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Nachhaltigkeit

Nachhaltig aus Tradition

Johannes Ehrnsperger, alleiniger Geschäftsführer und Inhaber der Neumarkter Lammsbräu setzt auf Bio und Nachhaltigkeit.
Von Thomas Tjiang, Wirtschaftszeitung

Johannes Ehrnsperger (Foto: Thomas Tjiang)
Johannes Ehrnsperger (Foto: Thomas Tjiang)

Neumarkt.Herr Ehrnsperger, seit Jahresbeginn sind Sie alleiniger Geschäftsführer in einem über 200 Jahre alten Familienbetrieb. Wie schwer ist Ihnen der Start gefallen?

Johannes Ehrnsperger: Eigentlich gar nicht. Es war ein lang geplanter Prozess, bei dem ich mich Schritt für Schritt immer mehr einbringen konnte. Seit zehn Jahren bin ich bereits am Strategieprozess der Neumarkter Lammsbräu beteiligt. Das verdanke ich auch meinem Vater. Er hat das Unternehmen immer langfristig gelenkt. Genauso langfristig hat er den Nachfolgeprozess eingeleitet.

Viele familiengeführte Mittelständler haben Probleme mit der Nachfolge, auch weil der eigene Nachwuchs fehlt oder sich anders orientiert. Wann stand für Sie die Nachfolge bei der Ökobrauerei fest?

Unser Familienbetrieb ist vom Traditionsbrauhandwerk geprägt und zugleich ein Biopionier. Das schlägt sich natürlich auf die Inhaberfamilie und ihre Lebensphilosophie nieder. In diesem Kontext bin ich aufgewachsen. Während der Schulzeit habe ich mich entschieden, dass ich ins Unternehmen eintreten möchte. Als Vorbereitung darauf habe ich unter anderem ein BWL-Studium absolviert und ein Studium der Getränketechnologie in Verbindung mit einer Brauer- und Mälzerlehre angeschlossen.

Kamen Ihnen während des BWL-Studiums manchmal Zweifel, weil Familienunternehmen oder auch Ökogeschäftsmodelle in den Lehrbüchern eher ein Nischendasein führen?

Dass die deutsche Wirtschaft vom Mittelstand und von Familienunternehmen lebt, ist auch den Unis klar. Und zunehmend werden auch Schwerpunkte in Sachen Nachhaltigkeit gesetzt – auch wenn es das an meiner Hochschule erst nach meinem Studium gab. Aber unabhängig davon: Zweifel an unserer konsequenten Nachhaltigkeitsphilosophie und ihrer Vereinbarkeit mit erfolgreichem Wirtschaften hatte ich nie. Die Zahlen sprechen da auch eine klare Sprache.

In der klassischen BWL kommt das Thema Erzeugergemeinschaften, wie sie die Lammsbräu initiiert hat und ausbaut, ebenfalls nur am Rande vor. Was macht dieses Modell richtungsweisend?

Wir setzen hier einen Gegenpol gegen immer kurzfristigere Entscheidungen, zum Beispiel in der Beschaffung. Für uns ist grundsätzlich die Langfristigkeit ein entscheidender Faktor. Das gilt für Partnerschaften sowohl mit Lieferanten als auch mit Kunden. Dafür braucht es Akteure auf beiden Seiten, die das gleiche Wertesystem teilen, sonst kann keine langfristige Basis entstehen. Der Marktpreis allein kann nie die Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit sein, denn der ist heute so und morgen so.

Wie sieht das konkret mit Ihrer Erzeugergemeinschaft aus?

Wir haben seit über 30 Jahren unsere Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe und mittlerweile mit über 160 Bauern langfristige Verträge abgeschlossen. Der Preis wird hier nicht vom Markt bestimmt, sondern auch von der Frage, was der Landwirt braucht, um den Hof erfolgreich an die nächste Genration weitergeben zu können. Umgekehrt bekommen wir beste Rohstoffe von den Landwirten, für unser Biobier.

Wir sind konsequent. Wir machen die Dinge richtig und glaubwürdig oder gar nicht. Blickt man bei uns hinter die Kulissen, sieht man, dass wir nicht nur die Rohstoffe gegen Bio getauscht haben, sondern das ganze Unternehmen umgekrempelt haben.

Johannes Ehrnsperger

Reut Sie nicht so eine Regelung, wenn wir an den heißen Sommer mit schwachen Ernten im letzten Jahr denken?

