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Regensburg
Freitag, 23. Februar 2018 2

Konjunktur

Besser kann es kaum werden

Die Wirtschaft in Ostbayern boomt. Unternehmer sehen deshalb wenig Luft nach oben. Wünsche haben sie trotzdem.
Von Bernhard Fleischmann

Die Bauwirtschaft – hier im Regensburger Dörnbergviertel – ist eine der Branchen, die in Ostbayern mächtig zu tun haben. Foto: M/-Archiv/Stefan Gruber

Regensburg.Den Unternehmen in Ostbayern geht es so gut, dass sie kaum glauben, dass es noch besser werden kann. Deshalb sind sie nicht mehr ganz so optimistisch für die Zukunft. So lautet das Ergebnis der jährlichen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim. Der Bericht erhielt deshalb auch den Titel „Wenig Luft nach oben“. „Der Spielraum für Wachstumsraten sinkt“, erklärte dazu der Hauptgeschäftsführer der IHK, Dr. Jürgen Helmes. Immer weniger Unternehmen gingen von weiteren Steigerungsraten aus. Allerdings rechneten 70 Prozent mit einer unverändert positiven Geschäftslage.

Und die ist ohnehin schon blendend. Bislang gültige Theorien, nach denen es wellenförmige Konjunkturzyklen gibt, seien in der Realität nicht mehr erkennbar, sagte IHK-Präsident Gerhard Witzany gestern bei der Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage in den Räumen der IHK in Regensburg. Die Hochphase dauere nunmehr acht Jahre an.

Die Lagebeurteilung der IHK-Unternehmen befindet sich auf dem höchsten je gemessenen Wert, 52 Punkte über der neutralen Nulllinie. Am besten fühlen sich Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleister. Bei den Erwartungen zeigt die Kurve etwas nach unten, aus den genannten Gründen.

Kein Zweifel, „die Region brummt“, sagte Helmes. Der Bezirk der IHK Regensburg weise mit 2,9 Prozent bundesweit die niedrigste Arbeitslosenquote auf. Im Gegenzug bedeuteten fast 500 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Rekord nach oben. Vor zehn Jahren waren es den IHK-Zahlen zufolge noch 100 000 weniger. Der Tourismus floriert, die Exporte sind weiter deutlich gestiegen.

Investitionen unter Bedarf

Ein zwiespältiges Bild gibt weiterhin die Bereitschaft zu Investitionen ab. Das Vertrauen in den heimischen Standort sei nach wie vor hoch. Dies zeigten deutlich die aktuellen großen Investitionen etwa bei Osram Opto oder Infineon. Das Investitionsklima habe sich insgesamt verbessert. Dennoch investierten die Betriebe trotz unbestritten hoher Gewinne nach wie vor unter Bedarf. Bei den Auslandsinvestitionen liege der Grund nach wie vor hauptsächlich in der Nähe zum Kunden. Aber es werde zunehmend als Argument genannt, dass dort Fachkräfte leichter zu bekommen seien – ein klares Warnsignal, wie Helmes findet.

Nie ist die Lage so gut, dass es keinen Grund zu Klagen und Ermahnungen gäbe. Vor Ort bereitet den Betrieben in und auch in weitem Bogen um Regensburg der Ausbau der Autobahn A3 gewaltige Sorgen. Obwohl die Betriebe nicht gerade davon überrascht sein können, ist das Thema von großen Unwägbarkeiten und erwartbaren Hindernissen geprägt. Die damit verbundenen Beeinträchtigungen sind vielfältig. Besonders empfindlich dürfte sich der Bau auf die 76 000 Menschen auswirken, die heute täglich nach Regensburg einpendeln.

Ebenfalls als Risiko stufen 45 Prozent der Unternehmen die zähe Regierungsbildung ein. Immerhin schlage der gefühlte Stillstand in der Bundes- und der Landespolitik noch nicht auf die wirtschaftliche Lage durch, sagte Witzany.

„Eine Mütterrente schafft keine Arbeitsplätze.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes

Auf dem Wunschzettel der Unternehmerschaft steht seit Langem eine bessere Bildungspolitik. Man ersehnt zudem einen „qualifizierten Zuzug aus dem Ausland“. Zuwanderung werde aktuell vom Thema Flüchtlinge dominiert. Dabei wünsche sich die Wirtschaft aber mehr Zuwanderer, welche dem Arbeitsmarkt sogleich zur Verfügung stünden. Witzany stellt klar: „Wir wollen ein Einwanderungsgesetz.“ Immerhin gerate allmählich Bewegung in diese politische Diskussion.
Die sprudelnden Steuereinnahmen dürften absehbar stark für soziale Ausgaben genutzt werden, sagen die IHK-Spitzenvertreter. Aber „eine Mütterrente schafft keine Arbeitsplätze“, moniert Helmes. Lieber möge man den „Investitionsstau“ in die öffentliche und wirtschaftsnahe Infrastruktur auflösen. Dazu zählten die Verkehrswege ebenso wie das digitale Netz.

Helmes verwies auf die von Präsident Trump durchgesetzten Steuersenkungen in den USA. Deutschland müsse darauf reagieren. Einen guten Teil der hohen Steuereinnahmen hätten die Unternehmensvertreter gerne in Form niedrigerer Steuern zurück. Vehement lehnen sie eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes ab.

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