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Beispiel I

Der Praxistest entscheidet

Max Stürzer aus Starnberg nutzt digitale Landwirtschaft – aber nicht aus Prinzip, sondern um bestehende Probleme zu lösen.
Von Mechtild Nitzsche, Wirtschaftszeitung

Starnberg.Neue Technologien haben keinen Sinn, wenn sie nicht eingesetzt werden. Doch die Bereitschaft der Landwirte hierzu ist größer, als man denkt – wenngleich weniger aktuelle „Hypes“ das Rennen machen als vielmehr neue Lösungen, die praxistauglich sind und zu bestehenden Problemen passen. Ein Beispiel ist Max Stürzer in Starnberg. Schon in seiner landwirtschaftlichen Ausbildung 1987 interessierte er sich für die Möglichkeiten des Internetvorläufers BTX. „Damals ging es los mit ersten Bordcomputern zum Steuern der Spritzen und Düngerstreuer“, erklärt er.

Die richtige, ökonomische und damit ökologische Verteilung von Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz auf dem Feld ist ihm wichtig. Und so ging er die Entwicklungsschritte mit – von der computergesteuerten Regelung der Lochgröße des Streuers über den Wiegestreuer, der dokumentiert, wo wie viel Dünger gestreut wurde, bis zur Anpassung auf die Körnung des Düngers, die je nach Feuchtigkeit und Temperatur variieren kann, was sich auf den Durchfluss auswirkt. Eher für Küstenregionen als für seinen Hof im Voralpenland interessant findet er die Anpassung an die Windrichtung und -stärke. Was er sich derzeit noch vergebens wünscht ist ein Sensor, der die Querverteilung des Düngers über die Ausleger überprüft. „Das wäre ein Beispiel für Elektronik, die uns bei der gleichmäßigen Verteilung hilft, was auch dem Boden und der Natur zugutekäme.“

Die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten hat Max Stürzer nicht als völlig bruchlos erlebt: Wurden anfangs Schlepperdaten vom Bordcomputer lokal erfasst und vom Landwirt abends oder am Wochenende per Chipkarte auf den Computer im Büro übertragen, begannen die Hersteller irgendwann, komplette Systempakete anzubieten. „Damit waren die einzelnen Maschinen nicht mehr kompatibel, wenn sie nicht vom gleichen Hersteller kamen“, sagt Stürzer. Für ihn als Anwender war dies ein großer Rückschritt, denn in die Abhängigkeit von einer einzigen Marke wollte er sich nicht drängen lassen. „Mir ist bei der Digitalisierung wichtig, die Technik auszuwählen, die offen ist“, erklärt er. Auch Datensicherheit ist ihm nicht egal. „Digitale Schlagkarten, eine Art ‚Krankenakte‘ der einzelnen Abschnitte des Feldes, sind eine tolle Sache, aber in die Cloud hochladen möchte ich sie nicht – ich will nicht gläsern werden.“

Die Bereitschaft, neue technische Lösungen zu testen, hat Max Stürzer sich aber bewahrt. Derzeit testet er ein Angebot, sich anhand der Auswertung von Satelliten-Infrarotbildern ein Bild vom Zustand seiner Bestände zu machen. Der Erfolg ist mäßig: „Im April hatten wir viel Sonne und viele Satellitenbilder. Aber im Mai, als es interessant geworden wäre, gab’s kaum mehr Bilder – es war immer bewölkt“, erzählt er. Der Dienst, jetzt noch kostenlos, würde sich für ihn also nicht rechnen, wenn dafür Gebühren anfallen.

Dieser Beitrag ist ein Text auf der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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