Da gibt es nichts zu bereuen, zumal der Ökolandbau nicht in dem Maße von den starken Ertragseinbußen betroffen war. Das größte Kapital im Ökolandbau ist ein gesunder Boden, der auch in Hitzeperioden erheblich widerstandsfähiger ist. Der gesunde Boden saugt das Wasser wie ein Schwamm auf. Das Wasser läuft weder über die Oberfläche einfach ab, weil der Boden so verdichtet ist, noch sickert es einfach durch. Daher ist aus meiner Sicht auch dieses Konzept eine gute Antwort auf den Klimawandel.

Zum Lammsbräu-Modell gehören noch zwei weitere Aspekte. Zum einen eine stringente Preispolitik ohne Sonderrabatte, zum anderen ein relativ klar begrenztes Absatzgebiet …

Der Preis muss den Wert widerspiegeln, das Produkt im eigentlichen Wortsinn „preis-wert“ sein. Deswegen kommt es für uns nicht infrage, mit Dumpingpreisen mehr Absatzmenge zu generieren. Die Absatzwege brauchen die Augenhöhe zum Partner, ich will nicht mit einem Zentraleinkäufer nur über Preise verhandeln. Ich möchte einen Unternehmer gegenüber haben, im konventionellen Lebensmittelbereich etwa den Inhaber eines Rewe- oder Edeka-Marktes, der im Zweifel auch meine Werte teilt. Den könnte man vielleicht auch in den USA oder in Japan finden. Aber das ist aufgrund der negativen CO-Bilanz der Logistik für uns kein Thema. Wir sind maximal im angrenzenden Ausland unterwegs, wo der Transportweg ökologisch zu vertreten ist. Österreich ist von Neumarkt aus dichter dran als Hamburg.

Wie bekommen Sie Ihr Nachhaltigkeitskonzept in die Köpfe der Führungskräfte?

Das beginnt bereits bei der Auswahl der Führungskräfte. Bei uns bewerben sich viele Menschen, denen das Thema Nachhaltigkeit auch privat ein wichtiges Anliegen ist. Bei uns ist es ein gelebtes Firmenkonzept, kein Mitarbeiter und keine Führungskraft kommt im Tagesgeschäft an den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ökologie vorbei. Daher ist zwangsläufig die gesamte Führung des Unternehmens von dieser Idee geprägt.

Die Lammsbräu hat in den vergangenen zehn Jahren Output und Umsatz mehr als verdoppelt, auch Ihr letztes Jahr war besser als der Branchentrend. Was machen Sie besser?

Wir sind konsequent. Wir machen die Dinge richtig und glaubwürdig oder gar nicht. Blickt man bei uns hinter die Kulissen, sieht man, dass wir nicht nur die Rohstoffe gegen Bio getauscht haben, sondern das ganze Unternehmen umgekrempelt haben. Und die Verbraucher wollen mittlerweile wissen, was wirklich hinter einem Produkt steht und nicht nur einfach etwas trinken, das toll klingt. Sie wollen auch die Menschen, die Werte und die Philosophie kennenlernen, die dahinterstehen. Da haben wir natürlich ganz viel zu erzählen.

Wieviel Wachstum erlaubt denn Ihre nachhaltige Philosophie?

Unser Fokus liegt nicht auf quantitativem, sondern auf qualitativem Wachstum – auch innerhalb unserer Erzeugergemeinschaft in der Region Neumarkt. Aber ich sage auch: Jeder verkaufte Hektoliter Lammsbräu mehr ist ein Hektoliter mehr für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Im allgemeinen Biermarkt herrscht ein Verdrängungswettbewerb, sodass letztlich ein konventioneller Hektoliter weniger verkauft wird. Von unserem wachsenden Ausstoß profitiert die Umwelt.

Welche neuen Akzente wollen Sie als Vertreter der siebten Generation setzen?

Wenn die eingeschlagene Richtung wie bei uns mit den eigenen Werten übereinstimmt, gibt es keinen Bedarf für eine 180-Grad-Kehrtwende. Für mich geht es stattdessen darum, das, was wir bereits tun, immer noch ein Stückchen konsequenter und glaubwürdiger zu tun und auch neue Themen mit in den Blick zu nehmen. Dazu gehört zum Beispiel die soziale Nachhaltigkeit, wo wir gerade gemeinsam mit der Lebenshilfe neue Projekte starten. Wir sind seit 40 Jahren Bio-Pionier und um das zu bleiben, darf man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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