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Interview

Die Suche nach Ausbildung und Frieden

Hasan Aburashid, Auszubildender bei Elektro Bachner, spricht über seinen schwierigen Weg zur Ausbildung.
Von Volker Waschk, Wirtschaftszeitung

Hasan Aburashid (Foto: Volker Waschk)
Hasan Aburashid (Foto: Volker Waschk)

Mainburg.Herr Aburashid, als Sie vor knapp fünf Jahren nach Deutschland gekommen sind, was waren Ihre ersten Eindrücke von dem für Sie so neuen Land?

Hasan Aburashid: Vor allem die Sprache war anfangs sehr schwierig für mich. Und damals wusste ich auch noch nicht, was ich beruflich gern machen würde; am Anfang fehlte mir wirklich die Perspektive. Ich habe damals in Oberhausen in der Nähe von Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau gewohnt. Natürlich konnte ich nicht einfach irgendwo hingehen und nach Arbeit oder einer Ausbildungsstelle suchen. Es war generell schwierig, irgendwo hinzukommen von dort aus. In den Supermarkt bin ich immer mit dem Fahrrad gefahren. Aber das war es dann auch schon.

Wie sind Sie an Ihren Ausbildungsbetrieb Elektro Bachner gekommen?

Das lief über das Jobcenter. Von dort wurde ich weiter zum bfz geschickt, dem beruflichen Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft. Das bfz Dingolfing hat mir unter anderem auch bei meinem Umzug nach Dingolfing geholfen, was für mein Praktikum hier natürlich sehr wichtig gewesen ist. Ich wollte eigentlich immer im Elektrobereich arbeiten; Elektroniker war und ist mein Lieblingsberuf.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag als Auszubildender bei Elektro Bachner in Dingolfing aus?

Ich bin jetzt im dritten Ausbildungsjahr und mir gefällt es grundsätzlich sehr gut hier. Als besonders positiv empfinde ich die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Natürlich muss ich viel lernen und die verschiedenen Abteilungen im Betrieb durchlaufen. Ich bin genauso gerne drinnen wie draußen oder direkt vor Ort beim Kunden auf der Baustelle. Das alles gehört zu meinem Beruf, den ich sehr, sehr gerne ausübe.

Ursprünglich stammen Sie ja aus Somalia und waren dann in Äthiopien ...

Das stimmt, ich bin als Kind schon einmal geflüchtet, und zwar von Somalia zu meiner Tante nach Äthiopien. Dort konnte ich bis zur Mittleren Reife die Schule besuchen. Doch 2013 wurde die Situation vor Ort durch den Bürgerkrieg lebensbedrohlich, weshalb ich dann nach Deutschland floh.

„Das Wichtigste im Moment ist für mich, meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Wie es dann weitergehen soll, kann ich noch nicht sagen. Hasan Aburashid

Wie war Ihr Weg nach Deutschland?

Ich kam von Äthiopien aus über den Iran in die Türkei. Das war 2014. Von dort aus ging es weiter in die Europäische Union, zunächst nach Griechenland, und über Serbien bin ich dann nach Deutschland gekommen. Seit vier Jahren bin ich nun hier.

Wie sieht Ihr Leben hierzulande heute aus – jenseits der täglichen Arbeit?

Naja, die Arbeit ist schon sehr wichtig für mich. Zu meinen Hobbys zählt Laufen und so habe ich mich schon bevor ich bei Elektro Bachner anfangen konnte einer Laufgruppe in Reisbach angeschlossen – einfach, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.

Welche Ziele haben Sie für Ihre Zukunft?

Das Wichtigste im Moment ist für mich, meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Wie es dann weitergehen soll, kann ich im Moment noch nicht sagen. Ich kann es mir auch vorstellen, wieder in meine Heimat zurückzukehren, wenn in Somalia Frieden herrscht. Aber ich lasse das auf mich zukommen. Ich hatte ja auch nicht geplant, hierher nach Deutschland zu kommen. Aber es ist passiert und hat zum Glück so gut funktioniert.

Sie sagen, eventuell wieder nach Somalia zu wollen. Welche Rolle spielt Ihre Familie bei dieser möglichen Entscheidung?

2013 ist mein Vater gestorben, aber meine Mutter lebt nach wie vor in Somalia. Und ich wünsche mir natürlich, sie eines Tages gesund wiederzusehen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung.Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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