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Ostbayern
Freitag, 23. Februar 2018 2

Lohngleichheit

Über Geld spricht man nicht

Das Lohntransparenzgesetz soll helfen, die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen weiter zu schließen.
Von Renate Kerscher

Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn: Das Lohntransparenzgesetz soll helfen, das zu ändern. (Foto: Ezio Gutzemberg - stock.adobe.com)

Regensburg. Endlich wissen, was der Kollege im Nachbarbüro verdient – für viele geht mit dem neuen Lohntransparenzgesetz, das am 6. Januar in Kraft getreten ist, ein Traum in Erfüllung. Doch welche Ansprüche haben Arbeitnehmer tatsächlich mit dem „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“?

Ziel des Gesetzes ist es, dass Frauen und Männer für die gleiche oder eine gleichwertige Arbeit auch dasselbe Entgelt erhalten. Laut Statistischem Bundesamt beträgt die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern immer noch rund 21 Prozent. Es gibt viele sachliche Gründe, die diese Ungleichheit rechtfertigen: Frauen nehmen seltener Führungspositionen ein, sie gehen in die Babypause oder sind länger in Teilzeit tätig. Doch selbst bei gleicher Qualifikation beträgt die Gehaltslücke laut Statistischem Bundesamt etwa sechs Prozent. Mit der neuen Gesetzgebung können nun Frauen – aber auch Männer – überprüfen, ob die Kollegen mit gleichwertiger Arbeit mehr oder weniger verdienen. Allerdings gilt das nur für Firmen ab 200 Mitarbeitern. Zudem muss es mindestens sechs Kollegen des anderen Geschlechts geben, die in einer ähnlichen Position arbeiten.

Auskunft wird dann nicht über das Gehalt eines bestimmten Kollegen gegeben, sondern über ein durchschnittliches monatliches Bruttoentgelt von Mitarbeitern des anderen Geschlechts mit gleichen oder vergleichbaren Tätigkeiten.

Massive Unzufriedenheit


Über Geld spricht man nicht – vor allem nicht in Deutschland. „Wir leben in einer ausgeprägten Neidkultur“, erklärt Prof. Dr. Peter Fischer vom Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations-, Sozial- und Wirtschaftspsychologie der Universität Regensburg. Darum weiß auch kaum jemand, was der eigene Freundeskreis auf dem Gehaltszettel stehen hat. Wenn wir offener über Geld sprechen würden, bräuchte es das Lohntransparenzgesetz nicht.

„Bei Arbeitnehmern, vor allem bei Frauen, die das Gesetz in Anspruch nehmen, wird es zu einer massiven Unzufriedenheit führen“, sagt Fischer. Kurzfristig würden laut Fischer die Konsequenzen sehr negativ sein: hohe Fluktuation, innere Kündigungen und negative Emotionen. Langfristig würden die Wogen geglättet und es komme zu mehr Lohngleichheit. Darauf müssten die Unternehmen zukünftig achten, um hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu halten – vor allem Frauen.

„Hoffentlich nehmen viele gut ausgebildete junge Frauen das Gesetz in Anspruch. Sie sind die Hauptzielgruppe. Denn keine gesellschaftliche Gruppe ist in der Geschichte so stark diskriminiert worden wie die der Frauen – und wird es immer noch“, sagt Fischer, der sich als bekennender Feminist bezeichnet.

Unternehmen in der Region sehen dem Start des Lohntransparenzgesetzes entspannt entgegen. Die Zollner Eletronik AG aus Zandt im Landkreis Cham beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema Lohngleichheit: „Wir haben bereits vor Längerem ein neues Entgeltsystem im Unternehmen eingeführt, das gleiche Entlohnung bei gleicher Tätigkeit als wesentlichen Bestandteil hat“, erklärt Xaver Huber, Leiter Personalmanagement. Die Weichen zur Lohngleichbehandlung von Mann und Frau seien demnach intern schon gestellt und die Grundlage zur Umsetzung des Lohntransparenzgesetzes geschaffen.

„Halbherzige Umsetzung“

„Wir warten schon mit Spannung darauf, was an Anfragen kommen wird“, erklärt Andreas Horn, Personalchef der Krones AG in Neutraubling. „Die gesetzgeberische Intention einer diskriminierungsfreien Bezahlung finde ich sehr gut und unterstützenswert, aber die Umsetzung halte ich für halbherzig.“ Die Arbeitnehmer hätten mit der jetzigen Fassung des Gesetzes zwar einen Anspruch auf Auskunft, einen automatischen Anspruch auf Lohnerhöhung hätten sie jedoch nicht. Horn prognostiziert: „Der Aufwand wird für beide Seiten hoch sein, das Endergebnis für den Mitarbeiter in den meisten Fällen aber wohl eher ernüchternd.“

Diesen Aufwand müsste es gar nicht geben, wenn alle Mitarbeiter in gleicher Position auch gleich entlohnt würden. „Das wollen wir auch. Bei uns soll niemand diskriminiert werden.“ Das aktuelle Lohntransparenzgesetz hält Horn eher für Symbolpolitik, bei dem die Beweislast bis zuletzt beim Arbeitnehmer liege. „Bislang haben wir noch keine Anfrage bekommen. Der Betriebsrat hat jedoch schon angekündigt, dass es erste Interessenten gibt.“

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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