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Interview

Zahlreiche neue Einblicke

IHK-Präsident Michael Matt spricht über sein Ehrenamt und die Themen, die die Kammermitglieder derzeit umtreiben.
Von Thorsten Retta und Robert Torunsky

Michael Matt ist Geschäftsführer der Optik Matt GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Regensburg. Die Vollversammlung der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, in der Matt seit 2011 Mitglied ist, wählte den 59-Jährigen am 25. Juli 2018 für fünf Jahre zum Präsidenten. Foto: Istvan Pinter
Michael Matt ist Geschäftsführer der Optik Matt GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Regensburg. Die Vollversammlung der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, in der Matt seit 2011 Mitglied ist, wählte den 59-Jährigen am 25. Juli 2018 für fünf Jahre zum Präsidenten. Foto: Istvan Pinter

Regensburg.Herr Matt, haben Sie sich in Ihr Präsidentenamt schon eingewöhnt?

Michael Matt: Es gefällt mir sehr gut und ist eine sehr interessante Aufgabe. Das Präsidentenamt erweitert den Horizont: Ich konnte bereits Kontakte zu Leuten knüpfen, die ich sonst wohl so nicht kennengelernt hätte. Ohnehin ging die Amtszeit sehr turbulent los, denn wir waren ja im Jubiläumsjahr und haben den 175. Geburtstag gefeiert. Das fing an mit der sehr bewegenden Jubiläumsfeier im Alten Rathaus, ging weiter mit dem Tag der offenen Tür, zu dem über 2000 Besucher kamen, und endete mit Jubiläumsveranstaltungen der sieben IHK-Gremien. Dadurch bin ich schnell in die Regionen gekommen und habe die starke Vernetzung der IHK erlebt. Auch dort habe ich zu Bürgermeistern, Landräten und Unternehmern Kontakte geknüpft und habe die Dinge, die die Menschen dort besonders bewegen, mitnehmen können.

Gibt es etwas, das die Menschen in allen Regionen bewegt?

Der Verkehr wächst schneller als die Lösungen. Regensburg besitzt beispielsweise eine enorme Anziehungskraft. Das führt dazu, dass es für Menschen wie Güter immer schwieriger wird, in die Boomregion zu kommen. Der Ausbau der A3 ist hier absolut sinnvoll, doch wir haben mehrere Nadelöhre und die Realisierungszeiträume sind sehr groß. Außerdem müssen wir die Regionen attraktiver machen, damit Kunden und Fachkräfte nicht ausbleiben.

Dabei spielt der Einzelhandel eine tragende Rolle. Sie verantworten als Geschäftsführer selbst 86 Filialen. Wird der Einzelhandel auf lange Sicht aus den Innenstädten verschwinden?

Nein, das glaube ich nicht. Der Einzelhandel wird sich verändern und es mag sein, dass sich die Gewichtung zugunsten des Onlinehandels noch weiter verschiebt. Die Ansprüche der Kunden sind heute andere: Der Kunde ist oft aufgeklärter als der Verkäufer vor Ort, da er sich ganz gezielt auf das Produkt, das er gerade haben möchte, konzentrieren kann. Der Einzelhandel muss mindestens das bieten, was der Kunde daheim auf dem Sofa beim Onlineshopping vorfindet, nämlich den ganzen Markt. Und dann braucht er noch die Dinge, die den stationären Einzelhandel eben ausmachen, nämlich die Emotion und den Service.

Reicht das aus?

Es ist der wesentliche Schritt. Man muss die höheren Ansprüche der Kunden befriedigen. Die Digitalisierung ist das Thema. Wer nicht mitgeht, wird vom Markt verschwinden. Der Handel muss sich seine Alleinstellungsmerkmale suchen: Wofür stehe ich eigentlich und was ist das Besondere an meinem Geschäft? Weniger auf den Wettbewerb schauen und stattdessen die eigenen Stärken ausbauen. Früher haben die Kunden der Expertise des Verkäufers blind vertraut, heute muss man feinsinniger sein und auf den Kunden eingehen. Es gibt noch genügend Kunden, die Wert auf so etwas legen.

Dafür benötigt man gute Mitarbeiter – und die sind nicht einfach zu finden.

Ja, sogar sehr schwer. Uns fehlen derzeit rund 17000 Fachkräfte. Deswegen sind Mitarbeiterpflege und -entwicklung in den Unternehmen auch entscheidend. Nur so sind die Guten zu halten. Und da sind wir wieder bei der IHK. Weiter- und Fortbildung spielt bei uns in Form der IHK-Akademie eine zentrale Rolle. Wir hatten im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 5500 Teilnehmern. Übrigens haben wir mit allen Unternehmen in der Vollversammlung diskutiert, ob die Kammer das überhaupt machen soll oder muss – schließlich gibt es ja andere Bildungsträger. Der Tenor war eindeutig: „Wenn ihr die Ausbildung durch diese Angebote nicht attraktiv macht, dann gewinnen wir ja gar keinen mehr für die Ausbildung.“

Und das, obwohl die Unternehmen zu ihren Gehältern mittlerweile viele Zusatzleistungen bieten, um attraktiver zu sein?

Geld ist auch wichtig, aber nicht mehr so wie früher. Es zählt die Work-Life-Balance. Und da schließt sich der Kreis: Nur wenn sich der Mitarbeiter wohl und abgeholt sowie ernstgenommen fühlt, kann er das auch dem Kunden widerspiegeln.

Derzeit ziehen einige dunkle Wolken am zuletzt so blauen Konjunkturhimmel auf. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Ich glaube, dass das Jammern auf hohem Niveau ist. Wir haben jetzt neun Jahre ansteigende Konjunktur hinter uns. Zunehmende protektionistische Tendenzen oder der Brexit sind etwas, was uns gerade in Ostbayern sehr bewegt, weil wir eine stark exportorientierte Region sind. Die Verbraucherstimmung und die Binnennachfrage sind nach wie vor sehr gut. Man muss aber auch wieder unterscheiden: Der Einzelhandel klagt hier aufgrund des veränderten Verbraucherverhaltens ein wenig mehr als andere.

Dieser Text ist ein Beitrag aus der Wirtschaftszeitung. Hier geht es zum E-Paper. www.die-wirtschaftszeitung.de/epaper

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