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Verpackung

Plastikersatz dringend gesucht

Die Debatte um Plastik hat weltweit Fahrt aufgenommen. Bei Lebensmittelverpackungen kommt es derzeit zu einem Umdenken.
Von Maria Stich, Wirtschaftszeitung

Jedes Jahr werden 300 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Ein großer Teil davon landet in den Meeren der Welt. Foto: Sergey/adobe.stock.com
Jedes Jahr werden 300 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Ein großer Teil davon landet in den Meeren der Welt. Foto: Sergey/adobe.stock.com

Neutraubling.Plastik ist in der Öffentlichkeit zum Schimpfwort verkommen. Die Debatte hat in wenigen Jahren weltweit kräftig an Fahrt aufgenommen und macht auch vor Ostbayern nicht Halt, wie beispielsweise die Krones AG zu spüren bekam. So war zum Ende des ersten Quartals 2019 bereits ein veränderter Produktmix bei den Bestellungen der Kunden sichtbar – der Rückgang bei Maschinen für Kunststofftechnik konnte allerdings durch Aufträge für Dosen und Glasflaschen kompensiert werden.

Bei der Aktionärshauptversammlung Anfang Juni hakte der Vertreter der Vereinigung Institutioneller Privatanleger Markus Hamella nach, wie sich das Unternehmen vor diesem Hintergrund künftig aufstellen möchte. Seine Tochter, Teilnehmerin bei „Fridays for Future“-Demonstrationen, hätte ihm kritische Fragen zu PET-Flaschen gestellt. Die neue Umweltbewegung sei laut Hamella für den Neutraublinger Hersteller von Abfüllmaschinen nicht zu unterschätzen.

Die Verpackungsindustrie ist eine der größten Branchen in Deutschland. 2017 gab es allein 259 Betriebe, die sich auf Kunststoffverpackungen spezialisiert haben, und 304 Betriebe, die Papierverpackungen herstellten. Rund 26 Milliarden Euro setzte die gesamte Branche im In- und Ausland um. Ein Umdenken ist neben Umweltfragen allein aus ökonomischen Gründen notwendig. Aber was genau ist an Verpackungen und Plastik im Speziellen so problematisch, dass sich gegen sie weltweit Widerstand formiert?

Rasanter Aufstieg und tiefer Fall

Seit 1950 werden Einwegverpackungen und Flaschen hergestellt. Das bringt viele Vor- und Nachteile.

+ Verpackungen erleichtern Transport und Lagerung von Lebensmitteln.

+ Plastikverpackungen machen Lebensmittel länger haltbar.

– Jeder Deutsche produziert im Schnitt 26 Kilogramm Plastik pro Jahr.

– Das Problem beginnt beim Verpackungsmüll: Nur etwa 16 Prozent der 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle werden wiederverwertet.

– Plastikmüll wird ins Ausland exportiert, gelangt dort in die Umwelt und verunreinigt die Meere und Äcker.

– Plastik kann im Körper zu Unfruchtbarkeit führen und soll die Entstehung von Krebszellen begünstigen.

Die Zukunft der Verpackung

Zurzeit wird fieberhaft an neuartigen Materialien geforscht, die ähnlich praktische Eigenschaften wie Kunststoffe aufweisen, aber nicht auf fossilen Ressourcen basieren oder besser recycelt werden können. Vielversprechend sind hier zum Beispiel eine durch Fermentierung gewonnene Membran des polnischen Start-ups MakeGrowLab, die nach dem Gebrauch gegessen werden kann, oder die sogenannte Papierfolie der hessischen Firma Compostella.

Doch auch bei neuen Materialien sollte man nicht zu euphorisch sein: Kunststoffe aus Maisstärke beispielsweise, aus denen unter anderem Biomüllbeutel hergestellt werden, sind oft keine bessere Alternative: Zum einen sind sie nur unter ganz konkreten Bedingungen abbaubar und weder im Garten noch in industriellen Anlagen kompostierbar. Zum anderen können sie zu unerwünschten Preisanstiegen bei Grundnahrungsmitteln und weiteren Problemen führen.

Dieser Text zu Plastikverpackungen ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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