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Grammer erwartet große Probleme

Der Amberger Konzern bestätigt die positiven Zahlen für 2019. Aber wegen der Corona-Krise sind die Aussichten trüb.
von Christine Strasser

Mitarbeiter arbeiten in der Produktion beim Autozulieferer Grammer an Fahrersitzen. Foto: Armin Weigel/dpa
Mitarbeiter arbeiten in der Produktion beim Autozulieferer Grammer an Fahrersitzen. Foto: Armin Weigel/dpa

Amberg.Der Oberpfälzer Autozulieferer Grammer erwartet für 2020 eine erhebliche Abschwächung. „Die großen Herausforderungen für unsere Branche und die derzeit überhaupt noch nicht absehbaren Konsequenzen der weltweiten Covid-19-Pandemie verursachen bereits im ersten Quartal 2020 sehr deutliche Spuren in unserem Geschäft“, erklärte Grammer-Chef Thorsten Seehars. Grammer bestätigte am Montag zwar die vorläufigen Geschäftszahlen für 2019, teilte aber zugleich mit, die Prognose für das Geschäftsjahr 2020 auszusetzen. Weder der weitere Verlauf des Geschäftsjahres noch die wirtschaftlichen Auswirkungen seien verlässlich abzuschätzen.

Konzern

Grammer nimmt über zwei Milliarden ein

Der Automobilzulieferer knackte die Zwei-Milliarden-Marke zum ersten Mal. Sein Umsatz steigerte sich um neun Prozent.

Mit Innenausstattung für Autos nahm Grammer im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro ein, mit Sitzen für Traktoren, Baumaschinen, Stapler, Züge und Busse 0,61 Milliarden ein. Insgesamt stieg der Umsatz des Konzerns mit Sitz in Amberg somit um 9,5 Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro. Hauptgrund für den Umsatzzuwachs ist laut Grammer die Übernahme des US-Autozulieferers TMD. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 74,5 Millionen Euro um die Hälfte über dem Ergebnis von 2018, das jedoch stark von Sonderfaktoren belastet war.

Ermittlungen wegen des Verdachts von Insiderhandel

Grammer war in einer Abwehrschlacht gegen die Investorenfamilie Hastor im August 2018 von dem chinesischen Autozulieferer Ningbo Jifeng übernommen worden. Wie im Februar bekannt geworden war, rief diese Übernahme inzwischen die Staatsanwaltschaft Frankfurt auf den Plan. Der Verdacht: Fünf Börsianer sollen illegal an ihrem Insiderwissen verdient haben. Zudem ermittle man gegen einen „Tippgeber“, der die Insiderinformationen weitergegeben haben soll. Bundesweit gab es Durchsuchungen. Grammer legte in einer Mitteilung vor allem Wert auf die Feststellung, dass es „keinerlei Verdachtsmomente gegen aktuelle oder ehemalige Mitglieder des Vorstands oder aktuelle oder ehemalige Mitglieder des Aufsichtsrats gibt und solche Verdachtsmomente auch nicht gegen aktuelle oder ehemalige leitende Mitarbeiter von Grammer vorliegen“.

Vertrag

Großer Auftrag für die Grammer AG

Der Sitz-Spezialist aus Amberg schließt einen lukrativen Vertrag mit dem französischen Bahnhersteller Alstom ab.

Kurzarbeit in Deutschland

Für das laufende Jahr rechnet Grammer wegen der Covid-19-Pandemie mit Problemen. Die Produktion läuft seit dem 23. März nur noch sehr eingeschränkt. Das Unternehmen hat in Deutschland Kurzarbeit beantragt. In China musste Grammer im ersten Quartal mehrere Standorte vorübergehend schließen. Diese konnten jedoch Anfang März ihre Produktion wieder aufnehmen, wie es heißt. Der Grammer-Vorstand habe dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er für die Jahre 2019 und 2020 auf alle Bonuszahlungen verzichtet.

Das Unternehmen

  • Spezialist:

    Die Grammer AG mit Sitz in Amberg ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von gefederten Fahrer- und Passagiersitzen.

  • Mitarbeiter:

    Mit mehr als 15 500 Mitarbeitern ist Grammer in 20 Ländern weltweit tätig.

  • Gründung:

    Die Erfolgsgeschichte von Grammer begann vor mehr als 100 Jahren, als Willibald Grammer 1880 in Amberg eine Sattlerei eröffnete.

Mit seiner Muttergesellschaft, dem chinesischen Konzern Ningbo Jifeng, hat Grammer eine weltweite Einkaufskooperation vereinbart, die in den kommenden Jahren Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe bringen soll. Auch im Bereich Fertigung sowie durch ein erweitertes Produktportfolio sowie verbesserten Marktzugang in gewissen Regionen verspricht sich Grammer positive Effekte.

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