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Ostbayern
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

INTERVIEW

Aussehen ist bei Industriegütern wichtig

Gespräch mit Gottfried Beer, Marketingleiter des Walzenherstellers und Weltmarktführer Hamm aus Tirschenreuth.
Von Thomas Tjiang, Wirtschaftszeitung

Gottfried Beer (Foto: Hamm/Frank Huebler)
Gottfried Beer (Foto: Hamm/Frank Huebler)

Nürnberg.Herr Beer, wie verbinden sich bei Hamm die beiden Bereiche Industriemaschinen und Design?

Gottfried Beer: Design wird oft nur auf Konsumgüter reduziert. Aber gerade bei Industriegütern ist das Design wichtig. Das sieht man am besten an der Schnittstelle Mensch-Maschine, also dort, wo es um Funktionalität und Komfort geht. Die Frage, wie ein Produkt auf den Menschen abgestimmt ist, ist für uns immer eine Frage des Designs. Dazu kommt, dass Industriemaschinen technisch immer mehr vergleichbar werden. Ich sage mal so: Design ist immer auch eine Visualisierung von nicht sichtbarer Kompetenz. Heute findet die Entwicklung in einem versteckten Stadium statt, also in der Maschine, in der Elektronik oder auch in der Ergonomie. Da zeigen wir mit Design, dass wir einen neuen Entwicklungsschritt gemacht haben. Außerdem ist Design für uns auch ein zentraler Baustein unserer Unternehmensmarke.

Die Verbindung von Design und Ihren Walzenzügen ist nicht naheliegend. Wie sieht das in der Praxis aus?

Ich kenne diese Einschätzung noch von vor 25 Jahren, als wir mit dem Design richtig angefangen hatten. Da hieß es: „Eine Straßenwalze muss doch nur verdichten, da braucht man doch kein Design.“ Aber gerade in so einem Markt spielt Design eine wichtige Rolle. Wir machen Design nicht als Selbstzweck und auch nicht wegen der vielen Preise, die wir bekommen haben. Unsere Kunden fühlen sich angesprochen, weil Design noch eine Differenzierung schafft. Es geht um die Sichtverhältnisse auf einer Maschine, um die Ergonomie, um den Fahrerplatz und wie die Maschine aussieht. Aber natürlich auch: Was kann der Fahrer mit der Maschine alles machen, wie hat er mehr Spaß beim Arbeiten? Das ist für uns alles Design.

Was gab damals den Ausschlag für mehr Design? War das eher aus der Not geboren oder war die Entscheidung strategische Weitsicht?

Es ist vielleicht beides mit drin gewesen. Der erste Grund für unseren Design-Einstieg war Kosteneinsparung. Damals gab es Walzenzüge mit einigen Tonnen Gewicht bis hin zu 25 Tonnen und jede der Maschinen hatte eine andere Kabine. Zur Kosteneinsparung sollte eine Kabine designt werden, die auf einer kleinen Maschine nicht zu groß wirkt und umgekehrt. Denn der Fahrer ist immer gleich groß. Mit einer Kabine für die ganze Reihe sind wir also gestartet. Die Techniker hatten die Aufgabe, eine Maschine nach bestimmten Gesichtspunkten zu entwickeln. Externe Designer haben die Dinge ganz anders betrachtet und Änderungen für noch bessere Sichtverhältnisse vorgeschlagen, die dann auch umgesetzt wurden. Wichtig war dann die Entscheidung der damaligen Geschäftsleitung, zukünftig bei den Entwicklungen von Anfang an externe Designer in den Entwicklungsprozess miteinzubeziehen. Das war damals wegweisend und davon wurde bis heute nicht abgewichen.

Können Sie tatsächlich mit Ihren designten Maschinen besser am Markt punkten?

Wir waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich, da kann das Design also zumindest nicht geschadet haben ... Wenn Produkte technisch immer vergleichbarer werden, muss man die Kompetenz, die im Produkt steckt, visualisieren. Wir haben festgestellt, dass Kunden auf ein gut designtes Produkt anders reagieren als auf ein Produkt, an dem da und da noch ein Kasten angebaut wurde. Ich sage immer etwas vereinfacht: Mit gutem Design signalisiert man dem Kunden, dass er ein ausgereiftes, fertiges Produkt bekommt. Auch für unsere Kunden, die Bauunternehmen, ist das ein Aushängeschild. Ein Unternehmer, der moderne Maschinen hat, wirkt nach außen besser. Dann kommt noch dazu: Auch Baufirmen haben Probleme, gute Fahrer zu bekommen. Ein attraktiver Arbeitsplatz mit unseren Maschinen ist ein weiterer Pluspunkt. Wir sind Weltmarktführer, jede fünfte Maschine kommt heute aus Tirschenreuth, das wäre ohne Design nicht möglich gewesen.

Überzeugt Design auch einen preissensitiven Einkäufer?

Wenn man fragt, nach welchen Kriterien Baumaschinen gekauft werden, hört man „nur nach Fakten, Fakten, Fakten“. In Excel-Sheets werden alle Daten und Preise verglichen. Aber oft sind die Abweichungen bei Preis und Technik nur gering. Dann schaut sich der Einkäufer die Maschinen an. Wir haben festgestellt, dass gut designte Maschinen auch im Einkauf emotional wirken. Das wird gern bestritten, ist aber in der Praxis so. Gerade im preissensitiven Markt, da spielt das Design eine noch größere Rolle.

Warum führt das Design bei vielen Mittelständlern noch so ein Nischendasein?

Es gibt viele eingefahrene Wege, man hat es halt schon immer so gemacht. Vielleicht gesteht man sich auch nicht ein, dass Emotion auch bei Industriegütern eine Rolle spielt. Dazu kommt noch die Angst, dass Design zu viel kostet, oder man weiß gar nicht, wo man ansetzen soll. Aber das ist zu kurzfristig gedacht; Design dagegen ist immer langfristig angelegt.

•Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

Lesen Sie zum Thema auch folgenden Artikel: Design als Strategie für den Markterfolg

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