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Weihnachtsmärkte als Rettungsanker

Ostbayerns Schausteller kämpfen gegen die Absage von weiteren Veranstaltungen. Politiker versprechen ihre Hilfe.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

Sie diskutierten intensiv über die Rettung der Weihnachtsmärkte in der Region: Straubings Bürgermeister Albert Solleder, MdB Erhard Grund, Günter Haimerl, Vorsitzender des Schaustellerverbands Ostbayern und MdL Josef Zellmeier (von links)
Sie diskutierten intensiv über die Rettung der Weihnachtsmärkte in der Region: Straubings Bürgermeister Albert Solleder, MdB Erhard Grund, Günter Haimerl, Vorsitzender des Schaustellerverbands Ostbayern und MdL Josef Zellmeier (von links) Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

Straubing.Die ersten Christkindlmärkte sind bereits wegen Corona abgesagt. Die Schausteller, die dort Mandeln und Glühwein verkaufen und ihr Karussell aufstellen, machen sich Sorgen, dass nach den Ausfall von Volksfesten und Märkten auch der Winter ohne jegliche Einnahmen an ihnen vorbeizieht. Um das zu verhindern, lud Günter Haimerl, Vorsitzender des Schaustellerverbands Ostbayern, am Mittwochabend Politiker, Verbände sowie betroffene Schausteller ein, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Weihnachtsmärkte für die Schausteller in der Krise sind.

Märkte wichtig für die Branche

Wie schlecht es der Branche geht, machten die Redner deutlich. Die Politiker versprachen Gesprächsbereitschaft. Über 100 Betroffene waren gekommen. „Wir haben seit Dezember keine Einnahmen. Jetzt brauchen wir keine Lippenbekenntnisse mehr von der Politik, sondern Taten“, machte Günter Haimerl deutlich. Man wolle arbeiten und nichts geschenkt bekommen. Deshalb sei es enorm wichtig, dass wenigstens die Weihnachtsmärkte stattfinden. Laut Wenzel Bradac, Vorsitzender des BLV (Bayerischer Landesverband für Marktkaufleute und Schausteller), habe man für die Christkindlmärkte man „in einer Heidenarbeit“ ein Hygienekonzept erstellt.

Existenz der Schausteller gefährdet

„Wir wollen auf übliche Tassen verzichten und kompostierbare Einwegprodukte nehmen. Wenn wir das durchsetzen, haben wir reelle Chancen“, glaubt er. Ziel sei es, dass die Besucher nur einmal an den Stand müssten. Auch Edmund Radlinger, Vizepräsident des Deutschen Schaustellerverbunds, erklärte: „Ich habe Angst, ob nach Corona die Feste überhaupt wieder so werden, wie wir es gewohnt sind.“ Wenn das nicht der Fall sei, stehe die Existenz der Schausteller auf dem Spiel. Ludwigsburg habe beim Weihnachtsmarkt zur Auflage gemacht, dass maximal 1000 Besucher ohne Glühwein feiern dürfen: „Dankeschön, aber da brauchen wir keinen Weihnachtsmarkt“, machte er seinem Ärger Luft.

Tradition

Plan B für Regensburger Weihnachtsmärkte

CSU und SPD ziehen an einem Strang: Sie wollen trotz Corona so viel Christkindl-Flair retten, wie es irgend geht.

Jurist Wolfgang Schörnig – ehemaliger Rechtsreferent der Stadt Regensburg und 34 Jahre lang Dult-Chef – ist sich sicher, dass ein Glühweinverbot die umliegende Gastronomie auf den Plan rufen würde, um Freischankflächen einzurichten und dort Glühwein zu verkaufen: „Und der Schausteller weint.“ Er forderte zudem, dass Verträge für Beschicker der ausgefallenen Feste auch im nächsten Jahr Bestand haben sollen. Dies gebe Planungssicherheit und könne den Banken vorgelegt werden.

Diese Anregung nehme er – genau wie die Idee mit dem Einweggeschirr – mit nach München, versprach Landtagsabgeordneter Josef Zellmeier (CSU). Es gebe intensive Gespräche, um den Schaustellern unter die Arme zu greifen – „aber ich kann noch nichts versprechen.“ Straubings Bürgermeister Anton Solleder (CSU) betonte bei dem Treffen, dass auch die Stadt in einem intensiven Austausch mit allen Beteiligten stehe. Aber der Gesundheitsschutz habe oberster Priorität, betonte er.

Aufruf der Politik

  • Finanzen:

    Kredite als Soforthilfe seien keine Lösung, da diese später zurückgezahlt werden müssen und die Schausteller trotzdem nicht mehr einnehmen, wenn wieder Feste stattfinden.

  • Kritik:

    Hilfe an Betriebsausgaben festzumachen, sei nicht richtig. „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten. Es geht ums Ganze“, so Grundl.

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