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Umwelt

Das Aus für Plastik im Imbiss: Was dann?

Styroporboxen und Kunststoffgabeln sind üblich. Die EU verbietet sie in zwei Jahren. Manche Betreiber freuen sich sogar.
Von Bernhard Fleischmann

Styropor ist nach wie vor gebräuchlich, weil praktisch – Köchin Gabi Mandl reicht bei Eschenwecker in Regensburg Essen an eine Kundin über die Theke. Foto: Bernhard Fleischmann
Styropor ist nach wie vor gebräuchlich, weil praktisch – Köchin Gabi Mandl reicht bei Eschenwecker in Regensburg Essen an eine Kundin über die Theke. Foto: Bernhard Fleischmann

Regensburg.Rahmbraten mit Spätzle bietet die Metzgerei Eschenwecker am Regensburger Arnulfsplatz am Donnerstag als Tagesgericht an. Es ist kalt draußen. Köchin Gabi Mandl reicht einer Kundin das Mittagessen über die Theke – wärmeisoliert in einer Styroporverpackung. Hinter Mandl stapeln sich die Boxen für die Mitnehm-Menüs – wohl nicht mehr lange. Denn in zwei Jahren werden solche Einwegverpackungen verboten sein. Das hat die Europäische Union im Dezember des abgelaufenen Jahres beschlossen.

Der Bann betrifft Trinkhalme, Einmalgeschirr, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik. Es gäbe für diese Gewohnheitsartikel bereits Alternativen. Eben deshalb hat sie die EU als Erste sozusagen auf eine Art Rote Liste gesetzt.

Umwelt

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Wer nun glaubt, besonders Imbisse würden entrüstet dagegen Sturm laufen oder verzweifeln, der irrt. Allerdings hat etwa Anton Eschenwecker durchaus Vorbehalte. Der Inhaber der Regensburger Metzgerei ärgert sich grundsätzlich über die in seinen Augen überbordende Regelungs- und Verordnungswut. Ja, es werde Lösungen geben, um Plastik zu vermeiden, und im Sinne der Umwelt sei das begrüßenswert. Aber auf der anderen Seite werde das Geschäft eben immer komplizierter. Er habe schon experimentiert, die Styroporboxen durch Holzschälchen zu ersetzen. Beide kosteten rund 40 Cent das Stück, aber das Styropor sei wesentlich vielseitiger – es sei dicht, halte gut warm etc.

Sind die Schüsseln sauber?

Skeptisch sieht Eschenwecker die Möglichkeit, dass Kunden ihre Schälchen mitbringen. Der Behälter möge sauber aussehen, aber ob Keime drin sind, sieht man nicht. „Wenn der Kunde dann Durchfall kriegt, behauptet er womöglich, dass es am Essen gelegen hat.“ Und wenn er das dann auf Facebook verbreitet, wäre der Ruf des Geschäfts gewaltig ramponiert. Er glaubt auch nicht, dass ein solches Verbot Müll reduziert. „Bislang wird der Müll sogar immer mehr“, dank stetig zunehmender Hygienevorschriften etwa.

Sehen lustig aus, sind aber für die Umwelt ungünstig: quietschbunte Trinkhalme aus Plastik Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Sehen lustig aus, sind aber für die Umwelt ungünstig: quietschbunte Trinkhalme aus Plastik Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Mit dem Verbot ab 2021 erwischt die EU keineswegs die großen Mengen des Kunststoffs, die Flüsse, Meere und Strände vermüllen. Dennoch sind die Plastikgabeln, Getränkebecher und -deckel und Styroporboxen allgegenwärtig. „Was wir hier an unseren Stränden haben, sind so dramatische Mengen, dass wir gar nicht weit wegschauen müssen“, sagt etwa Nadja Ziebarth, Leiterin des Meeresschutzbüros der Umweltorganisation BUND. Aber noch viel schlimmer sieht es in Südostasien aus. Der meiste Müll in den Meeren gelangt über Flüsse hinein, besonders stechen dabei mehrere Ströme in China heraus wie der Jangtse, dazu der Mekong, der mehrere Länder Asiens durchquert oder der Nil, der in Ägypten ins Mittelmeer mündet.

Inhaberin Frau Nguyen Thi Mot im China-Imbiss Saigon City. Foto: Saigon City
Inhaberin Frau Nguyen Thi Mot im China-Imbiss Saigon City. Foto: Saigon City

China gilt als Inbegriff der Plastik-Affinität. Insofern überrascht Huong Hoang vom Regensburger Steh-Imbiss Saigon City. Sie scheint richtig froh zu sein, dass sich die Kunststoff-Ära hier ihrem Ende neigt. „Wir begrüßen das. Es spart Müll und auch Kosten“, freut sie sich. Die Verpackungen für die Speisen zum Mitnehmen seien teurer als gemeinhin vermutet. Und die Müllmenge, die im Saigon City heute anfalle, nehme beachtliche Ausmaße an.

