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2000 Eon-Mitarbeiter im Warnstreik

Die Beschäftigten des Energiekonzerns protestierten in Regensburg. Sie wollen nach schweren Jahren spürbar mehr Geld.
Von Bernhard Fleischmann

Bunt und laut – so zogen die warnstreikenden Eon-Mitarbeiter durch den Regensburger Stadtwesten. Foto: Bernhard Fleischmann
Bunt und laut – so zogen die warnstreikenden Eon-Mitarbeiter durch den Regensburger Stadtwesten. Foto: Bernhard Fleischmann

Regensburg.Infernalischer Lärm traktiert das Gehör. Soeben hat der Konzernbetriebsratschef des Energieversorgers Eon, Albert Zettl, starke Worte gebraucht: Das vorliegende Tarifangebot der Arbeitgeber sei ein Hohn. „Das ist nicht nur armselig. Das ist ein Skandal“, wuchtet er seine Vorwürfe ins Mikrofon. Mehr als 2000 Mitarbeiter aus ganz Bayern, einige sogar aus Österreich, marschieren am Freitagvormittag vor das Eon-Gebäude beziehungsweise den Sitz des Bayernwerks in Regensburg. Das sind deutlich mehr als die erwarteten 1500 Teilnehmer zum ganztägigen Warnstreik.


Sechs Prozent mehr Lohn

Es liegen turbulente Jahre hinter Eon. Umstrukturierungen, Sparpläne, hohe Verluste, Stellenabbau. Jetzt steht der Energieversorger wieder besser da. Das möchten die Beschäftigten auch. Die Gewerkschaft Verdi fordert für sie sechs Prozent mehr Geld, für die Auszubildenden 175 Euro plus und unbefristete Übernahmen.

Verhandelt wird über einen Verbandstarifvertrag Energie. Zu der Tarifgemeinschaft gehören Eon, Netzbetreiber Tennet und Verbundunternehmen in Österreich. Zu Eon zählen unter anderem das Bayernwerk oder Preussenelektra. Das in der zweiten und bisher letzten Verhandlungsrunde von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot beträgt 2,1 Prozent bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Zettl rechnet das so um: 1,4 Prozent binnen eines Jahres, weniger als die Inflationsrate von 1,7 Prozent. Also realer Verlust. Nach den schweren Jahren, in denen die Belegschaft loyal schmerzliche Schritte mitgetragen habe, werde sie diese Offerte keinesfalls akzeptieren.

Sonne, aber beißende Kälte beim Warnstreik Foto: Bernhard Fleischmann
Sonne, aber beißende Kälte beim Warnstreik Foto: Bernhard Fleischmann

Lauter Protest mit Ohrstöpseln

Damit die Öffentlichkeit Notiz davon nimmt, ziehen die gut 2000 Menschen in einem Demonstrationszug mehrere Hundert Meter durch die Stadt zum Eon-Gebäude und blasen aus Leibeskräften in ihre Vuvuzelas und Trillerpfeifen. Viele Teilnehmer schützen sich selbst mit Ohrstöpseln. Das Getöse sollte ausgereicht haben, um die Ohren von Andreas Ladda zu erreichen, sofern er sich in seinem Büro in Regensburg aufgehalten hat. Er ist Bayernwerk-Personalvorstand und verhandelt auf der Arbeitgeberseite über den Tarif mit.

Am Eingang des Eon-Gebäudes in Regensburg versammelten sich die Protestierenden zur Kundgebung. Foto: Bernhard Fleischmann
Am Eingang des Eon-Gebäudes in Regensburg versammelten sich die Protestierenden zur Kundgebung. Foto: Bernhard Fleischmann

Schon die ganze Woche gab es in ganz Deutschland Warnstreiks, um Druck aufzubauen für die dritte Verhandlungsrunde am nächsten Dienstag in Hannover. Dort sollte die Tarifpartner ein Ergebnis erreichen. Andernfalls werde Verdi wahrscheinlich in die Urabstimmung gehen, um über Erzwingungsstreiks zu entscheiden, sagt Volker Stüber, Bundesfachgruppenleiter Energiewirtschaft bei Verdi. Doch das sei gar nicht so wahrscheinlich: „Darauf werden es die Arbeitgeber nicht ankommen lassen. Da bin ich mir sicher“, gibt sich Stüber gewiss.

Eon geht es inzwischen besser

Auch wenn die Verdi-Spitzenleute wissen, wie man auch bei beißender Kälte Stimmung macht und Menschen in Wallung bringt – die Protestierenden scheinen genügend empört zu sein über das bisherige Angebot der Arbeitgeber. Ständig unterstützen sie die Redner mit Zwischenapplaus in Form von mächtig Lärm, aber auch mit zustimmenden Zwischenrufen.

Es kommt offenbar nicht gut an, dass, wie es Stüber formuliert, das Management in Statements gerne die Arbeitnehmer in den höchsten Tönen lobe, sie aber in Wirklichkeit kurzhalten wolle. Verdi müsse klarmachen, dass es Eon nicht mehr schlecht gehe. Der Konzern habe unerwartet vom Staat sieben Milliarden Euro Rückerstattung aus der Brennelementesteuer bekommen. Im letzten Zwischenbericht nach dem dritten Quartal 2017 vermeldete Eon seinen Aktionären wörtlich: „Die gute Entwicklung unseres operativen Geschäfts verdanken wir vor allem dem Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für unsere Kunden.“ So kann der Bundesfachausschussvorsitzende Eon bei Verdi, Lothar Haberzeth, die Empörung anheizen, als er daran erinnert, dass Eon das Tal der Tränen für beendet erklärt habe. Gleichzeitig mahnten die Verhandlungsführer in der Tarifkommission, die Gewerkschaft möge die Zukunft des Unternehmens nicht gefährden.

Junge Mitarbeiter beteiligten sich in großer Zahl an dem Warnstreik. Foto: Susanne Wolf
Junge Mitarbeiter beteiligten sich in großer Zahl an dem Warnstreik. Foto: Susanne Wolf

Junge Fachkräfte binden

Auch die Auszubildenden sehen Aufholbedarf. Sie verdienten momentan im 1. Lehrjahr 874 Euro. BMW und Siemens zahlten über 1000 Euro, Aldi 950 Euro, verkünden die Azubis Anna Goldbrunner und Tobi Blume. Sie mahnen Konkurrenzfähigkeit an im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte. Dass Eon an den Befristungen bei Übernahmen festhalten wolle und dabei behaupte, man bilde über Bedarf aus, sei unverständlich. Erst vor ein paar Jahren habe Eon verkündet, man bilde jetzt nur noch nach Bedarf aus. Wegen der Befristungen würden viele Fachkräfte am Anfang ihrer Karriere Eon verlassen.

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