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Digitalisierung

Gefahren und Chancen der Digitalisierung

Unternehmer und Autor Gerald Hörhan erklärt, warum die Digitalisierung zur Gefahr für den Mittelstand werden könnte.
Von François Baumgartner, Wirtschaftszeitung

Gerald Hörhan (Foto: Inshot)
Gerald Hörhan (Foto: Inshot)

Deggendorf.Herr Hörhan, Sie vertreten die These, dass die Digitalisierung die Mittelschicht zerstört. Was meinen Sie damit denn konkret?

Gerald Hörhan: Die digitale Wirtschaft funktioniert nach dem einfachen Prinzip „The winner takes it all“. Nur wer die beste Technologie, die größte Reichweite, die stärkste Marke und den effizientesten Wertschöpfungsprozess hat, gewinnt – und zwar exponentiell, weil digitale Geschäftsmodelle skalierbar und die marginalen Kosten pro Kunde gering sind. Es bleiben also nur noch Monopole oder im besten Fall Oligopole und Multi-Oligopole bestehen. Die Marktmacht dieser „Winner“, die damit einhergeht, führt zu Wohlfahrtsverlusten, weil diese die Verkaufspreise für ihre Produkte und Dienstleistungen relativ frei bestimmen können.

Was machen die Gewinner der Digitalisierung besser als die Digitalisierungsverlierer?

Die digitalen Innovationsführer sind schnell und flexibel, automatisieren ihre Geschäftsprozesse und bauen ihre Onlinepräsenz und ihre Marke konsequent aus. Sie kombinieren auf intelligente Art und Weise digitale Fähigkeiten und Branchen-Know-how. Das gilt für Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Der Mitarbeiter 4.0 beherrscht die Klaviatur des Onlinemarketings, verfügt über Programmierkenntnisse und kann zugleich auf wertvolles spezifisches sowie rasch anwendbares Wissen zurückgreifen – das kann akademisch, fachspezifisch oder handwerklich sein. Wenn dieser Digital Native auch noch in einer Wachstumsbranche tätig ist, kann er sich seinen Job nahezu selbst aussuchen und viel Geld verdienen.

Wie bewerten Sie den Interessenskonflikt zwischen Kapital und Arbeit im digitalen Kapitalismus?

Der Interessenskonflikt verläuft meines Erachtens eher zwischen denen, die keinen Zugang zur digitalen Welt haben, und denen, die sich in dieser sehr gut zurechtfinden. Ob Unternehmer oder Arbeitnehmer – jeder, der sich nicht an die digitale Welt anpasst, wählt Populisten, weil er seinen alten Job zurückhaben oder keinen Einkommensverzicht hinnehmen möchte. Eben das versprechen die Populisten, doch das ist nichts als Augenwischerei. Ein Zurück gibt es nicht.

Die Arbeitsteilung zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz wird ebenso neu austariert. Auf welche Fähigkeiten sollte sich der Homo sapiens in diesem Zusammenhang konzentrieren?

Er sollte die künstliche Intelligenz jederzeit kontrollieren können und ihr nicht zu viel Entscheidungs- und Handlungsfreiheiten zugestehen, weil es oftmals bei Entscheidungsproblemen ebenso um fundamental ethische Fragestellungen geht. Ein gutes Beispiel ist die Abwägung von zwei Menschenleben in einer Unfallsituation. Diese Frage sollte das autonome Fahren nicht beantworten müssen. Ein weiteres und kritischeres Beispiel wäre der Einsatz selbstlernender künstlicher Intelligenz im Bereich der Wehrtechnik.

Herr Hörhan, Sie haben mittlerweile mehr als 100000 Online-Follower. Wie haben Sie das erreicht und wie wird man zum „Investmentpunk“?

Investmentpunk wird man als Investor, Unternehmer und Rebell. Ich bin stets authentisch geblieben und habe immer versucht, im World Wide Web Werte zu stiften. Das ist vor allem dann wichtig, wenn man eine Social Community im Netz aufbauen will. All das ist mit harter Arbeit verbunden, und zwar rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Ich kann Leuten beibringen, wie man vernünftig mit Geld umgeht, wie man Immobilien kauft und wie man Unternehmen aufbaut.

Gerald Hörhan

Was machen Sie in Ihrer Akademie?

Die Investmentpunk Academy ist eine deutschsprachige Finanzfortbildungsplattform. Die Plattformnutzer lernen, wie man Start-ups aufbaut, Vermögenswerte kauft oder verkauft, wie man Finanzen liest oder wie Onlinemarketing, geistiges Eigentum oder Kryptowährungen funktionieren. Es handelt sich also um eine Wirtschaftsausbildung mit etwa 800 Videos sowie 10000 Minuten Videomaterial. Außerdem bin ich Vortragender an mehreren Universitäten und unterstütze mit Büchern und Seminaren vor allem junge Menschen dabei, ihre Finanzen zu regeln und ein Leben in Freiheit statt in Schulden zu führen. Kurzum: Ich kann zwar nicht kochen, aber ich kann Leuten beibringen, wie man vernünftig mit Geld umgeht, wie man Immobilien kauft und wie man Unternehmen aufbaut.

Welche globalen Trends gibt es noch und welche Maßnahmen kann man hieraus ableiten?

Der Klimawandel kann tatsächlich sehr gefährlich werden. Er kann zu Krieg und Wirtschaftskrisen führen und Finanzmärkte massiv beeinflussen. Weite Teile unserer Welt könnten unbewohnbar werden. Zudem beobachten wir in vielen Gesellschaften eine Zunahme an Verteilungskonflikten. Auch die Überwachung und Manipulation der Menschen nimmt zu, und zwar durch Algorithmen. Das passiert freiwillig oder in vielen Ländern sogar staatlich gewollt.

Wie kann die Digitalisierung helfen, den Klimawandel zu bewältigen?

Sie kann helfen, den Klimawandel etwas abzuschwächen. Technologie und künstliche Intelligenz könnten ebenso im Sinne der gesamten Menschheit eingesetzt werden. Das können beispielsweise Technologien zur Reduktion von Schadstoffemissionen sein. Da sind umweltschonende und selbstfahrende Autos eine große Chance.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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