Beim Besteck fährt der Asia-Imbiss zweigleisig – sowohl Metall als auch Plastikbesteck stehen dem Kunden zur Verfügung. Diese reagierten bereits auf die Diskussion um Plastik. „90 Prozent unserer Gäste sind Stammkunden“, sagt Hoang. Viele von ihnen würden mittlerweile eigene Schüsseln mitbringen und sich das Gericht darin verpacken lassen. Bekannte Kunden könnten auch Teller des Imbisses mit nach Hause nehmen. Für die Zukunft denken die Betreiber des Saigon City daran, eigene Behälter gegen eine Leihgebühr mitzugeben. „Wir werden Lösungen anbieten.“ sagt Hoang. Welche es genau sein werden, stehe noch nicht fest.

Ein Dürüm von Galip Belge – die Alufolie wird diskussionswürdig sein. Foto: Bernhard Fleischmann
Ein Dürüm von Galip Belge – die Alufolie wird diskussionswürdig sein. Foto: Bernhard Fleischmann

Galip Belge hält den Plastik-Bann sogar für überfällig. Der Inhaber des Döner-Standes „Ex Faßl“ am Alten Kornmarkt in Regensburg meint: „Das sollte auf der ganzen Welt gemacht werden.“ Gäste, die einen Kaffee bei ihm trinken und das Gespräch mitbekommen, murmeln zustimmend: „Da bin ich auch dafür, des Plastik brauchts ned.“

Allzu viel Kunststoff fiele bei ihm ohnehin nicht an, sagt das Urgestein Belge, der 1986 den ersten Döner-Stand in Regensburg eröffnet hat. Die meisten Kunden würden ihren Döner oder Dürüm im Stehen verspeisen. Nur zehn bis 15 Prozent der Gäste würden sich das Essen einpacken lassen. Statt Styropor und Plastik könne er auch Papier verwenden, Tüten durch Tragetaschen ebenfalls aus Papier ersetzen.

Müll an Stränden – hier in Sihanoukville in Kambodscha – gehört inzwischen zur traurigen Alltäglichkeit. Foto: Bernhard Fleischmann
Müll an Stränden – hier in Sihanoukville in Kambodscha – gehört inzwischen zur traurigen Alltäglichkeit. Foto: Bernhard Fleischmann

Cooler McDonald‘s-Betreiber

Ganz cool bleibt auch Frank Mosher, der eine Reihe von McDonald’s-Restaurants in der Region betreibt. „Ich denke, es ist nicht so schwierig, auf Einweg umzustellen“, meint er. Denn in allen Häusern stünden Spülmaschinen. In den McCafés gebe es gar kein Plastik mehr. Kunststoff sei in den Häusern der US-Kette auf dem Rückzug. Reststoffe würden strikt getrennt. Nur fünf Prozent landeten im Restmüll. Zuletzt habe man bei Softdrinks wie Cola oder Fanta die Deckel auf den Trinkbechern im Lokal abgeschafft. Man versuche, Gäste zu bewegen, selbst Verpackungen mitzubringen. Im Einzelnen muss sich Mosher darüber keine Gedanken machen, denn die Konzepte und Vorgaben zum Materialeinsatz liefert zentral der Bereich McDonald’s-System. Mosher vertraut darauf, dass die Lösungen höchst umweltfreundlich sein werden.

Plastik und die Alternativen

  • Strohhalme:

    Bunte Trinkhalme aus Plastik (Foto: Ralf Hirschberger/dpa) sind heute überall üblich. Es gibt eine Reihe anderer Möglichkeiten: aus Glas, Edelstahl, Stroh, Papier, Bambus, essbare Materialien. Die Preise sind in der Regel höher. Anders ist nicht immer besser. Bambus aus Asien etwa hat eine schlechte Öko-Bilanz.

  • Styroporboxen:

    Die meisten Alternativen gehen in Richtung Papier aus unterschiedlichen natürlichen Rohstoffen. Grundregel: Die wirksamste Methode, Plastikmüll zu vermeiden, bleibt, es gar nicht erst zu benutzen. Für viele Drinks ist der Strohhalm überflüssig, auch für den Latte macchiato.

Bis dahin kann man am Beispiel Frankreich sehen, ob und wie das Verbot von Einwegplastik funktioniert. Dort müssen schon ab 2020 Verpackungen verwendet werden, die vollständig biologisch abbaubar sind. Dann darf nicht einmal mehr ein Plastikbecher aus dem Kaffeeautomaten kommen.

Bald in der EU Geschichte: Einwegbesteck aus Plastik Foto: Patrick Pleul/dpa
Bald in der EU Geschichte: Einwegbesteck aus Plastik Foto: Patrick Pleul/dpa

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