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Infiziert Corona auch die Finanzen?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Coronaviruspandemie eine neue Finanzkrise auslösen könnte.
Von Stefan Ahrens, Wirtschaftszeitung

Beim lieben Geld hört der Spaß bekanntermaßen auf. Gerade in Coronazeiten scheint dies umso mehr zu gelten. Foto: Koray - stock.adobe.com
Beim lieben Geld hört der Spaß bekanntermaßen auf. Gerade in Coronazeiten scheint dies umso mehr zu gelten. Foto: Koray - stock.adobe.com

Regensburg.Nicht nur das deutsche Gesundheitssystem wird bekanntermaßen durch das Coronavirus einem Stresstest unterzogen. Noch stärker stellt der gesellschaftliche Shut-down, der mit der Ausbreitungsbekämpfung einhergeht, das gesamte Wirtschaftssystem auf eine äußerst harte Probe. Selbst wenn der Einstieg in den Ausstieg aus Kontaktverbot und geschlossenen Geschäften bereits bundesweit eingeleitet worden ist, dürften wohl erst die kommenden Wochen und Monate zeigen, wie sehr die Coronaschutzmaßnahmen der deutschen Wirtschaft zugesetzt haben.


Corona-Bonds sind keine gute Option

Während Deutschland aufgrund der „schwarzen Null“ sowie einer im Vergleich zu anderen führenden Industrienationen relativ geringen Verschuldung in einer vergleichsweise guten Position ist, sieht es für viele andere Länder wesentlich schlechter aus. „Die Bewältigung der Coronapandemie und die durch die Gegenmaßnahmen ausgelöste tiefe Rezession werden zu deutlich steigenden Schuldenquoten der Euroraumländer führen“, sagt beispielsweise Dr. Stefan Kipar, Leiter Volkswirtschaft bei Bayern LB Research in München. „Im bereits recht hoch verschuldeten Italien dürfte die Schuldenquote beispielsweise spürbar über 150 Prozent gemessen am BIP ansteigen.“ Doch er verweist auch auf einen positiven Aspekt: „Im Gegensatz zur Staatsschuldenkrise sind inzwischen viele Sicherheitsnetze verfügbar. So sorgt die EZB durch großvolumige Ankäufe von Staatsanleihen dafür, dass die Finanzierungskonditionen der Länder sehr günstig und die hohen Schuldenstände tragbar bleiben.“ Auch sorgten der Sicherungsmechanismus des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und potenziell unbegrenzte Käufe von Staatsanleihen im OMT-Programm dafür, dass die Finanzierungsmöglichkeiten der Länder selbst im Krisenfall erhalten blieben. „Die Gefahr einer Insolvenz eines Landes ist damit deutlich gesunken.“ Doch auch diese besseren Rahmenbedingungen schließen, so Kipar, kurzfristige politische Spannungen zwischen einzelnen EU-Ländern nicht aus. wie die Diskussion um die Haftungsvergemeinschaftung durch Euro- oder Corona-Bonds zeige.Laut Professor Dr. Jürgen Jerger, dem Inhaber des Lehrstuhls für Internationale und Monetäre Ökonomik an der Universität Regensburg, ist Hilfe für die schwächeren EU-Staaten angesichts der Coronakrise durchaus angebracht: „Italien fordert nun massiv auch die finanzielle Solidarität der EU-Staaten. Und das insofern zu Recht, als Covid nun wirklich nicht irgendeinem Politikversäumnis angelastet werden kann. Es lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass die Probleme in der Krankenversorgung auch deswegen so groß waren, weil im öffentlichen Bereich – und damit auch im Gesundheitswesen – in den zurückliegenden Jahren massiv gespart werden musste.“

Ähnlich wie andere Experten hält er jedoch Corona-Bonds zur Unterstützung von Ländern wie Italien oder Spanien nicht für den einzig gangbaren Weg: „Mit dem 2012 zur Bewältigung der Eurokrise geschaffenen ESM steht dafür auch – neben dem Budget der EU selbst – ein passendes Instrumentarium zur Verfügung, das ja nun auch zur Anwendung gebracht wird. Die aktuelle Diskussion um die sogenannten Corona-Bonds, mit deren Hilfe die höhere Bonität der Euroländer insgesamt an die schwächeren Länder weitergereicht wird, ist insofern schon vor längerer Zeit entschieden worden.“ Professor Jerger warnt jedoch vor möglichen politischen Folgen der Coronakrise: „Ein wegen der Coronakrise noch stärkerer Rückfall in nationale Egoismen würde die größten wirtschaftlichen Folgekosten nach sich ziehen. Eine kollabierende Wirtschaft zum Beispiel in Italien wäre auch mit massiven Einbrüchen in Deutschland verbunden, und hier vor allem in exportstarken Branchen und Regionen wie Ostbayern.“

Eine Bankenkrise ist nicht wahrscheinlich

Auch eine schwere Bankenkrise infolge der Coronakrise hält Dr. Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der Dekabank in Frankfurt am Main, für ein eher unwahrscheinliches Szenario: „Im Vergleich zur Finanzkrise ist diese Rezession nicht durch Ungleichgewichte im Finanzsektor entstanden, sondern einzig und allein dem Coronavirus geschuldet. Die Kreditinstitute sind hinreichend stabil in die Coronakrise gekommen.“ Vor allem die immensen Hilfspakte der Geld- und Finanzpolitik seien laut Holger Bahr eine wichtige Unterstützung für die privaten Haushalte sowie die Unternehmen und mithin auch für den Finanzsektor. Und er fügt hinzu: „Insbesondere die Europäische Zentralbank steht Gewehr bei Fuß, um dem Finanzsektor ausreichend Liquidität bereitzustellen. Auch die umfangreichen Anleiheankaufprogramme sind ein Beitrag zur Stabilität der Finanzmärkte in dieser schwierigen Zeit der Coronakrise.“ Wichtig ist jedoch, da ist sich der Finanzexperte sicher: „Auch diese Rezession wird enden und die Belastungen werden temporär begrenzt ausfallen.“

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Weitere interessante Wirtschaftsthemen gibt es auch im neuen kostenlosen Newsletter der Wirtschaftszeitung: www.die-wirtschaftszeitung.de/newsletter

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