MyMz
Anzeige

Wittmann blickt tief ins Tal der Zinsen

Nach dem Kilimandscharo hat der Chamer Sparkassen-Chef den Obmann-Sessel der Sparkassen in der Oberpfalz erklommen.
Von Johannes Schiedermeier

Franz Wittmann hält an seiner Sparkasse im Landkreis Cham fest, erweitert als Obmann der Oberpfalz aber seinen Wirkungskreis.
Franz Wittmann hält an seiner Sparkasse im Landkreis Cham fest, erweitert als Obmann der Oberpfalz aber seinen Wirkungskreis.Foto: Schiedermeier

Cham.Der Chamer Sparkassen-Chef Franz Wittmann ist ein zäher Typ. Das wissen wir spätestens, seit er den Gipfel des Kilimandscharo erklommen und den Chamer Stadtlauf bewältigt hat. Nun ist ihm der Sessel des Sparkassen-Obmanns in der Oberpfalz in den Weg geraten. Ein Aufstieg, den Franz Wittmann mit wesentlich zwiespältigeren Gefühlen bewältigt. „Der Kilimandscharo, das war ein Lebenstraum. Das hier ...!?“

Der tiefe Blick vom neuen Posten

Der neue Posten ist auf jeden Fall nicht vergnügungssteuerpflichtig. Denn die Aussichten sind wesentlich weniger eindrucksvoll. Das einzig Vergleichbare zum Gipfelsturm auf den Kilimandscharo ist die Perspektive: Tief fällt der Blick hinunter. Aber leider nur ins Tal der Zinsen.

Doch zunächst einmal das Positive. Wittmanns Kollegen von den anderen sechs Oberpfälzer Sparkassen haben ihm gut zur Kandidatur zugeredet. Und es hat auch eine Rolle gespielt, dass das Modell der Sparkasse im Landkreis Cham als durchaus erfolgreich gilt. Erst 2015 ließen die Zahlen aufhorchen: 9,9 Prozent Wachstum beim Kreditgeschäft, 7,4 Prozent beim Einlagengeschäft – Rekord in Bayern. Ein Landkreis und seine Sparkasse sind auf dem Weg nach oben.

„Wir sind anders“, sagt Wittmann auf die Frage nach den Gründen des Erfolgs. „Wir tun alles, damit unsere Mitarbeiter sich mit den Kunden und ihrer Sparkasse identifizieren. Das ist die Grundlage für Vieles.“ Und zum Anderssein gehört auch ein motivierender Führungsstil, sagt der Chef.

Anders zu sein, ist das Eine. Das auch in Bayern durchzusetzen, ist das Andere. Wittmann hat schon öfter auf irgendwelchen Veranstaltungen dagegengeredet. „Da wird man als Einzelner leicht mal überhört. Jetzt als Vertreter der Oberpfälzer Sparkassen, dürfte das schwerer sein, mir nicht zuzuhören.“

Doch damit endet es schon, all das Positive. Denn alleine davon werden die Zinsen nicht steigen. Und die Presseanfragen wegen der Folgen kennt Wittmann schon aus leidvoller Erfahrung an der Chamer Basis. Geht es an die Mitarbeiter? An die Filialen? Warum müssen die Vereine plötzlich Kontoführungsgebühren zahlen. Weshalb plötzlich Gebühren für dies und das?

All diese Fragen stellen sich oberpfalzweit oft weit intensiver. Denn noch geht es den Chamern gut. Aber auch in unserem Landkreis werden die Auswirkungen der Zinspolitik ankommen. „Manche Dinge werden erst in fünf Jahren durchschlagen“, sagt der Sparkassen-Chef.

Die Commerzbank in der Nachbarschaft hat beim Pressegespräch mit dem Bayerwald-Echo verraten, dass sie beratungsresistente Kunden, die weiter viel Geld auf dem Konto parken, gerne ziehen lässt. Denn sie verlangt in Härtefällen bereits Negativ-Zinsen. Einige dieser potenten Kunden hat Wittmann bereits kennengelernt ...

Die Kunst der Balance

In den nächsten drei Jahren – so lange läuft die Amtsperiode eines Sparkassen-Bezirksobmanns – wird Wittmann öfter mal unterwegs sein. Die Zeit dafür hat er. Auch, weil die Kinder schon aus dem Haus sind. Allerdings will er die Balance weiter wahren, zwischen der Arbeitsbelastung und dem Privatleben. Auch die wilden Wittmann'schen Faschingsbilder soll es weiter geben. Und den Sparkassen-Chef, der schwimmt, radelt und rennt.

56 Jahre alt ist Wittmann inzwischen. Und er will arbeiten bis 67. Das könnte für manchen Mitarbeiter und manche Filiale eine Lebensversicherung sein. Denn Wittmann hat uns auch verraten: „Das ist meine Sparkasse, mein Landkreis und das sind meine Mitarbeiter. Ich will hier nicht weg!“

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham lesen Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht