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Standort

Quartiersgefühl auch für Global Player

Die Ansiedlungspläne der Krones AG auf dem TechCampus bedeuten einen Entwicklungssprung für das Areal.
Von Rebecca Sollfrank, Wirtschaftszeitung

Der TechCampus mit seinem „Herzstück“, dem Gründer- und Innovationszentrum TechBase. Foto: Sebastian Pieknik
Der TechCampus mit seinem „Herzstück“, dem Gründer- und Innovationszentrum TechBase. Foto: Sebastian Pieknik

Regensburg.Wäre heute schon Weihnachten, würde Toni Lautenschläger sich „einen doppelt so großen TechCampus für Regensburg wünschen“. Dieser Wunsch des Regensburger Amtsleiters für Wirtschaft und Wissenschaft ist nachvollziehbar: Erst vor einigen Tagen hat die Krones AG, regional verwurzelter Global Player aus Neutraubling, angekündigt, auf dem TechCampus zu bauen: Auf einem 8000 Quadratmeter großen Grundstück entsteht 2019 ein Innovationsnetzwerk mit 800 Mitarbeitern im Endausbau. Den wesentlichen Teil des Gebäudes werden Mitarbeiter der in Wackersdorf beheimateten Krones-Tochter Syskron nutzen. Einen Teil der Flächen öffnet Krones aber auch für externe IT-Spezialisten. Die Wirtschaftszeitung fragte Amtsleiter Lautenschläger: Passt der massive Krones-Vorstoß zur Idee TechCampus?

„Krones passt absolut zu unserer Vorstellung vom TechCampus“, erklärt Lautenschläger. Er ist nicht nur kommunaler Wirtschaftsamtsleiter, sondern managt zusammen mit Alexander Rupprecht, dem hauptamtlichen Geschäftsführer, zusätzlich die R-Tech. Diese städtische Tochter wiederum betreibt schon seit 2016 auf dem TechCampus das Innovationszentrum TechBase, in dem Krones derzeit ein Innovation Lab mit etwa zehn Mitarbeitern betreibt.

Krones ist besonders attraktiv

Entsteht hier mit der neuen Großansiedlung von Krones womöglich eine Konkurrenzsituation? Man habe klare Vorstellungen von neuen Mitgliedern in der TechCampus-Familie, unterstreicht Lautenschläger. „Unternehmen, die zu uns kommen wollen, müssen innovationsgetrieben sein. Sie müssen einen besonderen Anspruch an technologische Kompetenz haben. Es sollte natürlich ein authentisches Interesse an der Nähe zu den Hochschulen erkennbar sein. Außerdem müssen die Unternehmen auf dem TechCampus hohe Bereitschaft zum Netzwerken mitbringen.“ Bei der Firma Krones sieht Lautenschläger das alles gegeben. Einen originären Maschinenbauer auf dem Areal zu haben, ist für den Amtsleiter darüber hinaus besonders attraktiv.

„Der TechCampus ist aus einer regionalen Entwicklung heraus entstanden, die viel mit der Tatsache zu tun hat, dass Regensburg immer noch ein Standort mit höchstem Anteil von Produktion an der Wertschöpfung ist“, führt Lautenschläger aus. Über den Herstellungspreis sei produzierendes Gewerbe aus Deutschland heute aber nicht mehr wettbewerbsfähig zu halten, der Qualitätsimpuls müsse aus der Innovation kommen. „Deshalb sind ökonomisch getriebene Forschung und Entwicklung elementar für die Marktführerschaft.“ Die Aufgabe einer Kommune sei es, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen, im Idealfall nicht nur in virtueller Clusterarbeit, sondern am besten konkret räumlich. Lautenschläger ist sich sicher: „Der TechCampus gibt diesem Ziel die richtige räumliche Heimat.“

