MyMz
Anzeige

Regensburger Institut steht vor dem Aus

40 Jahre nach seiner Gründung ist das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut (OTTI) wohl nicht mehr zu retten.
Von Christine Hochreiter, MZ

Gebündelte Expertise: Das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut (OTTI) steht für den Wissenstransfer in die Wirtschaft.
Gebündelte Expertise: Das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut (OTTI) steht für den Wissenstransfer in die Wirtschaft. Foto: HS Deggendorf

Regensburg.Es gab eine Zeit, da zählte das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut (OTTI) in Regensburg bei Themen rund um technisches Know-how zu den ersten Adressen in der Region. Doch in den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen für den Wissenstransfer so dramatisch geändert, dass die Institution im Jahr ihres 40. Geburtstags kurz vor dem Aus steht. Am 27. Oktober hatte der Vorstand des OTTI e.V. den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt und inzwischen ist so gut wie sicher, dass es für das OTTI keine Zukunft mehr gibt.

Geschäftsführer Dr. Thomas Luck skizzierte am Mittwoch gegenüber unserem Medienhaus die Entwicklung. Seit vier Jahrzehnten stehe das Institut für einen erfolgreichen Technologietransfer in Ostbayern und auch weit darüber hinaus. Das OTTI habe – häufig auch in Zusammenarbeit mit anderen regionalen Einrichtungen – im Jahr mehr als 200 Seminare, Fachforen und Konferenzen zu den Themen Energiewirtschaft, Technik und Management veranstaltet.

Mitglieder sind Unternehmen, Wirtschaftskammern, Kreditinstitute, Kommunen und Einzelpersonen. Ende 2015 gehörten dem Verein 252 Mitglieder an. Der Vorstand als vom Verein gewähltes Gremium entscheidet über die strategische Ausrichtung.

Das Angebot wurde verändert

In diesem Gebäude im Regensburger Stadtwesten befindet sich der Sitz von OTTI.
In diesem Gebäude im Regensburger Stadtwesten befindet sich der Sitz von OTTI. Foto: Hochreiter

Bereits seit mehreren Jahren hat das Institut laut Luck mit Blick auf den Wandel im Weiterbildungsmarkt sein Angebot verändert und den Veranstaltungsbereich Anfang 2014 neu strukturiert. Im Jahresbericht 2015 schrieb der Vorstandsvorsitzende Dr. Urs Herding (Geschäftsführer der Herding GmbH Filtertechnik in Amberg): „Der Trend muss aus Sicht des OTTI zur Konzentration und Fokussierung von Angeboten gehen.“ Immer mehr Angebote zum gleichen Thema führten mittel- und langfristig zur Verwässerung der Qualität. Luck zufolge konnten die Position im Markt und die Auftragslage stabilisiert werden – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als noch in den Jahren 2012/2013.

Einen Kommentar zur Entwicklung bei OTTI lesen Sie hier:

Kommentar

Chancenlos

So bedauerlich das drohende Aus für das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut sein mag, es war und ist unabwendbar – außer es tritt in allerletzter...

OTTI hat heute noch 25 Mitarbeiter. Die meisten sind schon viele Jahre bei dem Regensburger Institut beschäftigt. In der Hoch-Zeit waren es rund 40.

Doch es gelang nicht, die Kostenstrukturen im notwendigen Umfang anzupassen. In der Folge reduzierten sich die Rücklagen. Die finanzielle Situation wurde immer ernster und es drohte die Zahlungsunfähigkeit. Der Vorstand – Vertreter aus der Wirtschaft und ein Hochschul-Präsident – stellte Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Eine marginale Förderquote

Für die Turbulenzen des Ostbayerischen Technologie-Transfer-Instituts gibt es mehrere Gründe. Der Weiterbildungsmarkt insgesamt steht stark unter Druck. Neue Anbieter sind hinzugekommen. Große Fachpresse-Verlage veranstalten beispielsweise eigene Seminare zum Wissenstransfer. Darüber hinaus fließen Fördergelder der Politik eher in Institutionen wie BayernInnovativ oder in Cluster. Außerdem hat sich das Spezialthema Erneuerbare Energien, das ein wichtiges Standbein und damit eine wichtige Einnahmequelle von OTTI war, auch wegen der politischen Kapriolen ungünstig entwickelt. Luck zufolge haben sich die Erlöse in diesem Bereich in den vergangenen Jahren halbiert.

Das von einem Verein getragene OTTI „lebt“ aber quasi ausschließlich von den Einnahmen der Veranstaltungen. Die Förderquote für eigene Projekte ist marginal. Und dann wäre da als Mosaikstein für die Schwierigkeiten auch noch das Thema Digitalisierung. Dem OTTI-Geschäftsführer zufolge ist inzwischen auch so manche Information via Internet abrufbar.

„Das Insolvenzrecht kann das Arbeitsrecht nicht aushebeln.“

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Rudolf Dobmeier

All dies führte dazu, dass das Institut immer stärker unter Finanzdruck geriet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Rudolf Dobmeier versuchte mit seinem Team und der Geschäftsführung alles, um das Aus noch abzuwenden. Doch „weil das Insolvenzrecht das Arbeitsrecht nicht aushebeln kann“, war es seinen Angaben zufolge nicht möglich, die Kosten so anzupassen, dass das OTTI hätte fortgeführt werden können. Alles laufe darauf hinaus, dass am 1. Februar das Insolvenzverfahren eröffnet werde. Konkret bedeute dies, dass die geplanten Veranstaltungen noch durchgeführt werden. Und dann ist wohl Schluss.

„Ein Mantel, der nicht mehr passt“

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Rudolf Dobmeier (l.) und OTTI-Geschäftsführer Dr. Thomas Lück erläuterten den Hintergrund der Entwicklung.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Rudolf Dobmeier (l.) und OTTI-Geschäftsführer Dr. Thomas Lück erläuterten den Hintergrund der Entwicklung. Foto: Hochreiter

Die bestehende Struktur des Vereins habe sich zusätzlich negativ ausgewirkt, betonte Dobmeier. Sie sei „so wie ein Mantel, der nicht mehr passt“. In den vergangenen Jahren war OTTI in der regionalen Wahrnehmung kaum noch präsent. Luck: „Als Spezialisten und Branchentreff für Photovoltaik kannte man uns in Berlin fast schon eher als in Regensburg.“ Und Dobmeier ergänzte: „Das O für Ostbayern in OTTI spielte so gut wie keine Rolle mehr.“ Trotz großer gemeinsamer Anstrengungen habe man es nicht geschafft, die 40 Jahre alte Institution zu retten, so der Rechtsanwalt. Vor allem die Personalkostenstrukturen hätten sich als „in Stein gemeißelt“ erwiesen. Vor diesem Hintergrund habe man trotz intensiver Bemühungen auch niemanden gefunden, der das OTTI übernehmen wollte.

Noch mehr Berichte aus der regionalen Wirtschaft lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht