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Gründer

Start-ups mangelt es an Wachstumskapital

Finden sich keine Geldgeber im Inland, kommen ausländische Investoren ins Spiel. Für Start-ups ist das Chance und Risiko.
Von Julia Kellner, Wirtschaftszeitung

Um an Wachstumskapital zu kommen, müssen Start-ups Investoren von ihren Ideen und Strategien überzeugen. Foto: sabelskaya - adobe.stock.com
Um an Wachstumskapital zu kommen, müssen Start-ups Investoren von ihren Ideen und Strategien überzeugen. Foto: sabelskaya - adobe.stock.com

Regensburg.Erfolg für Start-ups: Die Gründung ist geschafft, die Frühphase vielversprechend, weiteres Wachstum geplant. Dafür braucht es Venturecapital, also Wagniskapital. Genau dafür fehlen in Deutschland oft Geldgeber – das Kapital kommt aus dem Ausland. Manchmal binden Start-ups auch ganz bewusst ausländische Investoren ein.

Ostbayerns Start-ups in die Champions League

„Die Start-up-Szene in Deutschland professionalisiert sich weiter. Das Thema Finanzierung läuft immer besser, vor allem in der frühen Phase. Problematisch sind eher die späteren Phasen bei der Finanzierung von größeren Runden in der Wachstumsphase“, sagt Barbara Dombay. Sie leitet das Investorennetzwerk von BayStartUp, das finanzierungsreife Start-ups an Kapitalgeber vermittelt. Laut Prof. Dr. Sean Patrick Saßmannshausen, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Entrepreneurship an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg und Leiter des Start-up Centers der OTH, ist die Kapitalbeschaffung vor allem ab etwa zehn Millionen Euro schwierig. Bei Venturecapital geht es um Investoren auf Weltni-
veau – bei deutschen ebenso wie bei ausländischen Geldgebern. Barbara Dombay ergänzt: „Ein Start-up aus dem ostbayerischen Raum muss sich mit einem Start-up aus China vergleichen lassen und deshalb in der Champions League mitspielen.“

Für Dr. Thomas Diefenthal, Geschäftsführer des Bioparks Regensburg GmbH, ergibt sich ein zweigeteiltes Bild: „Für Start-ups mit hoher Marktnähe, also Prototypen oder Technologieplattformen mit kurzen Entwicklungszeiten, gibt es ausreichende Möglichkeiten, Kapital aus Deutschland zu bekommen. Sie können zum Beispiel den ‚Wachstumsfond Bayern‘ von Bayern Kapital oder, auf Bundesebene, das Programm ,Invest – Zuschuss für Wagniskapital‘ nutzen.“ Bei Start-ups mit langen Entwicklungszeiten, etwa bei der Medikamentenentwicklung mit bis zu 15 Jahren, fehle es aber definitiv an Risikokapital aus dem Inland.

Gründen in Deutschland, wachsen im Ausland

So geraten Erfolg versprechende deutsche Start-ups oft in Abhängigkeit von ausländischen Investoren. Das birgt Gefahren. Akquiriert ein Start-up Venturecapital, hat das laut Diefenthal auch stets mit einem „Exit“, dem „Auskauf“ des Start-ups, zu tun. „Die Gründer geben das Unternehmen in die Hand der Investoren, die über die weitere Strategie entscheiden.“ Besonders bei Investoren aus Nordamerika und Asien gehe das mit Standortschließungen in Deutschland und einem Know-how-Transfer ins Ausland einher. „Ein erfolgreiches Start-up wurde dann zwar in Deutschland mit Investitionen aus dem Inland gegründet, doch das Wachstum findet im Ausland statt“, ergänzt Dombay. „Das ist volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.“ Unabhängig davon sei es grundsätzlich positiv, wenn es einem deutschen Start-up gelingt, das Interesse ausländischer Investoren zu wecken. Das zeige, welche Innovations- und Durchsetzungskraft in einem Unternehmen steckt, so Saßmannshausen. Mit Blick auf die Politik fügt er an: „Das komplexe deutsche Steuerrecht und die ständigen Diskussionen um weitere und höhere Steuern schaffen Unsicherheit und verschrecken Geldgeber. Schließlich geht es bei Start-ups um langfristige Investitionen. Das erfordert eine ruhige Hand in der Steuerpolitik statt ständiger Ideen für Mehrbelastungen.“

Hinzu komme, dass es hierzulande zu wenig und zu kleine Risikokapitalfonds gibt. Deutsche Pensionsfonds legten ihr Vermögen kaum in Venturecapital an – obwohl die Gesamtperformance von Risikokapital gut sei. Im Vergleich zu anderen Ländern gebe es in Deutschland restriktivere Bedingungen. „Für Rentenfonds, Pensionskassen und Lebensversicherer muss man anteilig höhere Anlagen in Risikokapital zulassen, zumal die gründungstypischen Risiken in den letzten Jahren eher gesunken sind“, sagt Saßmannshausen.

Welcher Strategie sollte man also folgen, um im Wachstum an Kapital zu gelangen? Dombay fordert von Start-ups, weniger „hip“ zu sein – und mehr Professionalität auf allen Ebenen: umfassende Marktanalysen, klare Alleinstellungsmerkmale, eine durchdachte Markteintritts- und Wachstumsstrategie. Manchmal sei es auch eine bewusste Entscheidung der Gründer: „Sie wollen mit ausländischen Investoren kooperieren, um sich einen Marktzugang zu verschaffen. Investitionen aus dem Ausland bürgten also Chancen und Risiken, ergänzt Prof. Saßmannshausen. Aber aus wirtschaftspolitischer Perspektive brauche es dringend mehr inländisches Wachstumskapital, um Standortnachteile abzubauen.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Weitere interessante Wirtschaftsthemen gibt es auch im neuen kostenlosen Newsletter der Wirtschaftszeitung: www.die-wirtschaftszeitung.de/newsletter

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