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Landwirtschaft

Ein Start-up mit 225 Hühnerstärken

Andere Landwirte hören auf, Familie Ziegaus aus Hemau fängt an: Sie wollen den Hof der Eltern erhalten – mit einer Idee.
Von Heiner Stöcker

Heidi Ziegaus füttert mit Jonas (15), Kilian (8) und Julian (10) die Hühner. Fotos: Stöcker
Heidi Ziegaus füttert mit Jonas (15), Kilian (8) und Julian (10) die Hühner. Fotos: Stöcker

Hemau.„Plötzlich hast du einen Bauernhof mit 35 Hektar Acker und 20 Hektar Wald. Was machst du dann?“ Heidi und Thomas Ziegaus traf das Erbe 2013 überraschend. Sie standen voll im Berufsleben und die Familie hat ihren Lebensmittelpunkt bis heute in Hemau: Vater Thomas als Schreinermeister und Mutter Heidi arbeitet in einer Zahnarztpraxis. Ihre drei Jungs sind in der Schule und das Haus ist gebaut. Der Hof steht aber in Anger bei Laaber.

Der SB-Hofladen in Anger ist 24 Stunden offen. „Wir vertrauen den Kunden.“ Foto: Heiner Stöcker
Der SB-Hofladen in Anger ist 24 Stunden offen. „Wir vertrauen den Kunden.“ Foto: Heiner Stöcker

Heidi Ziegaus ist dort aufgewachsen und ein Verkauf stand nicht zur Diskussion. Ursprünglich war der Hof ein Milchviehbetrieb. Aber davon war bei der Übernahme 2013 nicht mehr viel übrig: Die Tiere waren weg, ebenso die Maschinen. Die Äcker waren verpachtet, „und wir wollten dann nur den Wald bewirtschaften“, sagt Thomas Ziegaus. Das trauten sich die Eheleute im Nebenerwerb zu.

Jonas Ziegaus erklärt im Video den mobilen Hühnerstall.

Der mobile Hühnerstall

In ihnen reifte die Entscheidung, mehr daraus zu machen: Seit Juli 2017 ist der Betrieb als Bioland-Hof gelistet. Familie Ziegaus bewegt sich gegen dem Trend: Rund 2000 landwirtschaftliche Betriebe arbeiten im Amtsbereich des Amtes für Landwirtschaft und Forsten (AELF) im Landkreis Regensburg. Davon 738 Betriebe im Haupterwerb und 1310 im Nebenerwerb. Die Zahl sinkt. „Davon hören im Schnitt jedes Jahr 1,2 bis 1,8 Prozent auf“, sagt ein Sprecher des AELF der Mittelbayerischen Zeitung. „Betroffen sind vor allem kleinere Betriebe, die keine Nachfolge finden und verpachten.“

Nicht so in Anger: Zwischen Übergabe, Auslaufen der Pacht und Betriebsgründung absolvierten die Ziegaus Lehrgänge, um sich auf die Waldwirtschaft und später auf den landwirtschaftlichen Betrieb vorzubereiten.

Bildungsprogramm vom Staat

Zu Gute kam der Familie das „Bildungsprogramm Landwirt“ des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das richtet sich an landwirtschaftliche Unternehmer, die einen außerlandwirtschaftlichen Beruf erlernt haben und ihren Betrieb im Nebenerwerb führen möchten. Mit dem modularen Programm sollen künftige Landwirte laut Homepage unter anderem fit gemacht werden in den Bereichen Lebensmittel-Produktion oder „beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln“.

Thomas und Heidi Ziegaus schaffen es nicht ohne ihre drei Jungs Jonas, Kilian und Julian. Foto: Heiner Stöcker
Thomas und Heidi Ziegaus schaffen es nicht ohne ihre drei Jungs Jonas, Kilian und Julian. Foto: Heiner Stöcker

Das „Aha“-Erlebnis kam bei einem der Lehrgänge: „Warum sollen wir etwas düngen, damit es wächst und später chemisch einbremsen, damit es nicht zu hoch wird?“, sagt Thomas Ziegaus. Das sei der Weg der konventionellen Landwirtschaft, mit dem er und seine Frau groß geworden sind. „Aber das sind nicht wir. Das ist nicht unser Naturell.“ Als Imker sei er kein Freund der chemischen Lösung. „Wir wollen regional und nachhaltig wirtschaften. Und uns liegt Tierwohl am Herzen. Das war für unsere Investition mit ausschlaggebend“, sagt Heidi Ziegaus.

Für ihren Traum vom Bioland-Hof haben die Ziegaus viel Geld in die Hand genommen. Unter anderem ihre Ersparnisse und die Entschädigungszahlungen für den Bau der Gas-Pipeline.

Hühner-Stall-Mobil nummer zwei ist bestellt. Damit verdoppelt sich der Tierbestand. Foto: Heiner Stöcker
Hühner-Stall-Mobil nummer zwei ist bestellt. Damit verdoppelt sich der Tierbestand. Foto: Heiner Stöcker

„Wir haben davon unter anderem Maschinen, Saatgut, Kurse, und unseren Hühnerstall finanziert. Wir wollten Tiere haben – aber schlachten und Viehtransport ist auch nicht unsere Sache.“ Also Hühner. Deren Mist lässt sich zudem zielgerichtet als Dünger einsetzen.

Abstriche im Beruf

Für den Bioland-Hof mit Schwerpunkt Hühnerstall und Eiervermarktung haben beide ihre beruflichen Tätigkeiten reduziert. „Wir haben mindestens zwei Stunden jeden Tag zu tun. Am Freitag und Samstag oft den ganzen Tag, meist auch am Sonntag“, sagt sie. Neben der Bewirtschaftung der Felder wurden die 225 Hühner ein Haupt-Standbein des Betriebs. Die leben in einem mobilen Stall, der alle paar Wochen den Standort wechselt – zusammen mit ein paar Kamerunschafen, „die halten die Habichte fern“. Etwa 180 bis 190 Eier fallen täglich an. Um die Lege-Pausen zu überbrücken, ist der zweite Mobil-Stall bereits bestellt. Damit verdoppelt der Betrieb seinen Bestand.

Jede Woche kommen die Eier auf den Markt. Foto: Heiner Stöcker
Jede Woche kommen die Eier auf den Markt. Foto: Heiner Stöcker

Jetzt geht es für die Familie darum, ihre Produkte zu vermarkten. Jeden Mittwoch stehen sie auf dem Markt in Hemau, ihr Automat in der Josef-Eder-Straße 35 bietet rund um die Uhr Eier, Nudeln und Honig und der SB-Hofladen in Anger hat 24 Stunden geöffnet. „Vor drei Jahren hätte ich Hühner nicht mal angefasst. Und heute – es läuft und wir sind glücklich“, sagt Heidi Ziegaus.

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