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Historie

IHK: Eine Kammer von Königs Gnaden

Die IHK Regensburg begeht ihr 175-jähriges Bestehen. Dabei blickt sie in die Vergangenheit und noch mehr in die Zukunft.
Von Bernhard Fleischmann

Historische Dokumente und aktuelle Themen zeigt die Ausstellung zum Jubiläum 175 Jahre IHK in der Kammer. Dr. Jürgen Helmes, Gerhard Witzany, Dr. Gerd Burger und Barbara Krohn (v.l.) werfen einen Blick darauf. Foto: altrofoto.de
Historische Dokumente und aktuelle Themen zeigt die Ausstellung zum Jubiläum 175 Jahre IHK in der Kammer. Dr. Jürgen Helmes, Gerhard Witzany, Dr. Gerd Burger und Barbara Krohn (v.l.) werfen einen Blick darauf. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Als Autorin von Kriminalromanen legt Barbara Krohn großes Augenmerk darauf, Charaktere von Menschen auszuformen und sie für die Leser erlebbar zu machen. Als Autorin von Porträts im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte die Schriftstellerin die Aufgabe, elf Menschen, die eng mit der Historie der IHK Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim und der Region verbunden sind, zu porträtieren. Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Gerd Burger drang sie tief in die Geschichte dieser Menschen ein. Krohn sagt, es sei interessant gewesen „diese Menschen zu entdecken“, wie sie sich entwickelt und Erfolg gehabt haben, aber auch wie sie zum Teil gescheitert sind. Je tiefer er in die Recherche eingestiegen sei, umso lebendiger seien die Menschen für ihn geworden, erzählt Burger.

Er und Krohn haben die Porträts zum 175-jährigen Jubiläum der IHK verfasst. Sie bilden das Buchprojekt „11 Geschichten aus 175 Jahren IHK“. Das Buch und die Vorhaben für das Festjahr präsentierten die Autoren sowie IHK-Präsident Gerhard Witzany und Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Regensburg.

Ein Zukunftsplan für den Raum Regensburg

Dabei machte Helmes klar, dass die Zukunft eine mindestens so große Rolle spielen werde wie die Vergangenheit. Das Thema Infrastruktur beschäftige die IHK seit ihrem Bestehen und sei auch aktuell absolut zentral. Man sei froh, dass der Ausbau der Autobahn A3 endlich beginnt, auch wenn er in den nächsten Jahren für immense Behinderungen sorgen werde. Gleichzeitig mahnte er dazu, diesen Bau auch als Gelegenheit aufzufassen, um einen langfristigen Plan für Regensburg und die umliegenden Gemeinden zu entwickeln. Es gehe nicht nur um die Verkehrsinfrastruktur, sondern darum, einen „lebens- und liebenswerten Raum zu gestalten“. Das sei kein Thema der Wirtschaft, aber eines, in dem Wirtschaft eine Rolle spiele. Wohnen, Freizeit, arbeiten, einkaufen – alles müsse für einen längeren Zeitraum durchdacht werden. Stadt und Landkreis Regensburg sollten gemeinsam einen Zukunftsplan entwickeln.

Ein zentrales Anliegen der Wirtschaft sieht Helmes in der zunehmenden Not der Unternehmen, Fachkräfte zu finden. Die demografische Entwicklung sei eindeutig, es fehlt an Nachwuchs. Viel verspricht sich der IHK-Manager von einer Gleichberechtigung der beruflichen und akademischen Ausbildung. Der baldige bayerische Ministerpräsident Markus Söder teile diese Ansicht. Wie drängend der Fachkräftemangel sei, zeige eine Erkenntnis aus den Umfragen der IHK unter ihren Mitgliedsbetrieben. Demnach begründeten 20 Prozent der Unternehmen, die im Ausland investieren, ihr Engagement damit, dass sie dort eher Fachkräfte fänden als hier.

Die IHK öffnet ihre Türen

Weitere Schwerpunkte sieht Helmes in der Digitalisierung, bei der die IHK vor Ort tatkräftig mithelfen werde. Und das „Riesenthema“ Außenhandel, derzeit geprägt von Brexit und dem abschottungssüchtigen US-Präsidenten.

