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Verpackung

Pfandeimer und Marmeladenglas

Konsum ohne Verpackungsmüll – eine Illusion? Das Füllgut in Regensburg setzt auf Mehrwegverpackungen.
Von Barbara Simon, Wirtschaftszeitung

 Lebensmittelbehälter in einem sogenannten Unverpackt-Laden. Foto: reichdernatur - stock.adobe.com
Lebensmittelbehälter in einem sogenannten Unverpackt-Laden. Foto: reichdernatur - stock.adobe.com

Regensburg.Eine junge Frau, in der Bauchtrage einen Säugling, steht mit ihrem Einkauf am Kassentresen des Füllgut, einem kleinen Lebensmittelgeschäft in der Oberen Bachgasse in Regensburg. Müsli und Nüsse sind jeweils in kleinen Jutebeuteln verpackt, die Schokoladenstücke in einem Schraubglas, das dem Aussehen nach in einem früheren Leben ein Marmeladenglas war. Wer sich hier im sogenannten Unverpackt-Laden die Dinge für den täglichen Bedarf besorgt, hat das Ziel, Verpackungskunststoffe weitgehend zu vermeiden. Das Geschäft wirkt mit seinem übersichtlichen Sortiment, den funktionalen Holzregalen, kleinen Kühltheken und den großen Lebensmittelbehältern wie eine Mischung aus Tante-Emma- und Bioladen.

Es ist Mittwoch, kurz nach Mittag, alle paar Minuten tröpfeln Kunden aller Altersgruppen in den kleinen Laden, dazwischen ein Landwirt, der Behälter mit Obst, Gemüse und Grünpflanzen in den Laden trägt. Inhaberin Jasmin Simmel pendelt zwischen Beratungsgesprächen, Kasse und dem Lieferanten hin und her, trotz der zwischenzeitliche starken Frequenz bleibt sie gelassen. Vor wenigen Tagen hat sie in Straubing ihre erste Filiale eröffnet: „Früher galt ich als verrückt, jetzt ist es überall ein Thema. Gottseidank fangen die Leute an, sich der Verpackungsproblematik bewusster zu werden“, schildert die junge Geschäftsfrau ihren Eindruck.

Simmels Konzept sind Mehrweg- statt Einwegverpackungen – und so bezeichnet sich das Füllgut auch als „Mehrwegerei“. In der Praxis heißt das, dass die Kunden im Idealfall ihre Verpackung von zu Hause mitbringen. Das können Gläser, Dosen, Stoffbeutel, Eimer sein, aber durchaus auch gebrauchte Plastik- oder Papierverpackungen, die hier im Füllgut wieder verwendet werden, anstatt nach dem Auspacken gleich im gelben Sack zu verschwinden: „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wir hatten auch schon Taschentücher.“ Spontankäufer oder Neueinsteiger können sich bei den Pfandgläsern aus dem Leihgläserkorb bedienen.

Doch wie weit lässt sich die Mehrwegkette im Geschäftsleben umsetzen? Auch im Großhandel scheinen Lieferanten zumindest vereinzelt, den Trend aufzugreifen und sich auf Unverpacktläden wie das Füllgut zu konzentrieren. Tomatensoße und Kokosöle werden beispielsweise im Pfandglas geliefert, vieles in Pfandeimern, Großgebinden oder Papiersäcken: „Ich versuche, die Lieferanten dementsprechend auszuwählen, dass sie genauso viel Herzblut investieren. Mittlerweile haben wir viel erreicht.“ Man merkt Jasmin Simmel an, wie sehr sie sich über kleine Etappensiege freut. Denn im Einkauf und in der Lagerung geht es ohne Kompromissen nicht. Bei sehr ölhaltigen Nusssorten und bei Trockenobst komme eine dünne Folie in den Karton. „Mir ist es wirklich wichtig, dass ich meinen Kunden nichts vormachen muss. Unser Lager ist für jeden zugänglich.“ Auch die Nachteile der Mehrwegerei spricht Simmel offen an: „Es ist sehr zeitintensiv, erfordert mehr Personal und verursacht so zusätzliche Kosten.“ Einen Supermarkt nach dem Mehrwegsystem hält sie daher nicht für realistisch. (ab)

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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