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Ostbayern
Samstag, 24. Februar 2018 2

Produktdesign

Design als Strategie für den Markterfolg

Mit Design lässt sich von Anfang an Nutzen gestalten, statt ein Produkt mit viel Marketingaufwand in den Markt zu drücken.
Von Thomas Tjiang, Wirtschaftszeitung

Das Design von Produkten wird immer wichtiger, auch aus funktionalen Gründen. Foto: Goss Vitalij - stock.adobe.com

Nürnberg.Design wird in Märkten, in denen Anbieter hart um Gunst und Geld der Kunden buhlen, immer mehr zum Zünglein an der Waage. Es entscheidet zunehmend über einen höheren Produktabsatz oder gar den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Beim Designprozess geht es allerdings nicht um das Aufhübschen von Konsumprodukten oder Investitionsgütern am Ende des Produktionsprozesses. Gestaltendes Design beteiligt sich bereits frühzeitig an einer Produktentwicklung, um Nutzen, Vorteile und Alleinstellungsmerkmale durchgängig zu realisieren. „Auf diese Weise lassen sich Räume, Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die den Kunden oder gesellschaftlichen Nutzern Mehrwert bieten“, sagt Dr. Silke Claus, Geschäftsführerin der in Nürnberg ansässigen Bayern Design GmbH. Diese Plattform, hervorgegangen aus dem 1987 vom Stiftehersteller und Markenpionier Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell gegründeten Verein Designforum Nürnberg, will Design und Wirtschaft verbinden und Marktteilnehmer zusammenbringen. Darüber hinaus sollen das Potenzial von Design stärker im Bewusstsein verankert und Wege für eine erfolgreiche Integration von Design in die Firmenstrategie aufzeigt werden. Das bayerische Wirtschaftsministerium fördert die Arbeit maßgeblich.

Graf von Faber-Castell, der fast 40 Jahre in der achten Generation die Firmengeschicke lenkte, erkannte frühzeitig, dass eine konsistente Designstrategie ein wesentlicher Faktor für den langfristigen Markterfolg von Unternehmen ist. Der traditionsreiche Bleistifthersteller entwickelte aus dem simplen Schreibgerät gehobene Varianten sowie auch eine Premiumlinie. Der beispielsweise in diesem Jahr produzierte „Pen of the Year“ ist ein auf 230 Stück limitierter Viking Titan Kolbenfüllhalter, der für einen stolzen Preis von über 4000 Euro auf den Markt kam. Im digitalen Zeitalter wirkt es auf den ersten Blick wie ein Anachronismus, tatsächlich aber ist es ein erfolgreiches Plädoyer für das (Unter-)Schreiben per Hand.

Ein designorientierter Innovationsprozess, wie ihn Faber-Castell realisiert hat, ist angesichts eines steigenden Wettbewerbsdrucks und Kundengruppen, die sich immer weiter ausdifferenzieren, immer wichtiger. Claus ist sich sicher: Die Gestaltung muss am Ende mit Benutzerfreundlichkeit überzeugen, also Kunden emotional ansprechen. Dazu sollte ein Produkt technisch verständlich und praktisch bedienbar sein und zugleich durch Form und Ergonomie überzeugen. Neue Technologien seien schnell zugänglich, der entscheidende Vorsprung resultiere aus gestaltetem Nutzen und Funktion. „Das betrifft nicht nur Konsumgüter, sondern auch Industriegüter, Dienstleistungen und Gebäude“, unterstreicht Claus. Das Design wirkt ins Betriebsinnere, denn in der Entwicklung wird auch festgelegt, mit welchen Materialien und Techniken später produziert wird. Man könne bereits in diesem Stadium die betriebliche Material- oder Ökobilanz nachhaltig beeinflussen und so etwa Einkauf, besondere Lagerung oder auch am Ende eine aufwendige Entsorgung vermeiden.

Neue Materialien sind aus Claus’ Beobachtung derzeit eine große Triebfeder für Designer und Entwickler. Da geht es mal um akustikschluckendes Material für Einrichtungsdesign aus Abfallkunststoffen oder um Algen als Produktionsmaterial für Schuhe und Produkte für den medizinischen Bereich. Andere entwickeln Verbundwerkstoffe wie selbstleuchtendes Aluminium oder Lichtfaserbeton.

Einen zweiten großen Trend sieht die Bayern-Design-Chefin in der Digitalisierung. Der Vormarsch des Internet der Dinge oder von Industrie 4.0 benötige beispielsweise an den Schnittstellen von Mensch und Maschine bedienbare Gestaltung, möglicherweise sogar eine sprachunabhängige, einfache Steuerung nur mit Icons – das fordert die Designer. Gestaltung ist aber auch gefragt, wenn Roboter eng mit Menschen zusammenarbeiten. Diese Nähe findet sich bereits in der Produktion, aber auch im Bereich Altenpflege oder im Einzelhandel. Diese Mensch-Maschine-Kooperation muss so gestaltet werden, dass sie nicht nur alle Sicherheitsaspekte erfüllt, sondern auch emotional akzeptiert oder gar als angenehm empfunden wird. Die Expertise von Bayern Design ist auch beim Klassiker „Marke und Markenkern“ gefragt. Für Claus ist das weniger eine Frage der Unternehmensgröße als vielmehr eine Frage der Strategie. „Hier geht es auch um Innovationsberatung, es gibt nicht die eine, richtige Strategie.“ Manche wollten für den Markenauftritt ihre Fabrik „gläsern in einen Showcase“ verwandeln. Kleine und mittlere Unternehmen suchten auch nach Antworten, um durch Marke und ein individuelles Arbeitsplatzdesign im Gehaltswettbewerb um Mitarbeiter mit den großen Konkurrenten mitzuhalten. In jedem Fall sei Design ein „Impulsgeber für Veränderung“.

Lesen sie dazu auch folgendes Interview: Aussehen ist bei Industriegütern wichtig

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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