Der Hauptgeschäftsführer glaubt, dass IHK-Arbeit durchaus spannend genug sei, um bei der breiten Öffentlichkeit auf Interesse zu stoßen. Deshalb wird der 26. Juli zum Tag der Offenen Tür („das gab es bei der IHK noch nie“), an dem man sich hauptsächlich mit Zukunftsthemen befassen werde. Dazu sind unter anderem eine Reihe von Vorträgen vorgesehen. Eher die in Vergangenheit reicht der Blick bei einer Stadtführung, die die IHK gemeinsam mit dem Unternehmen „Stadtmaus“ entwickelt habe.

Helmes, Witzany und IHK-Geschichtsexperte Dr. Martin Kammerer (v.l.) an einem Tisch mit Medienterminals Foto: altrofoto.de
Helmes, Witzany und IHK-Geschichtsexperte Dr. Martin Kammerer (v.l.) an einem Tisch mit Medienterminals Foto: altrofoto.de

Bereits am 21./22. März ist eine Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Regensburg terminiert. Daran wird auch dessen Präsident Eric Schweitzer teilnehmen.

Aufklärung und Selbstbestimmung

Die durchaus bewegte Vergangenheit zeichnete Präsident Witzany nach. 1843, im Gründungsjahr, herrschte demnach Aufbruchstimmung, Die Ideen der Aufklärung und die Idee des Nationalstaats seien nicht mehr wegzudenken gewesen. Auch Fabrikbesitzer und Kaufleute strebten nach Selbstbestimmung und mehr Freiheiten, erklärte Witzany die Gründe, warum die Unternehmer auf die Gründung einer Kammer drängten. Es ging ihnen darum, gemeinsame Interessen besser vertreten zu können. Am 7. April genehmigte König Ludwig I. eher widerwillig sechs Handelskammern.

Als Dauerbrenner erwies sich der Bereich Verkehr. Es begann mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz. Auch die Binnenschifffahrt auf der Donau stand bald auf der Wunschliste. Da war langer Atem gefragt, der Main-Donau-Kanal brauchte rund 100 Jahre, bis er dann auch gebaut war.

In der Außenwirtschaft ging es von Anfang an um eine Balance aus Freiheit und Schutzzöllen. Auch innerhalb der IHK gab es stets Wünsche in beide Richtungen. Heute gilt der freie Handel als Leitlinie, sagte Witzany.

Vom Zonenrand zur starken Region

Stolz ist die Kammer auf ihre Rolle in der Berufsbildung. Hier hat sie hoheitliche Aufgaben übernommen. Gar nicht stolz ist sie auf ihre Rolle während der NS-Zeit. Sie wurde von den Nazis gleichgeschaltet und besonders Präsident Artur Knab war strammer Parteigänger, der sich rühmte, die Ausschaltung jüdischen Wirtschaftslebens schon lange zu verfolgen. Helmes betonte, das Kammer-Präsidium habe klar gewünscht, dass die Nazi-Vergangenheit der Kammer gründlich aufgearbeitet wird. Das Kammergebäude in Regensburg steht an dem Platz der ehemaligen Schwarzhaupt-Villa. Diese hatten die Nazis „zwangsarisiert“ und ein „braunes Haus“ eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg darbte die Region lange als „Zonenrandgebiet“ dahin. Heute präsentiert sich Ostbayern so stark wie nie, sagte Witzany und nannte einige prägende Persönlichkeiten, die dazu beigetragen hätten. Unter anderen der Unternehmer Georg Baumann aus Amberg, der ehemalige Hauptgeschäftsführer Thomas Brennauer, der Querdenker Wilhelm Seltmann oder eben schon der zweite Kammerpräsident Georg Heinrich Brauser. Von ihnen und einigen anderen handeln die Geschichten, die Barbara Krohn und Dr. Gerd Burger gemeinsam erarbeitet und erzählt haben.

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