Lagerarbeitern „hat die Lammsbräu ein Problem“. In Neumarkt herrscht quasi Vollbeschäftigung, eine Abwerbung von gesuchten Mitarbeitern bei benachbarten Unternehmen komme wegen des Selbstverständnisses der Brauerei nicht in Frage.

Für das angelaufene Jahr mit einem „moderaterem Wachstum“ auf 21 Millionen Euro. In Werbung zur Fußball-Europameisterschaft, so wie es manche Großbrauerei macht, werde nicht investiert. Ob das Reinheitsgebot beim Bier in seinem 500. Jahr heuer gesetzlich gekippt wird, ist für Horn nicht entscheidend. Es sollte der Brauwirtschaft als Qualitätssiegel wichtig sein, weil es „dem Kunden wichtig ist“. Wenn jemand aber ein „Bananenweizen“ trinken möchte, solle er es auch dürfen.

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