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Ethik

Ethik-Manifest für digitale Welt

Der Bayerische IT-Sicherheitscluster e.V. beleuchtet die Digitalisierung unter dem Blickwinkel der Ethik.
Von Stephanie Burger, Wirtschaftszeitung

Das autonome Fahren wirft viele ethischen Fragen auf. Foto: chombosan - stock.adobe.com
Das autonome Fahren wirft viele ethischen Fragen auf. Foto: chombosan - stock.adobe.com

Regensburg.Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und humanoide Roboter – die Technologien der digitalen Welt sind dabei, nahezu alle Lebensbereiche zu verändern. Gleichzeitig werfen sie völlig neue ethische Fragen auf, da sie nie dagewesene Handlungsoptionen bieten. Der Bayerische IT-Sicherheitscluster e.V. möchte deshalb einen Diskurs anstoßen, um Informationstechnologien künftig noch stärker unter dem Blickwinkel ethischer Prinzipien zu entwickeln. Nun hat der Verein seine ethischen Grundwerte und Ziele definiert und in einem „Ethik-Manifest“ zusammengefasst.

„Technologie selbst kennt keine Ethik. Deshalb müssen wir uns bei ihrer Entwicklung mit ethischen Standards befassen“, sagt Sandra Wiesbeck, Vorstandsvorsitzende des Bayerischen IT-Sicherheitsclusters e.V. Ausgangspunkte des Manifests sind das Prinzip der Menschenwürde und das Bekenntnis zum Grundwert eines „friedlichen und nachhaltigen Zusammenlebens der Menschen untereinander“, wie es im Manifest heißt. „Es soll eine erste Leitlinie sein, die wir nun weiterentwickeln werden“, sagt Wiesbeck.

Mitgewirkt an seiner Formulierung haben Vertreter aus den Bereichen Recht, Wissenschaft und Wirtschaft wie beispielsweise Prof. Dr. Karsten Weber, Ko-Leiter des Instituts für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Er sieht die Notwendigkeit einer digitalen Ethik vor allem im Fehlen gesetzlicher Regeln begründet. „Für viele der gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen – zum Beispiel in der Produktion, in der Verwaltung und im Gesundheitswesen –, gibt es noch keine etablierten Regelungen. An vielen Stellen wissen wir nicht genau, wie die Digitalisierung zu gestalten wäre. Mindestens solange wir also keine verlässlichen gesetzlichen Regeln haben, sollten wir uns an moralischen Normen und Werten orientieren. Das hilft nicht immer, aber öfter, als man denkt“, sagt Weber.

Hinzu komme, dass die Digitalisierung deutlich mache, dass es keine isolierten gesellschaftlichen Teilsysteme gibt, sondern Verwaltung, Unternehmen und Organisationen in eine digital vernetzte Gesellschaft mit vielen wechselseitigen Abhängigkeiten eingebettet sind. „Das war immer schon so, aber nun ist es für uns alle sichtbar und jeden Tag spürbar. Gerade am Beispiel von Unternehmen wird dies deutlich, denn bei ihnen bündeln sich viele gesellschaftliche Herausforderungen wie demografischer Wandel, Globalisierung, Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, Integration von Migranten, Datenschutz und Nachhaltigkeit.“ Nach Webers Ansicht wächst seit einigen Jahren die Bedeutung ethischer Überlegungen in der Forschung. So fordere beispielsweise die EU, dass jedes Förderprojekt Arbeitspakete enthalten müsse, die sich mit den ethischen, rechtlichen und sozialen Auswirkungen der jeweils zu entwickelnden Technik beschäftigen. Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung verlangt immer häufiger eine integrierte ELSA-Begleitforschung – das Akronym steht für „ethical, legal and social aspects“.

„Trotzdem lässt sich noch manches verbessern, denn ethische Überlegungen werden in vielen Forschungsprojekten doch erst gegen Ende des Projekts angestellt und können so kaum mehr auf die Entwicklung Einfluss nehmen“, meint Weber. Gleichzeitig herrsche bei vielen Forschern, die Begleitforschung betreiben, noch immer die Sichtweise vor, man müsse Technik skeptisch sehen und vielleicht sogar verhindern. „Dabei muss es primär darum gehen, bessere Technik – nachhaltiger, sozialverträglicher und mit mehr Datenschutz – zu gestalten und nicht zu versuchen, sie zu verhindern.“ Das Bayerische IT-Sicherheitscluster möchte mit seinem Manifest zur Entwicklung von in diesem Sinne „guten“ Technologien beitragen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

In der Veranstaltung „IT-Sicherheit am Donaustrand“, am 21.06.2018 im Innovationszentrum TechBase in Regensburg, wird der Megatrend Digitalisierung aus dem Blickwinkel der Ethik beleuchtet. In den weiteren Vorträgen geht es um Themen rund um den Datenschutz und die IT-Sicherheit. Die Wirtschaftszeitung ist Kooperationspartner der öffentlichen und kostenfreien Veranstaltung. Eine Anmeldung unter https://eveeno.com/326917367 ist erforderlich.

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