Heimat indes hat natürlich immer etwas mit Identifikation zu tun. Die Stadt sieht diesen Posten auf dem TechCampus unter mehreren Aspekten. Räumliche Nähe bringt nichts ohne echten fachlichen Austausch. Und der müsse auf Gegenseitigkeit beruhen. „Ich bin davon überzeugt, man muss etwas mitbringen, um selbst etwas für sich herausholen zu können.“ Bei Krones sieht Lautenschläger diese Bereitschaft gegeben: „Die Krones AG hat ihre Strategie der Öffnung schon alleine dadurch signalisiert, dass sie auf den TechCampus kommen möchte.“ Die Tatsache, dass die Flächen des neuen Innovationsgebäudes zu einem Teil an externe IT-Spezialisten abgegeben werden sollen, potenziere das. Die Identifikation mit dem TechCampus muss sich aber darüber hinaus architektonisch widerspiegeln. „Selbst ein dicker Fisch wie Krones wird sich beim Baukörper an unser Gestaltungshandbuch halten.“ Die Auswirkungen seien viel intensiver als ein klassischer Bebauungsplan. Das Ziel: eine Campus-Architektur, die zwar die Corporate Identity der Unternehmen zulässt, aber am Ende aus einem Guss erscheint. Und zwar nicht nur, was das Areal des TechCampus selbst angeht. Die Grenzen zu den Hochschulen sollen so weit verwischen, dass man am Ende womöglich gar nicht mehr merkt, ob man noch auf dem Universitätsgelände oder schon auf dem TechCampus ist. Eine Fußgängerbrücke über die Galgenbergstraße wird schon bald die Wirtschafts- und die Wissenschaftsseite noch enger zusammenrücken lassen.

Das „Wir“ als wesentliche Basis

Die Krones AG hat in ihrer Vorstellung des Innovationsnetzwerks vor der Presse bereits die Bereitschaft zur Mischung aus berechtigter Eigendarstellung und bewusster Einfügung signalisiert. An ihrer Lust zur campusweiten Öffnung zweifelt die Stadt ebenso wenig. Verhalten und Aussehen sind jedoch nur die eine Sache, das Gefühl die andere. Das „Wir auf dem TechCampus“ sieht Lautenschläger als wesentliche Basis für ein Funktionieren des innovativen Wirtschafts-Wissenschafts-Gewerbegebiets. Vergleicht man es mit einem Wohnbaugebiet, sollte am Ende eine echte Quartiersidentität entstehen. Und dieses Quartier wird in voraussichtlich sechs Jahren auf einer Fläche von zehn Hektar 4000 Entwickler, Ingenieure, Start-ups und vor allem Digitalisierungsexperten beherbergen. Die 800 Mitarbeiter des Krones-Innovationsnetzwerks stellen aus Sicht von Lautenschläger eine ideale Ergänzung des angestrebten Mixes dar. Hat sich Syskron doch auf die Fahne geschrieben, in Regensburg unter anderem das „Internet of Things“ voranzubringen – ein absolutes Leitthema der Digitalisierung.

Eines darf man bei aller Begeisterung für die Hochzeit von Syskron und TechCampus am Ende nicht vergessen. Brautmutter Krones wird ihre Tochter nicht an den Altar führen, wenn danach ein ungedeckter Tisch wartet. Sprich: Die Nutzer des TechCampus werden nicht von Luft und Forschung alleine leben. Die Cafeteria SpeicherBar in der TechBase wird jedoch kaum alle hungrigen Innovationstreiber versorgen können. Lautenschläger beruhigt da. „Wir sammeln am TechCampus nicht nur Firmen, sondern bauen eine veritable Quartiersversorgung aus. Der ÖPNV ist bereits ideal vorhanden. Parkmöglichkeiten auch mit E-Lademöglichkeit sind in Planung und in einem alten Wirtschaftsgebäude auf dem Areal werden wir die Themen Nahversorgung, Gastronomie und Supermarkt abbilden.“

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper: www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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